Schüler in Teheran bei den Revolutionsfeiern | Bildquelle: AP

Iranische Revolution Feiern in Katerstimmung

Stand: 11.02.2019 09:03 Uhr

Vor 40 Jahren verjagten die Iraner den Schah und riefen die Islamische Republik aus. Im Land wird das heute gefeiert. Doch der staatlich organisierte Jubel kann die immer lautere Kritik nicht übertönen.

Vor 40 Jahren setzten die Iraner den verhassten Schah ab und riefen die Islamische Republik aus. Heute feiert das Land den Jahrestag mit Großkundgebungen, zu denen Millionen Menschen erwartet werden.

Aus Anlass der Feiern hat die Regierung Begnadigungen und Straferlässe für 50.000 Gefangene angekündigt. Ob die Amnestie auch für politische Gefangene gilt, blieb offen. 

Boeing 747: Ayatollah Khomeini kommt mit einer Boeing 747 am 1. Februar 1979 in Teheran an | Bildquelle: AP
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Chomeni kehrte am 1. Februar 1979 mit einem Jumbo der Air France aus dem Exil nach Teheran zurück.

Ayatollah Ruhollah Khomeini nach seiner Ankunft am 1. Februar 1979 in Teheran | Bildquelle: AP
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Er hatte bereits aus dem französischen Exil den Schah heftig kritisiert und wurde begeistert empfangen.

Iran hält an Raketenprogramm fest

Präsident Hassan Rouhani wandte sich in einer Rede an das Volk, in der er vor allem die Stabilität des Iran pries: Die "Verschwörung" der USA, Israels und anderer "reaktionärer Staaten" im Nahen Osten gegen Teheran sei zum Scheitern verurteilt, sagte er. Schon die vielen Menschen auf den Straßen des Landes zeigten, dass der "Feind seine teuflischen Ziele" niemals erreichen werde.

Der Iran wird wegen seiner Rivalität mit Saudi-Arabien und seines umstrittenen Atomprogramms unter anderem von den USA und Israel mit Argwohn beobachtet. US-Präsident Donald Trump etwa hatte den Ausstieg aus dem Atomabkommen mit fehlender Regulierung für den Bau von Raketen begründet.

Vergangene Woche hatten die Revolutionsgarden Berichten zufolge eine Bodenrakete mit einer Reichweite von 1000 Kilometern vorgestellt.

Rouhani hielt in seiner Rede an dem Programm fest: "Wir haben nicht und wir werden nicht um Erlaubnis fragen, um verschiedene Raketen-Typen zu entwickeln", sagte er.

Ernüchterung statt Begeisterung

1979 war die Begeisterung über die Veränderungen im Land groß - heute dürften die Feiern deutlich zurückhaltender sein als vor 40 Jahren. Damals jubelten die Menschen, als Schah Reza Pahlavi das Land verließ und Ruhollah Chomeni aus dem französischen Exil zurückkehrte.

Er leitete den radikalsten Wandel ein, den der Iran je erlebte, sagt der Teheraner Politologe Khalum. "Die islamische Revolution bedeutete nicht, dass die Iraner eine islamistische Regierung, die Einführung der Scharia oder den Schleierzwang für Frauen wollten." Die Iraner hätten keinen Widerspruch zwischen dem Islam und einer demokratischen Regierung gesehen.

Nach dem Ende der Monarchie fand im März 1979 ein Referendum über die neue Staatsform statt. Zur Abstimmung standen Islamische Republik ja oder nein.

Demonstration am 9. Oktober 1978 gegen Schah Pahlavi in Tehran | Bildquelle: AP
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Demonstration am 9. Oktober 1978 gegen Schah Pahlavi vor dem Azadi-Turm in Teheran. Auch heute findet dort die Kundgebung statt.

Druck auf die Regierung steigt

Die steckt inzwischen in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise: Die Inflation betrug im Januar rund 40 Prozent, nach Angaben des staatlichen Statistikamtes lagen die Preise für Fleisch und Früchte im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 77 Prozent höher. Fisch wurde mehr als 80 Prozent teurer.

Außenpolitische Spannungen, innenpolitische Machtkämpfe zwischen Reformern und Hardlinern und eine fragile Wirtschaft dominieren das Land. Zudem wurde mehr als die Hälfte der jetzigen Bevölkerung - also mehr als 40 Millionen Menschen - nach der Revolution geboren.

"Wir haben keine guten Erfahrungen mit Revolutionen"

Den jungen Iranern ist bewusst, dass ihr Land eine Veränderung braucht. "Ich kenne keine Alternative für eine andere Regierungsform", sagt die 23-jährige Geschichtsstudentin Mina. "Es sollte auf jeden Fall nicht durch eine neue Revolution ausgelöst werden. Wir haben keine guten Erfahrungen mit Revolutionen."

Eine wichtige Plattform für Kritiker ist das Internet. Was noch vor einigen Jahren nicht offen gesagt werden durfte, ist nun jeden Tag in den sozialen Medien zu lesen. Daher fordern Klerus und Hardliner strengere Internetkontrollen, die aber auch innerhalb des Regimes umstritten sind. "Wenn das Internet oder andere Realitäten des 21. Jahrhunderts nicht richtig eingeschätzt werden, könnte dies zu einem gefährlichen Generationenkonflikt führen," warnt sogar Präsident Rouhani.

Mit Informationen von Christian Buttkereit, ARD-Studio Istanbul

40 Jahre Islamische Revolution im Iran
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
11.02.2019 06:57 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Februar 2019 um 09:00 Uhr.

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