Blick auf die Sojus-Kapsel an der ISS | Bildquelle: dpa

Schaden an der Sojus-Kapsel Ursachenforschung nach Riss an der ISS

Stand: 31.08.2018 15:47 Uhr

Am Donnerstag hatte ein Riss in einer Raumkapsel an der ISS für einen Druckabfall gesorgt. Inzwischen wurde er mit einem Tuch geflickt. Experten suchen nun nach der Ursache - auch Materialprobleme kommen in Frage.

Nach einem Riss in der Sojus-Raumkapsel der ISS forschen Experten nach der Ursache des Lecks. Die an die Internationale Raumstation ISS angedockte Kapsel sei vermutlich von einem Mikrometeoriten getroffen worden, sagte ein Vertreter der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Aber auch andere Möglichkeiten sollten untersucht werden. So könnten etwa Materialprobleme nicht ausgeschlossen werden.

An Bord der ISS ist auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst. In der Nacht auf Donnerstag war in der russischen Kapsel ein rund zwei Millimeter großer Riss entstanden. Er hatte einen Druckabfall in der Raumstation ausgelöst, die in rund 400 Kilometern Höhe die Erde umrundet. Der Vorfall sei für die Besatzung ungefährlich gewesen, erklärte Roskomsos. Die Raumfahrer hatten das Leck mit einem klebstoffgetränkten Spezialtuch abgedichtet. "Der Luftdruck ist normal, es wurden auch keine weiteren Risse gefunden", hieß es.

Fotos von der ISS: A. Gerst putzt in der ISS | Bildquelle: Alexander Gerst/ISS/ESA
galerie

Alexander Gerst wird noch bis zum Dezember auf der Raumstation bleiben und im Oktober als erster Deutscher das Kommando auf der ISS übernehmen.

Abdichtung nur provisorisch?

Der deutsche Raumfahrtexperte Ulrich Walter zweifelt jedoch daran, dass ein Meteorit den Schaden an der Kapsel verursacht hat. "Vielleicht hat es einen Produktionsfehler gegeben und die Russen haben nicht richtig gearbeitet", sagte er "Spiegel Online". So könnten Risse oder Löcher auch durch mechanische Beanspruchung im All entstehen. Walter glaubt auch, dass die bisherige Abdichtung nicht ausreiche, um den Riss dauerhaft zu schließen. Ein Lappen sei nicht ganz luftdicht, sagte er. "Der hält zwar den großen Luftstrom ab, aber ein bisschen lecken wird er trotzdem". Weitere Reparaturarbeiten hält er daher für dringend nötig.

Roskosmos betonte jedoch, dass das Leck vollständig abgedichtet sei. Die Besatzung habe überprüft, ob Luft austrete oder weitere Risse in der Raumkapsel entstanden seien. Dies könne eindeutig ausgeschlossen werden, erklärte die Behörde. Ein Außeneinsatz sei nicht erforderlich, neue Abdeckungen würden aber geprüft. Die Sojus-Kapsel, die an der ISS angedockt ist und die Raumfahrer wieder zur Erde bringen soll, könne ohne Probleme weiter verwendet werden.

Minutiös auf mögliche Unfälle vorbereitet

"Gestern hat sich wieder gezeigt, wofür unser Notfalltraining gut ist", twitterte Gerst. Gemeinsam mit der Crew und den Raumfahrtbehörden auf der Erde habe man das kleine Leck schnell finden und verschließen können. Die Raumfahrer werden vor ihrem Einsatz auf mögliche Unfälle minutiös vorbereitet.

Lecks und Risse an der Außenwand der ISS sind nicht ungewöhnlich. Ein winziger Splitter hatte 2014 ein Sonnensegel durchschlagen und nur knapp eine wichtige ammoniakführende Röhre des Solarmoduls verfehlt. Die ISS musste zudem schon mehrfach heranrasendem Weltraumschrott wie etwa Teilen von ausrangierten Satelliten ausweichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 30. August 2018 um 18:10 Uhr ("Update").

Darstellung: