Gläubige bei der Karfreitagsprozession in Jerusalem | AFP

Karfreitagsprozession in Jerusalem "Es fühlt sich an wie Hoffnung"

Stand: 02.04.2021 14:01 Uhr

Die Karfreitagsprozession in Jerusalem fällt in diesem Jahr kleiner aus als gewohnt. Doch die Kirchen öffnen wieder, und bei den Einheimischen herrscht Erleichterung: Dank der Impfkampagne sei endlich ein Stück Normalität zurück.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Gefolgt von einigen hundert Gläubigen zogen Franziskanermönche am Mittag durch die Jerusalemer Altstadt zur Grabeskirche. Die traditionelle Karfreitagsprozession verlief entlang des sogenannten Kreuzweges, den der Überlieferung nach Jesus vor der Kreuzigung ging. An mehreren Punkten des Weges, den sogenannten Stationen, hielten die Gläubigen kurz inne und beteten.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Die Prozession bildet traditionell den Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten in Jerusalem. Normalerweise laufen Tausende durch die engen Altstadtgassen mit oder stehen am Wegesrand, aber Touristen und damit auch christliche Pilger dürfen weiterhin nicht einreisen.

"So leer habe ich es noch nie gesehen", sagt ein protestantischer Geistliche aus den USA, der schon seit Jahren in Jerusalem lebt. "Beeindruckend. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, die Busladungen von Touristen und die Menschenmassen zurück zu haben. Wie haben sie das nur geregelt bekommen. So ist es sicher leichter zu organisieren."

"Hoffnung, Frühling, Auferstehung"

Viele Geschäftsleute in der Jerusalemer Altstadt sind von Touristen und Pilgern abhängig. Das vergangene Jahr war wirtschaftlich sehr hart. Auch wenn die Reisenden weiterhin nicht kommen können - nun, nach Israels erfolgreicher Impfkampagne, sei doch etwas Normalität zurück, sagt der US-Pastor.

Wir können die Kirchen wieder öffnen und die Menschen können Ostern feiern. Israel hat das mit dem Impfen sehr gut hinbekommen. Es fühlt sich an wie Hoffnung, Frühling, Auferstehung. Eine Wiederaufnahme, eine Rückkehr zum Leben, wie wir es kannten.

Kirche öffnet zum ersten Mal wieder

Im vergangenen Jahr mussten öffentliche Gottesdienste an Ostern ausfallen. Nun können die Gläubigen unter Auflagen wieder in die Kirchen. Man könne nur Geimpfte rein lassen, sagt die Pastorin der Kirche von Schottland, die ein Gotteshaus in Jerusalem hat.

Die Pastorin wird dort am Sonntag vor Gläubigen predigen, zum ersten Mal seit Pandemiebeginn. "Wir konnten die Kirche seit dem 5. März letzten Jahres nicht mehr öffnen", erzählt sie. "13 Monate lang hielten wir die Gottesdienste mit Zoom-Videoschalten ab. Heute ist die Schottische Kirche Jerusalems zum ersten Mal wieder offen."

Ein kleines Stück Normalität, sagt sie. Das sei doch eine Osterbotschaft für sich. Wir waren tot und leben wieder. So fühle sich das an.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. April 2021 um 13:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Der Lenz 02.04.2021 • 20:47 Uhr

@Olivia59 um 20:04

>Gesetze und moralische Vorstellungen werden fortwährend gesellschaftlich frei verhandelt, was viele für eine obszöne Betrachtung halten.< Die Obszönität wird meist eher in der Verhandlungsposition gesehen. In den Letzten Jahren sind es ja gerade die die nicht Wieder sondern zum vorher zurück wollen die sich besonders an den Veränderungen für die diese Worte seit dem stehen stören.