Die saudische Flagge weht vor dem Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul | Bildquelle: AFP

Saudis bestätigen Khashoggis Tod "Bei Kampf ums Leben gekommen"

Stand: 20.10.2018 12:48 Uhr

Nach zwei Wochen nun also doch das Bekenntnis aus Riad: Der Journalist Kashoggi ist im saudischen Konsulat in Istanbul zu Tode gekommen. Die saudischen Ermittler sprechen von einer Schlägerei.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

In den arabischen Medien ist es die Nachricht des Tages, das offizielle Geständnis aus Riad: Der Journalist Jamal Khashoggi wurde im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet. Khashoggi sei ums Leben gekommen, nachdem es einen Kampf im Konsulat gegeben habe, erklärte die Staatsanwaltschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad, verlesen im staatlichen Fernsehen:

"Erste Untersuchungen der Staatsanwaltschaft im Fall des Verschwindens des Staatsbürgers Jamal Ahmed Khashoggi haben ergeben, dass Diskussionen mit Leuten, die er im saudischen Konsulat in Istanbul getroffen hat, zu einem Kampf führten, der seinen Tod verursachte. Möge er in Frieden ruhen."

Noch seien die Untersuchungen aber nicht abgeschlossen. Möglicherweise wurde deshalb auch nicht bekannt gemacht, wo der Leichnam Khashoggis geblieben ist. "Die Staatsanwaltschaft verhöre 18 saudische Verdächtige, die in Zusammenhang mit dem Verbrechen festgenommen worden seien, hieß es weiter in dem Fernsehbericht. Die Wahrheit werde ans Licht kommen und alle Details würden veröffentlicht. "Jeder, der involviert war, wird zur Rechenschaft gezogen."

Was wusste der saudische Kronprinz?

Laut saudischen Medien hat König Salman angeordnet, den stellvertretenden Geheimdienstchef Ahmed al-Assiri und einen Berater des Königshauses, der als rechte Hand von Kronprinz Mohammed bin Salman gilt, ihrer Posten zu entheben. Weil die beiden zum engsten Kreis um den Kronprinzen gehörten, steht Mohammed bin Salman in Verdacht, zumindest von der Tötung Khashoggis gewusst, sie möglicherweise gar angeordnet zu haben. Das wurde nun erneut aus Saudi-Arabien zurückgewiesen. Und als wollte er selbst seine Unschuld demonstrieren, ordnete der Kronprinz - so heißt es aus Riad - die Bildung eines Ministerialkomitees an, das den Geheimdienst umbauen solle. 

Trump hält Erklärung für glaubwürdig

"Einen guten ersten Schritt" nannte US-Präsident Donald Trump die Erklärung aus Riad. Er halte sie für glaubwürdig. Saudi-Arabien sei ein guter Verbündeter, aber das, was passiert sei, sei inakzeptabel. Trump ist die Partnerschaft mit Saudi-Arabien aus mehreren Gründen wichtig: So kooperieren sie gegen den gemeinsamen Gegner Iran. Auch auf wirtschaftlicher Ebene ist Trump an einem guten Verhältnis zum Königshaus gelegen. Wohl auch deshalb sprach sich Trump dagegen aus, als Konsequenz Waffengeschäfte zu streichen, denn das könnte 600.000 Menschen ihre Arbeitsplätze kosten.

Internationale Untersuchung gefordert

Deutlich kritische Töne in Richtung Saudi-Arabien kommen aus dem US-Kongress, den Trump in die Entscheidung über eventuelle Maßnahmen gegen Saudi-Arabien einbinden will. "Zu sagen, ich sei skeptisch, was die neue saudische Erzählung zu Herrn Khashoggi angeht, ist einen Untertreibung", erklärte etwa der republikanische Senator Lindsey Graham. Sein demokratischer Kollege Richard Blumenthal sagte dem Sender CNN, die Erklärung aus Saudi-Arabien trotze jeglicher Glaubwürdigkeit. Er forderte eine internationale Untersuchung. 

Saudi-Arabien räumt Tod von Khashoggi ein
Mark Kleber, ARD Kairo
20.10.2018 09:50 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 20. Oktober 2018 die tagesschau um 09:50 Uhr und tagesschau24 um 13:00 Uhr.

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