Mitarbeiter eines Krankenhauses in Swansea bereiten sich am Eingang der Respiratory Assessment Unit auf die Aufnahme von Coronavirus-Patienten vor.  | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Großbritannien Schutzkleidung geht zur Neige

Stand: 19.04.2020 14:14 Uhr

Zu zögerlich, zu lax - die Kritik am Krisenmanagement der britischen Regierung wächst. Nun sorgt ein Engpass für Ärger: Weil es zu wenig Kittel gibt, hat die Regierung kurzerhand ihre Empfehlungen für Krankenhäuser geändert.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Erst fehlten die Intensivbetten und die Beatmungsgeräte. Dann stellte Großbritannien fest: Wir testen zu wenig. Und jetzt wird klar, dass es viel zu wenig Schutzmaterial in den Krankenhäusern gibt - es mangelt an Masken und Kittel.

"Wir tun alles, was wir können, um die Ausrüstung zu bekommen, die wir brauchen", versprach Wohnungsbauminister Robert Jenrick. Auf dem internationalen Markt sei die Nachfrage aber derzeit sehr groß und manchmal halte das Material den Anforderungen nicht stand. "Aber wir kommen da voran."

84 Tonnen Equipment aus der Türkei seien gerade unterwegs, sagte Jenrick. Die Lieferung mit 400.000 Kitteln und weiterem Schutzmaterial soll heute eintreffen - doch laut dem Sender Sky News kommt es zu Verzögerungen.

Neue Empfehlungen für den Umgang mit Kitteln

400.000 Einmal-Kittel reichen gerade einmal für drei oder vier Tage, sagen Experten. Sie warnen davor, dass die Vorräte an Masken und Kitteln bald ganz zur Neige gehen könnten.

Die Regierung hat deshalb ihre Empfehlungen für den Umgang mit Kitteln geändert. Man könne Ganzkörperkittel zum Beispiel nur noch bei Operationen oder in Situationen mit sehr hohem Ansteckungsrisiko verwenden - oder Schutzkleidung einmal waschen, wenn sie sich dafür eignet.

Eine Lieferung mit Schutzmaterial aus der Türkei wird in Großbritannien entladen. | Bildquelle: via REUTERS
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Die erwartete Lieferung aus der Türkei reicht Experten zufolge nur für wenige Tage (Archivbild).

Sorge beim medizinischen Personal

So richtig beruhigend findet das Krankenhauspersonal das nicht. "Ich weiß nicht, was mich bei der nächsten Schicht erwartet", sagt Nik Guntupalli, der als Arzt in der Universitätsklinik von Milton Keynes arbeitet. "Wir machen uns Sorgen, was wohl da sein wird und was nicht. Wir müssen unseren Job machen, und es wäre gut, wenn wir angemessen geschützt werden."

Wieder einmal wirkt die britische Regierung so, als könne sie mit dem Tempo und der Dimension der Aufgabe, mit der sie in der Corona-Krise konfrontiert ist, kaum Schritt halten. Das Vertrauen des medizinischen Personals in die Regierung schwinde, sagte der Oppositionspolitiker Justin Madders aus dem Schattenkabinett von Labour. Seit Wochen höre man von Krankenschwestern und Ärzten, "dass die Regeln aufgeweicht werden, damit man mit dem Equipment hinkommt". Die Menschen, die an vorderster Front arbeiteten, müssten darauf vertrauen können, dass die Empfehlungen der Regierung in ihrem besten Interesse seien.

Regierung will Produktion im Inland ankurbeln

Immerhin kann die britische Regierung darauf verweisen, dass es ihr gelungen ist, den vorhergesagten Notstand bei den Intensivbetten und Beatmungsgeräten zu vermeiden - bisher jedenfalls. Doch bei der Schutzkleidung kann Minister Robert Jenkins erst einmal wieder nur um Geduld bitten.

Er gestehe, dass das eine riesige Herausforderung sei. Dass es an Kitteln und bestimmten Masken mangele, müsse für das Personal in den Kliniken sehr besorgniserregend sein. "Ich kann nur versichern, dass wir alles tun, was wir können, um das zu korrigieren."

Die britische Regierung will nun verstärkt einheimische Unternehmen zur Produktion des Equipments ermuntern, um weniger von Importen abhängig zu sein.

Corona in Großbritannien: Jetzt fehlen Kittel
Thomas Spieckhofen, ARD London
19.04.2020 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 19. April 2020 um 13:30 Uhr im Mittagsecho.

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