Irans Präsident Hassan Ruhani | Bildquelle: dpa

Iran zu US-Sanktionen "Zeichen geistiger Behinderung"

Stand: 25.06.2019 14:32 Uhr

Der Iran rüstet verbal auf gegen die USA: Präsident Rouhani nannte die neuen US-Sanktionen gegen sein Land "unverschämt" und ein "Zeichen geistiger Behinderung" - und warf den USA Lügen vor.

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat die neuen Sanktionen der USA gegen hochrangige Vertreter seines Landes verurteilt. Er nannte die Maßnahmen gegen den obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei "unverschämt" und sprach von einem "Zeichen geistiger Behinderung".

Ajatollah Ali Khamenei | Bildquelle: dpa
galerie

Die neuen US-Sanktionen treffen auch den obersten Führer Chamenei.

Auch die geplanten Sanktionen gegen den iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif kritisierte er. Die Sanktionen sind für Rouhani ein Beweis dafür, "dass die Forderungen der Amerikaner für Verhandlungen nur vorgeschoben sind". Ohne Sarif sei keine Diplomatie machbar. Im einem im Fernsehen übertragenen Gespräch mit Ministern warf er den USA Lügen vor.

Vorwürfe und Appelle an die USA

"Ihr (die USA) habt den Iran Hunderte Male sanktioniert, versucht doch nur ein einziges Mal, den richtigen Weg einzuschlagen", hieß es in einer Erklärung auf der Website des iranischen Präsidialamtes. Rouhani zweifelte auch die Wirkung der Sanktionen an: Chamenei besitze nur "ein einfaches Haus und eine religiöse Versammlungshalle". Irans Anführer seien nicht wie die Führer anderer Staaten, "die Milliarden auf Auslandskonten haben, die man sanktionieren, beschlagnahmen oder blockieren könnte".

Iran: USA untergraben Diplomatie

Außenamtssprecher Abbas Mussawi warf den USA vor, durch die Strafmaßnahmen "den diplomatischen Weg dauerhaft zu schließen". Die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei dabei, alle bestehenden internationalen Mechanismen zur Wahrung des Friedens und der weltweiten Sicherheit zu zerstören.

Am Montag hatten die USA Sanktionen gegen Chamenei und mehrere hochrangige Kommandeure der Revolutionsgarden (IRGC) verhängt. Sanktionen gegen den iranischen Chefdiplomaten Sarif sollen in der kommenden Woche in Kraft treten.

John Bolton und Benjamin Netanyahu | Bildquelle: ATEF SAFADI/EPA-EFE/REX
galerie

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Bolton, berät mit Israels Ministerpräsident Netanyahu über den Iran.

Bolton: "Durch diese offene Tür gehen"

Die USA setzen neben Sanktionen und der Drohung eines Militärschlags auch weiter auf Dialog. Der Nationale Sicherheitsberater John Bolton betonte, die USA seien auch nach dem Abschuss einer US-Drohne im Iran und den Zwischenfällen mit Tankern im Persischen Golf gesprächsbereit. "Alles, was der Iran machen muss, ist, durch diese offene Tür zu gehen", sagte er in Jerusalem. Dort traf er sich mit den Sicherheitsberatern von Israel und Russland und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu.

Bolton nannte den Iran eine "Quelle von Kriegslust und Aggression" im Nahen Osten. Zum iranischen Atomprogramm erklärte er: "Wir haben schlicht keinen Beweis, dass der Iran die strategische Entscheidung getroffen hat, Atomwaffen abzuschwören." Der US-Sicherheitsberater hatte bereits mehrfach einen Regimewechsel in Teheran gefordert und gilt als treibende Kraft hinter Trumps hartem Kurs gegen den Iran.

Russland stützt Irans Aussagen

Der russische Nationale Sicherheitsberater Nikolai Patruschew bestätigte Angaben aus dem Iran, dass die US-Drohne in der vergangenen Woche in iranischem Luftraum abgeschossen worden sei. Patruschew bezog sich dabei auf "Recherchen des russischen Geheimdienstes". Damit widerspricht Russland Angaben aus den USA, die Aufklärungsdrohne sei im internationalen Luftraum über der Straße von Hormus abgeschossen worden.

Iran spottet über Trump
Karin Senz, ARD Istanbul
25.06.2019 17:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Juni 2019 um 13:00 Uhr.

Darstellung: