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Nahost Das Viereck der Macht

Stand: 15.11.2019 11:20 Uhr

Zwei Tage dauerten die Kämpfe zwischen Israel und der Palästinenser-Miliz Islamischer Dschihad im Gazastreifen. Die Hamas hielt sich aus dem Schlagabtausch heraus. Tim Aßmann analysiert die Kräfteverhältnisse.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Schwarzer Gürtel. So nannte die israelische Armee den Plan, der schließlich zu 48 Stunden Kampfhandlungen führte, mit Dutzenden Verletzten auf israelischer Seite und mehr als 30 Toten im Gazastreifen, darunter auch Zivilisten. Das Ziel von "Schwarzer Gürtel" war Baha Abu al Atta, einflussreicher Kommandeur der Palästinenser-Miliz Islamischer Dschihad im Gazastreifen.

"Es wurde entschieden, ihn zu eliminieren"

Der 42-Jährige war aus israelischer Sicht ein Unsicherheitsfaktor. Auf sein Konto gingen nach Einschätzung der Armee zahlreiche Raketenangriffe auf Israel, mit dem Ziel, Abkommen zwischen der Hamas, die im Gazastreifen regiert, und Israel zu torpedieren. Man habe zunächst über verschiedene Kanäle Warnungen an Abu al Atta gesendet, sagte der israelische Militärsprecher Jonathan Conricus.

"Es gab den umfangreichen Versuch Abu al Atta davon zu überzeugen, keine weiteren Angriffe zu planen und durchzuführen. Dieser Versuch scheiterte offenkundig. Deshalb wurde vor ungefähr zehn Tagen entschieden, ihn zu eliminieren."

In der Nacht zum Dienstag schlug Israels Armee dann zu. Abu al Atta und seine Ehefrau starben bei einem Luftangriff. Damit, dass der Islamische Dschihad Vergeltung üben und Raketen schießen würde, hatte die israelische Armeeführung gerechnet und offenbar auch damit, dass sich die im Gazastreifen herrschende Hamas aus den Kampfhandlungen heraushalten würde. Die Taktik der Armee war offenkundig darauf ausgerichtet, Hamas nicht zu provozieren. Das bestätigte auch Militärsprecher Jonathan Conricus.

"Wir unterschieden natürlich bei der ganzen Operation zwischen der Hamas und dem Islamischen Dschihad. Alle Operationen richteten sich nur gegen militärische Ziele, die zum Islamischen Dschihad gehörten."

"Islamischer Dschihad: durch und durch iranisch"

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Zeugnis eines israelischen Luftangriffs in der Nacht: Ein Krater im südlichen Gazastreifen.

So natürlich wie der Armeesprecher es darstellt, war diese Unterscheidung allerdings nicht. In der Vergangenheit machte Israel die Hamas für jeden Angriff aus dem Gazastreifen verantwortlich, weil sie den Küstenstreifen kontrolliert. An dieser Haltung habe sich grundsätzlich auch nichts geändert, versicherte der israelischen Außenminister Israel Katz im Armeeradio.

"Die Hamas ist eine Organisation mit dem Ziel einer islamistischen Herrschaft und sie spricht Israel das Existenzrecht ab. Der Islamische Dschihad hat zwar das gleiche Ziel, aber es gibt Unterschiede." Die Hamas arbeite zwar auch mit dem Iran zusammen, aber der Islamische Dschihad sei durch und durch iranisch, so Katz. "Es mag sein, dass Hamas und wir diesmal gleiche Interessen hatten, aber das war nicht entscheidend für unsere Operation. Dass die Hamas sich letztlich rausgehalten hat, ist ein Erfolg."

Der getötete Kommandeur des Islamischen Dschihad, Abu al Atta, war auch für Hamas ein Problem. Die Bewegung hat zur Zeit offenbar kein Interesse an einer erneuten bewaffneten Konfrontation mit Israel. Hamas profitiert von Lockerungen der Abriegelung des Küstenstreifens und auch davon, dass Israel Geldtransfers aus Katar in den Gazastreifen lässt, von denen Hamas abhängig ist.

Machtpoker: Hamas, Fatah, Islamischer Dschihad

Außerdem versucht Hamas sich mit der rivalisierenden Fatah des palästinensischen Präsidenten Abbas auf einen Termin für Parlamentswahlen in den palästinensischen Gebieten zu verständigen. Ein erneuter Waffengang mit Israel hätte diese Bemühungen gefährdet. Für den Islamischen Dschihad waren die Kämpfe gegen Israel nun durchaus ein Erfolg. Die Bewegung habe bewiesen, wie stark sie mittlerweile ist, analysierte die israelische Politik-Expertin und ehemalige Parlamentsabgeordnete Ksenia Svetlana in einem Fernsehinterview.

 "2007, als Israelis noch in den Gazastreifen durften, interviewte ich alle Führer des Islamischen Dschihad. Das war eine völlig esoterische Organisation, die es zwar gab, die aber kein eigenständiges Existenzrecht hatte." Dass es nun einen einen iranischen Ableger im Gazastreifen gebe, sei eine sehr gefährliche Entwicklung: "Irgendwie haben wir das zugelassen", so die Politik-Expertin.

Dem islamischen Dschihad ist es gelungen, sich als militärische Kraft und als eigenständiger Akteur zu etablieren. Das macht politische Lösungen für den Gazastreifen noch schwerer.

"Schwarzer Gürtel" - Israels Konfrontation mit dem Islamischen Dschihad
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
15.11.2019 10:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 15. November 2019 um 08:05 Uhr.

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