Die Polizei in Hongkong setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. | Bildquelle: dpa

Proteste in Hongkong Tränengas zum Generalstreik

Stand: 05.08.2019 18:17 Uhr

In Hongkong haben sich Zehntausende Menschen am Generalstreik und an den parallel laufenden Protestaktionen beteiligt. Zunächst liefen die Demonstrationen friedlich. Später setzte die Polizei Tränengas ein.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai, zzt. in Hongkong

Verstörende Bilder kommen am Abend (Ortszeit) aus dem Hongkonger Stadtteil Sham Shui Po: Einsatzkräfte in Kampfmontur führen einen offensichtlich verletzten Zeitungsreporter ab, um ihn in eine nahegelegene Polizeiwache zu bringen. Der Mann protestiert aufs Schärfste. Er wehrt sich, wie auf einem Internetvideo der "South China Morning Post" zu sehen und zu hören ist.

Auch zahlreiche umstehende Journalisten protestieren lautstark. Vergeblich. Der Mann wird auf die Polizeiwache gebracht. Rund eine Viertelstunde später wird er wieder freigelassen. Es habe sich um ein Missverständnis gehandelt, heißt es.

Aufgeheizte und angespannte Situation

Der Vorfall zeigt, wie aufgeheizt und angespannt die Situation in Hongkong inzwischen ist. Die Polizei greift noch härter durch als in den vergangenen Tagen und Wochen.

Das Vertrauen der Protestierenden in die Behörden nimmt weiter rapide ab.

Polizei schießt mit Tränengasgranaten

Einige Stunden zuvor am Nachmittag im Zentrum der Sonderverwaltungsregion Hongkong: Nach einer friedlichen Anti-Regierungs-Demonstration im Stadtteil Admiralty ziehen einige Aktivisten weiter. Sie besetzen Straßen und Plätze im Verwaltungs- und Finanzzentrum der Stadt. Die Polizei zögert nicht lange und schießt Tränengasgranaten in die Menge. Auch Passanten und Pendler, die zufällig in der Nähe sind, werden getroffen.

Bis zum frühen Abend ziehen Tränengasschwaden durch das Zentrum Hongkongs. Noch in 100 Metern Entfernung brennt die Chemikalie in Augen und Nase.

Lam enttäuscht Hoffnung vieler Demonstranten

Am Vormittag noch hatten viele Demonstranten gehofft, Regierungschefin Carrie Lam werde ihnen zumindest symbolisch entgegen kommen. Auf einer kurzen Pressekonferenz wurden die Protestierer allerdings enttäuscht. Statt auf ihre Kritiker zuzugehen, verteidigte Lam die harte Linie ihrer Regierung und das hochumstrittene Vorgehen der Polizei.

Lam ging vielmehr ihrerseits in die Offensive. "Die gewaltsamen Protestierer nutzten das  Auslieferungsgesetz als Vorwand, um ihre wahren Beweggründe zu verbergen", sagte die Regierungschefin. Das bringe Hongkong an den Rand einer sehr gefährlichen Situation.

Weiter massive Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungzone Hongkong
tagesschau 20:00 Uhr, 05.08.2019, Tamara Anthony, ARD Peking

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Misstrauen gegen die Regierungschefin

Trotz oder wegen ihrer harten Worte verliert die von der chinesischen Staatsführung eingesetzte Regierungschefin Lam weiter an Rückhalt in der Bevölkerung. Nach einer Umfrage der "Hong Kong University" misstrauen ihr inzwischen drei von vier Hongkongern.

Noch unbeliebter ist der Studie zufolge nur noch die Staats- und Parteiführung in Peking. Eine große Mehrheit der Befragten unterstützt eine der Kernforderungen der Demonstranten: die Einrichtung einer Untersuchungskommission zur Aufklärung der jüngsten Polizeigewalt.

Dass die Hongkonger Regierung bald einlenkt, ist nach dem jüngsten Auftritt von Lam nicht zu erwarten. Auch die Demonstranten kündigten an, ihre Protestaktionen unvermindert fortzusetzen.

Hongkong: Turbulenter Streiktag geht zu Ende
Steffen Wurzel, ARD Shanghai, zzt. Hongkong
05.08.2019 18:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. August 2019 um 17:00 Uhr und B5 aktuell um 18:31 Uhr.

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