Der Skiort Ischgl in Österreich | Bildquelle: AFP

Studie zu Corona-Hotspot Viele Bürger Ischgls waren infiziert

Stand: 25.06.2020 16:15 Uhr

Im Tiroler Skiort Ischgl waren deutlich mehr Menschen vom Coronavirus betroffen als bislang bekannt: Laut einer Studie besitzen mehr als 40 Prozent der untersuchten Einwohner Antikörper. Die Wenigsten waren dabei richtig krank.

Im österreichischen Ischgl war ein großer Teil der Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert. Das zeigt eine umfassender Studie der Medizinischen Universität Innsbruck. Demnach haben 42,4 Prozent der untersuchten Bürger Antikörper gegen Sars-CoV-2. Das sei der weltweit höchste bisher publizierte Wert, sagte die Direktorin des Instituts für Virologie, Dorothee von Laer.

Zum Vergleich: In einem der ersten Corona-Hotspots in Deutschland, Gangelt im Kreis Heinsberg, waren laut einer Anfang April durchgeführten Studie gut 15 Prozent der Einwohner infiziert oder hatten eine Infektion bereits hinter sich. Den Angaben aus Innsbruck zufolge wiesen vergleichbare Studien für Gröden in Südtirol Werte von 27 Prozent und für Genf von zehn Prozent auf. Antikörper im Blut gelten als Nachweis für eine durchgemachte Infektion.

Überwiegender Teil der Infektionen symptomlos

An der Studie nahmen rund 80 Prozent der Ischgler Bevölkerung teil. 1473 Probanden waren zwischen dem 21. und dem 27. April untersucht worden.

Auffällig an den Ergebnissen - neben der hohen Durchseuchung: Nur 15 Prozent dieser de facto Infizierten aus Ischgl seien zuvor bereits positiv getestet worden. Durch ein dreistufiges Verfahren liege die Spezifität der Antikörper-Tests bei 100 Prozent, erklärten die Studienautoren. "Es gibt also keine falsch positiven Ergebnisse", so von Laer. Zudem seien die Krankheitsgeschichten mit einem Fragebogen erhoben worden.

"85 Prozent haben die Infektion also unbemerkt durchgemacht", sagte von Laer. Von diesen 85 Prozent habe etwa die Hälfte zwar schon Symptome gehabt, aber in vielen Fällen derart milde, dass die Infektion beispielsweise als Schnupfen abgetan wurde. Besonders betroffen waren laut der Studie Menschen zwischen 18 und 60 Jahren, bei den untersuchten Kindern unter 18 wiesen lediglich 27 Prozent Antikörper auf.

Virus verbreitete sich wohl schon im Februar

Die Studienleiterin geht zudem davon aus, dass "zumindest ab der zweiten Februarhälfte das Virus schon in Ischgl kursierte". Die Studie beweise, dass Sars-CoV-2 bereits im Februar in Ischgl verbreitet gewesen sein müsse, da es bei den Touristen, aber eben auch bei den Einheimischen zu einer massenhaften Ansteckung gekommen sei, erklärte Peter Kolba vom Verbraucherschutzverein

Der Skiort Ischgl sowie seine unmittelbare Umgebung gelten als Brennpunkt für die Ausbreitung des Coronavirus in Österreich und Teilen Europas. Eine Kommission im Bundesland Tirol soll nun das stark kritisierte Krisenmanagement unter die Lupe nehmen. Das Paznauntal mit den Orten Ischgl und Galtür wurde am 13. März unter Quarantäne gestellt. Aus Sicht von Kritikern und Betroffenen hätte dieser Schritt früher erfolgen müssen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juni 2020 um 12:00 Uhr.

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