Heute startet in Großbritannien das landesweite Corona-Impfprogramm. | Dominic Lipinski/POOL/EPA-EFE/Sh

Coronavirus-Pandemie Großbritannien startet Impfprogramm

Stand: 08.12.2020 09:14 Uhr

In Großbritannien hat das landesweite Coronavirus-Impfprogramm begonnen. Zuerst seien die Alten dran, die als besonders gefährdet gelten, kündigte die britische Regierung an. Doch viele Menschen sind skeptisch.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Louise Coughlan, die Chef-Pharmazeutin eines Krankenhauses im Londoner Stadtteil Croyden, ist glücklich: Der Impfstoff ist da. "Es ist wirklich unglaublich. Ich kann ihn zwar nicht in meinen Händen halten, wegen der minus 70 Grad, aber zu wissen, dass er hier ist und wir zu den ersten in der Welt gehören, die ihn bekommen haben, ist Wahnsinn und macht mich stolz."

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Der Impfstoff von BionTech muss bei minus 70 Grad transportiert und gelagert werden, das kann nicht jedes Krankenhaus. Die Klinik in Croyden gehört zu den 50 Krankenhäusern im Vereinigten Königreich, an die die ersten 800.000 Dosen des BionTech-Impfstoffs ausgeliefert werden. Das reicht für 400.000 Menschen. Als erste, sagt die britische Regierung, sind die Alten dran, die, die als besonders gefährdet gelten. Sich selbst um einen Termin kümmern geht nicht, sagt Danny Mortimer vom britischen Gesundheitsdienst NHS, wir rufen selbst an.

Wir nehmen mit den Patienten Kontakt auf, die ohnehin zu einer ambulanten Behandlung ins Krankenhaus kommen. Außerdem bekommen es die Patienten, die im Moment noch bei uns sind auf die Verlegung in ein Pflegeheim warten. Und wir bitten die Pflegeheime, uns zu sagen, welche Mitarbeiter sie schicken werden.

Große Hoffnungen auf zweiten Impfstoff

40 Millionen Dosen hat die britische Regierung bei Pfizer und BionTech geordert, aber besonders große Hoffnungen setzt man hier auf das Produkt aus Oxford, auf den Impfstoff von AstraZeneca. Der hat sich zwar in den Studien als nicht ganz so wirksam erwiesen, ist aber sehr viel leichter zu lagern und zu transportieren - bei Kühlschrank-Temperaturen. 100 Millionen Dosen hat die britische Regierung davon bestellt. Regierungsberater Professor Andrew Haywood ist optimistisch, dass auch das AstraZeneca-Serum bald eine Freigabe erhält.

Wenn das passiert, dann wird die Auslieferung viel einfacher. Das können wir nämlich viel besser auf den üblichen Wegen verteilen.

Mit Skepsis schauen manche Experten auf die Impfbereitschaft in Großbritannien. Zwei Drittel der Menschen sagen zwar: Ich lasse mich auf jeden Fall impfen. Ein Drittel allerdings zögert auch.

Chefin der Zulassungsbehörde: Kein Grund zur Sorge

Vielen ist die Geschwindigkeit, mit der der Impfstoff entwickelt und zugelassen wurde, nicht ganz geheuer. June Raine, die Chefin der Zulassungsbehörde, versichert: Es besteht kein Grund zur Sorge.

Ich möchte wirklich betonen, dass die höchsten Prüf-Standards für Sicherheit, Qualität und Effektivität angewandt worden sind. Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass das ein sehr sicherer und hocheffektiver Impfstoff ist.

Vor Lieferengpässen wegen des bevorstehenden Brexits habe sie auch keine Angst, sagt June Raine. "Das haben wir alles durchgespielt, wir sind bereit." Wie immer das mit den Brexit-Verhandlungen ausgehe, sagt June Raine - dass die Menschen Zugang zum Impfstoff haben, das sei sichergestellt.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 08. Dezember 2020 um 05:38 Uhr.