Der Hongkonger Aktivist Joshua Wong | Bildquelle: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX

Joshua Wong im Porträt Botschafter des Hongkonger Widerstands

Stand: 10.09.2019 11:20 Uhr

Der Demokratie-Aktivist Joshua Wong ist er eine Art Cheflobbyist für die Hongkonger Proteste gegen die Peking-treue Regierung. Zurzeit wirbt der 22-Jährige in Berlin für sein Anliegen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Herbst 2014. In der früheren britischen Kolonie Hongkong gehen Zehntausende Studentinnen und Studenten auf die Straßen. Wochenlang. Sie protestieren für mehr Demokratie in Hongkong, für ein allgemeines und freies Wahlrecht in der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Viele haben Regenschirme dabei. Dieses Accessoire gibt den Aktionen ihren Namen: Regenschirm-Bewegung.

Einer der Organisatoren ist der damals 17-jährige Studentenanführer Wong Chi Fung alias Joshua Wong. Er steht auf improvisierten Bühnen, hält Reden und mobilisiert zigtausende junge Menschen in Hongkong, sich der Protestbewegung anzuschließen. Wochenlang blockieren die jungen Demonstranten den Stadtbezirk Central. Doch nach rund zweieinhalb Monaten verlieren die Regenschirm-Proteste an Schwung. Vor allem viele Banker, Angestellte und Behördenmitarbeiter werfen Wong und seinen Mitstreitern vor, das Wirtschaftsleben der Finanzmetropole unnötig lahm zu legen.

"Foreign Policy": Einer der 100 einflussreichsten Denker

Anfang Dezember verkündet die Regenschirm-Bewegung um Wong den Rückzug. Doch internationale Medien sind auf den selbstbewussten Mann aufmerksam geworden. Das US-Polit-Magazin "Foreign Policy" zählt den aus einer christlich-konservativen Familie stammenden Wong zu den weltweit 100 einflussreichsten Denkern des Jahres 2014.

Wong wird sogar für den Friedensnobelpreis ins Gespräch gebracht. Bei Netflix erscheint eine aufwendige Doku über ihn. In Hongkong kämpft er weiter für Demokratie. Mit einigen Mitstreitern gründet er 2016 die politische Gruppierung Demosisto.

Protestführer Wong nach seiner Freilassung in Hongkong.
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Protestführer Wong im November 2014 in Hongkong. Zuvor war er nach einer Festnahme wieder freigelassen worden.

Für Peking ein Staatsfeind

"Das Recht auf Selbstbestimmung ist der wichtigste politische Inhalt für Demosisto", sagt Wong. "Es geht mir um die Frage: Wie können wir in Hongkong echte Demokratie und Selbstbestimmung erreichen?" Ein Land, ein System? Ein Land, zwei Systeme oder Unabhängigkeit? "Die Hongkonger sollten selbst über ihre Zukunft entscheiden und nicht die kommunistische Führung in Peking", so der Aktivist.

Für die chinesische Staats- und Parteiführung ist Wong auch wegen solcher Aussagen ein Staatsfeind. Die allesamt staatlich kontrollierten Medien in Festlandchina bezeichnen ihn als Separatisten und Verräter.

Die von Chinas Zentralregierung unterstützten Behörden in Hongkong klagen Wong an, lassen ihn festnehmen. 2017 wird er mit anderen Regenschirm-Aktivisten zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, wegen der Teilnahme an nicht genehmigten Versammlungen.

Bei den aktuellen Protesten nur eine Nebenrolle

Seit diesem Juni gehen in Hongkong wieder Menschen für Demokratie und gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Führung auf die Straßen. Die Demonstrationen sind nochmal deutlich größer als die Regenschirm-Proteste vor fünf Jahren. Und: Anders als damals sind sie komplett dezentral und kleinteilig organisiert.

Wong spielt bei den Massenprotesten bisher nur eine Nebenrolle. Doch er nutzt seine internationale Bekanntheit. Er tritt als eine Art Cheflobbyist für die Bewegung auf, gibt Interviews, reist um die Welt und trifft politische Entscheider, um für die Anliegen der Demonstranten zu werben.

Eindringlich und mit markigen Worten

Bescheiden tritt Wong dabei nicht auf, im Gegenteil. Sehr eindringlich und mit markigen Worten warnt der heute 22-Jährige vor Chinas Staats- und Parteiführung. So sagte er Mitte August im Gespräch mit der ARD: "Hongkong könnte seinen Status als internationale und autonom regierte Weltstadt verlieren, wegen der Bedrohung aus Peking. Deswegen kämpfen wir weiter. Wie diese 'David-gegen-Goliath'-Schlacht ausgeht, wissen wir nicht. Aber trotzdem: Jetzt oder nie."

In der vergangenen Woche war er in Taiwan, in dieser Woche ist er in Deutschland. Danach geht es für Wong weiter in die USA. Chinas Staatsmedien sehen in dieser regen Reisetätigkeit einen weiteren Beleg dafür, dass Wong ein Verräter ist und ein vom Ausland fremdgesteuerter Agitator.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. September 2019 um 12:08 Uhr.

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