Ein israelischer Soldat blickt an der grenze Richtung Jordanien.

Israel und Jordanien Der Frieden hält - irgendwie

Stand: 26.10.2019 17:28 Uhr

Vor genau 25 Jahren schlossen Israel und Jordanien Frieden. Der Vertrag weckte große Hoffnungen, von einer "neuen Ära des Friedens" war die Rede. Doch der Optimismus ist Ernüchterung gewichen.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Arava-Wüste vor 25 Jahren, an der Grenze zwischen Israel und Jordanien: Soldaten beider Länder, die sich jahrzehntelang bekämpft hatten, überreichten sich Geschenke. Hinter ihnen standen zwei Männer, die Geschichte geschrieben hatten. Israels Premierminister Yitzhak Rabin und der jordanische König Hussein. Am 26. Oktober 1994 schlossen ihre beiden Länder Frieden.

"Von diesem Podium aus schaue ich mich um. Und ich sehe die Arava-Wüste", sagte Rabin. "In der Ferne, auf der israelischen und jordanischen Seite, sehe ich nur eine Wüste. Hier gibt es fast kein Leben. Hier gibt es nur Minenfelder. So waren die Beziehungen unserer beiden Länder. Es ist an der Zeit, die Minenfelder zu überwinden - die Minenfelder zwischen unseren beiden Völkern."

Rabin und Hussein: zwei Männer, die erkannten, welche Chance ein Friedensvertrag bieten konnte. "Es erfüllt mich mit großem Stolz, dass ich hier heute vor Ihnen stehe", sagte der jordanische König. "Heute ist ein Tag wie kein anderer, ein Tag von Hoffnungen und Gelegenheiten. Mit Gottes Segen werden wir diesen Tag so lange in Erinnerung behalten, wie wir leben. Und künftige Generationen von Jordaniern, Israelis, Arabern, Palästinensern - alle Kinder Abrahams sollen sich an diesen Tag erinnern als den Beginn einer neuen Ära des Friedens."

Yitzhak Rabin und der jordanische König Hussein. | Bildquelle: picture-alliance / dpa/afp
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Yitzhak Rabin und der jordanische König Hussein erkannten, welche Chance ein Friedensvertrag bieten konnte - doch von den großen Hoffnungen ist heute wenig übrig.

Hoffnung ist der Ernüchterung gewichen

Rabin wurde ein Jahr später von einem israelischen Extremisten erschossen, König Hussein starb fünf Jahre später. 25 Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages sind die Hoffnungen Ernüchterung gewichen.

Der israelische Konfliktforscher Ofer Zalzberg beschäftigt sich seit Jahren mit den beiden Ländern, spricht mit hochrangigen Beamten auf beiden Seiten. Und die erzählen dem Forscher, der für die Organisation Crisis Group arbeitet, nichts Gutes.

"Wir haben wahrscheinlich das schlechteste israelisch-jordanische Verhältnis seit 1994 erreicht", sagt er. "Der jordanische König weigert sich, Benjamin Netanyahu öffentlich zu treffen. Der Friedensvertrag wird von der jordanischen Bevölkerung scharf kritisiert. Und auf Seiten der politischen Rechten in Israel gibt es nun einen größeren Widerwillen gegenüber dem Abkommen."

Frieden durch Zusammenarbeit - das war das Ziel des Abkommens von 1994. Israel verpflichtete sich, Wasser an Jordanien zu liefern. Pläne für einen gemeinsamen Kanal vom Roten ins Tote Meer stocken jedoch. Ein gemeinsamer Flughafen wurde ebenfalls nie eröffnet.

Wichtiges Thema: der Palästinenser-Konflikt

Der Frieden zwischen den beiden Ländern ist ein kalter Frieden. Das Verhältnis wird immer wieder von Gewalt überschattet. Vor den islamischen Heiligtümern in Jerusalem, die von einer jordanischen Stiftung verwaltet werden, eskaliert die Lage regelmäßig. Der vielleicht zentralste Grund für den kalten Frieden ist jedoch, dass die Palästinenser weiterhin keinen eigenen Staat haben.

"Aus Sicht der Jordanier basiert der Friedensvertrag darauf, dass Israel den Palästinensern einen eigenen Staat gewährt", sagt Zalzberg. "Man kann das jordanisch-israelische Abkommen nicht vom grundsätzlichen israelisch-arabischen Konflikt lösen. Oder noch genauer: vom Konflikt mit den Palästinensern."

Keine offiziellen Jubiläumsfeiern in beiden Ländern

Israel und Jordanien bekämpfen sich nicht mehr. Die Sicherheitsdienste arbeiten eng zusammen - hinter den Kulissen. Der Frieden hält - irgendwie. Doch die beiden Völker haben sich 25 Jahre nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages kaum angenähert. Weder in Israel noch in Jordanien wird mit offiziellen Feiern an das historische Datum erinnert. Eine gemeinsame Zeremonie - wie damals in der Arava-Wüste - ist nicht geplant.

25 Jahre danach - der kalte Frieden zwischen Israel und Jordanien
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
25.10.2019 21:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Oktober 2019 um 12:38 Uhr.

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