Matt Hancock mit einer Gesichtsmaske bedruck mit dem Union Jack vor Downing Street 10.

Britischer Gesundheitsminister Kuss und Schluss?

Stand: 26.06.2021 16:44 Uhr

Dem britischen Gesundheitsministers Hancock droht der Rauswurf. Der Grund: Er hatte offenbar eine Affäre mit einer Mitarbeiterin. Zahlreiche Abgeordnete forderten Premier Johnson auf, seinen Minister zu entlassen.

In Großbritannien wächst der Druck auf Premierminister Boris Johnson, Gesundheitsminister Matt Hancock zu entlassen. Die führenden Zeitungen des Landes titelten, Hancock habe in der Corona-Krise jegliche moralische Instanz verloren und müsse gehen. Anlass sind Fotos des verheirateten 42-Jährigen, auf denen zu sehen ist, wie er eine hochrangige Mitarbeiterin umarmt und küsst. Diese sind der "Sun" zufolge im vergangenen Monat entstanden, als in Großbritannien noch strikte Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen galten. Die oppositionelle Labour-Partei fordert den Rauswurf Hancocks - und auch in Johnsons Konservativer Partei wird die Kritik lauter.

Der Minister räumte einen Verstoß gegen die von ihm selbst eingeführten Corona-Abstandsregeln ein, die zum Zeitpunkt der Bilder engen Kontakt mit Mitgliedern fremder Haushalte untersagten. Er habe Menschen enttäuscht und das tue ihm leid. "Ich konzentriere mich weiter darauf, dieses Land aus der Pandemie zu führen", sagte er. Hancock bat für seine Familie in dieser persönlichen Angelegenheit um Privatsphäre. Einen Rücktritt lehnte er ab.

"Das stinkt nach Heuchelei"

Medien und Opposition sehen das anders: Die Zeitung "Daily Mail", die Johnson nahesteht, forderte mit deutlichen Worten die Entlassung Hancocks. Der Minister, der als Gesicht der Regierung in der Pandemie gilt, habe sich mit dem Regelbruch als größtmöglicher Heuchler entlarvt, schrieb das Blatt. Johnson riskiere, die Unterstützung des Volkes zu verlieren, schrieb die "Times". Hancock könne nicht mehr erwarten, dass man ihm zuhöre und seinen Anweisungen Folge leiste, hieß es im Leitartikel der "Sun". "Das stinkt nach Heuchelei."

Die oppositionelle Labour-Partei hatte direkt nach der Veröffentlichung des Videos die Entlassung gefordert. Zudem müsse geprüft werden, ob Hancock gegen den Verhaltenskodex von Ministern verstoßen habe. Geklärt werden soll, ob er seine mutmaßliche Geliebte vor Beginn der Affäre oder erst danach eingestellt hat. "Diese Sache ist definitiv noch nicht erledigt", sagte ein Parteisprecher.

Viel Kritik in Corona-Pandemie

Hancock steht seit langem in der Kritik. So soll er Millionenaufträge für Corona-Schutzausrüstung ohne Prüfung an Freunde verteilt und Milliarden in ein unzureichendes Testsystem gesteckt haben. Johnsons ehemaliger Top-Berater Dominic Cummings hat Hancock vorgeworfen, in der Pandemie mehrfach gelogen zu haben und deutete an, dass der Premierminister den Gesundheitsminister rauswerfen wollte.

Bisher nimmt die Regierung Hancock aber trotz seiner mutmaßlichen Affäre in Schutz. Premier Johnson nahm die Entschuldigung seines Ministers an und erklärte den Fall für erledigt. Und Verkehrsminister Grant Shapps erklärte, es handle sich um eine persönliche Angelegenheit, bei der Einstellung der Beraterin seien keine Regeln verletzt worden.