Internationale Raumstation in der Erdumlaufbahn | Bildquelle: dpa

Projekt "Icarus" Tierbeobachtung aus dem Weltraum

Stand: 15.08.2018 08:09 Uhr

Welche Routen nehmen Zugvögel, wenn sie zu ihrem Winterquartier und wieder zurück fliegen? Das soll das Projekt "Icarus" klären - von der ISS aus. Die Forschung dient nicht nur dem Artenschutz.

Von Jan-Claudius Hanika, BR

Das Zentrum des Forschungsprojekts "Icarus" ist eine Antenne an der Internationalen Raumstation ISS. Sie empfängt die Positionsdaten von Tieren, die einen Minisender tragen. Vögel beispielsweise bekommen den Sender wie einen winzigen Rucksack auf den Rücken geschnallt. Wenn die ISS über einen Sender hinweg fliegt, erwacht dieser aus dem Energiesparmodus und schickt seine Position nach oben. Das tut er ein- bis viermal am Tag. Die gesammelten Daten ergeben ein Bewegungsprofil des Tieres.

Erdbeobachtung mithilfe von Vögeln durch Weltraumprojekt ICARUS
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.08.2018, Thomas Hillebrandt, SWR

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Bekannte Routen retten Vögel

Das Wissen, wie und wohin Zugvögel fliegen, lässt sich zu ihrem Schutz nutzen. Manchmal kommt es vor, dass im Frühjahr deutlich weniger Vögel als im Vorjahr von dort zurückkehren, wo sie den Winter verbracht haben. Wissenschaftler können dann mithilfe der Senderdaten die bevorzugten Rastplätze der Zugvögel erkennen und anregen, dort Schutzgebiete einzurichten.

LBV wartet auf kleinere Sender

Derzeit wiegen die Icarus-Sender rund fünf Gramm. Im Laufe der nächsten drei Jahre soll das Gewicht auf nur noch ein Gramm sinken. Darauf hofft auch der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Mit so leichten Sendern wäre es möglich, auch kleine Vögel wie den Ortolan mit einem Sender zu versehen. Bei dieser Art ist die Population in Bayern innerhalb von 14 Jahren um mehr als die Hälfte geschrumpft. Der LBV betreibt deshalb ein Artenhilfsprogramm für den Ortolan und wüsste gern mehr darüber, wo sich die verbliebenen Vögel wann wie lange aufhalten.

Auch Fledermäuse würde der LBV gerne mit Sendern ausstatten. Bei ihnen ist allerdings nicht nur das Gewicht des Senders eine Herausforderung, sondern auch dessen Energieversorgung. Der Akku wird von Solarzellen wieder aufgeladen. Fledermäuse sind allerdings nachtaktiv und zeigen sich daher nur selten im Sonnenlicht.

Die Icarus-Antenneanlage wird in einem elektromagnetisch reflektionsfreien Raum vermessen. | Bildquelle: dpa
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Das ist die Icarus-Antenneanlage, als sie noch in einem elektromagnetisch reflektionsfreien Raum vermessen wurde. Sie musste ihre elektromagnetische Verträglichkeit im Labortest zeigen, um später im Weltraum keine Störung anderer Geräte hervorzurufen oder selbst gestört zu werden.

Einsatz gegen Vogelgrippe

In Zukunft soll "Icarus" auch die Ausbreitung von Infektionskrankheiten verhindern oder zumindest eindämmen. Dazu werden von der ISS aus die Positionsdaten von Enten gesammelt. Milliarden Vögel brüten im Sommer in Sibirien und verbringen den Winter in Afrika oder Südostasien. Was sie in der Zeit dazwischen tun und welche Routen sie fliegen, ist jedoch kaum bekannt.

Diese Informationen wären aber hochinteressant, denn Enten können ansteckende Krankheiten wie die Vogelgrippe und antibiotikaresistente Bakterien übertragen. Die "Icarus"-Forscher planen deshalb, Enten in Sibirien auf Krankheitserreger zu testen und mit Sendern auszustatten. Anschließend wollen sie die Flugrouten der Vögel verfolgen, um zu sehen, wie sich Krankheitserreger unter den Tieren ausbreiten.

Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut, hält einen besenderten Flughund in der Hand im Kasanka-Nationalpark in Sambia. | Bildquelle: dpa
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Auch dieser afrikanische Flughund bekam einen Sender umgeschnallt. Wissenschaftler wollen beispielsweise herausfinden, wo sich Flughunde mit Ebola infizieren.

Tiere warnen vor Erdbeben

Auch als Frühwarnsystem bei Naturkatastrophen soll "Icarus" zum Einsatz kommen. Manche Tiere verhalten sich vor Erdbeben und Vulkanausbrüchen merkwürdig. Vor dem verheerenden Seebeben 2004 in Südostasien flohen etwa in Sri Lanka Elefanten ins Landesinnere. Einige Menschen folgten ihnen und retteten so ihr Leben.

Das Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfszell möchte nun testen, ob Tiere als biologisches Frühwarnsystem für Naturkatastrophen dienen können. Die Wissenschaftler haben bereits die Bewegungen von Ziegen am Ätna mit Sendern verfolgt und ihr Verhalten kurz vor Vulkanausbrüchen studiert. Mit den "Icarus"-Sendern wollen sie in Zukunft auch Tiere beobachten, die in abgelegenen oder unbewohnten Regionen leben.

Ziegen in der Nähe des Vulkans Ätna wurden mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungsmuster zu erfassen. | Bildquelle: dpa
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Auch Ziegen in der Nähe des Vulkans Ätna wurden mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungsmuster zu erfassen.

Deutsch-russische Kooperation: Kosmonauten installieren Antenne an der ISS
Markus Sambale, ARD Moskau
15.08.2018 15:32 Uhr

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