Flüchtlinge im Jemen. | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX/Shutterstoc

Humanitäre Krise Tausende Migranten im Jemen interniert

Stand: 03.05.2019 01:40 Uhr

Im Jemen harren Tausende Flüchtlinge unter katastrophalen Bedingungen in Internierungslagern aus. Mehrere Menschen sind bereits an eigentlich heilbaren Krankheiten gestorben.

Von Michael Lohse, ARD-Studio Kairo

Sie träumten von einem besseren Leben, doch sie kamen nur bis Aden. Ein Fußballstadion in der südjemenitischen Hafenstadt ist für Tausende Migranten aus Ostafrika die vorläufige Endstation.

Für manche bedeutet es auch den Tod: Seit den Massenverhaftungen vor gut zwei Wochen durch jemenitische Sicherheitskräfte sind in dem Stadion und zwei weiteren Lagern im Süden des Landes nach UN-Angaben mindestens acht Menschen gestorben. Die Todesursache war Durchfall, der unter normalen Umständen gut behandelbar gewesen wäre.

Internationale Helfer schlagen Alarm

Die Internationale Organisation für Migration schlägt Alarm angesichts der katastrophalen Bedingungen. Mitarbeiterin Olivia Headon sagt:

"Die humanitäre Situation hier im Stadion ist schrecklich. Deshalb arbeiten wir mit anderen Partnern bei den UN und in der NGO-Community zusammen, um die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten zu gewährleisten. Das ist aber keine Dauerlösung. Was immer als nächstes passiert, wohin man diese Migranten auch bringen wird - es muss in einer würdigen und menschlichen Weise geschehen."

Die UN haben provisorische Behandlungszentren eingerichtet. In den Lagern leben ihren Schätzungen zufolge rund 200 teilweise Schwerkranke. Zwei Menschen seien von Sicherheitskräften beschossen und verletzt worden.

Niemand weiß, wie es weitergehen soll

Noch ist nicht klar, was mit den Internierten weiter geschehen soll. Die jemenitische Regierung beabsichtigt, sie in ihre Heimatländer abzuschieben. Dass die Flüchtlinge ausgerechnet den Jemen als Ziel ihrer Flucht gewählt haben, liegt oft an ihrem schlechten Informationsstand vor der Abreise. Ein Migrant berichtet:

"Wir kamen vor einer Woche aus Äthiopien. Wir waren eine Gruppe von 5000 Leuten, und wir nahmen an, dass hier kein Krieg ist. Aber es stellt sich heraus, sie haben einen Krieg und viele Probleme."

Seit 2015 herrscht Krieg im Jemen. Damals griff Saudi-Arabien zusammen mit anderen arabischen Ländern in den inner-jemenitischen Konflikt zwischen der Regierung und den Huthis ein, einer schiitischen Minderheit im Norden. Doch nach vier Jahren Krieg ist der Staat der international anerkannten Regierung von Abed Rabbo Mansur Hadi, den die saudisch-geführte Intervention angeblich retten wollte, kaum mehr existent.

Migranten gefangen in verfahrener Situation

Über weite Teile des Südens, wo die meisten Flüchtlingsboote ankommen, herrschen diverse Milizen, die oft von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt werden. Und die haben kein Interesse, dass die Flüchtlinge in die reichen Golfstaaten weiterziehen. Denn im Jemen hält die meisten nichts, wie dieser junge Äthiopier erklärt:

"Wir wollen nicht im Jemen bleiben. Jemen liegt nur auf dem Weg. Wir begannen die Reise, als noch nicht gekämpft wurde und jetzt ist der Jemen voller Probleme, voll toter Menschen und fliegender Kugeln."

Tausende Migranten im Jemen unter katastrophalen Bedingungen interniert
Michael Lohse, ARD Kairo
02.05.2019 23:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Mai 2019 um 05:55 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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