Der US-Massenmörder Golden State Killer | Bildquelle: AP

US-Massenmörder Lebenslang für "Golden State Killer"

Stand: 22.08.2020 05:43 Uhr

In den 1970er- und 1980er-Jahren beging der "Golden State Killer" in Kalifornien mehrere Morde und Dutzende Vergewaltigungen. Nun wurde der 74-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Mit dem Urteilsspruch geht eines der dunkelsten Kapitel der kalifornischen Kriminalgeschichte zu Ende. Der Gerichtsprozess war vor allem für die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer ein Martyrium. Dennoch haben Dutzende in den vergangenen Tagen vor dem Gericht in Sacramento gegen den Ex-Polizisten ausgesagt. Jane Carson Sandler war eines der ersten Vergewaltigungsopfer von Joseph DeAngelo geworden. 1976 war das. "Erst haben Sie mir die Augen verbunden und mich dann mit einem Stück Stoff gewürgt. Das gleiche taten Sie mit meinem dreijährigen Sohn. Wie konnten sie es wagen!"

Zwischen 1975 und 1986 hatte der DeAngelo Kalifornien regelrecht in Angst und Schrecken versetzt. Erst war er in Häuser eingestiegen, um dort Wertsachen zu klauen. Dann brach er in Wohnungen ein, um zu vergewaltigen. Mindestens 50 Frauen wurden zu seinen Opfern. Angehörige schlug er brutal nieder. Dann begann er zu töten.

Hinterbliebene der Opfer des Golden State Killers | Bildquelle: AP
galerie

Für die Hinterbliebenen der Opfer war der Prozess ein Martyrium - dennoch sagten viele von ihnen im Gericht aus.

"Möge er in der Hölle verrotten"

13 Morde hat der heute 74-Jährige zugegeben. Eines seiner ersten Mordopfer war Claude Snelling, der im September 1975 seiner damals 16-jährigen Tochter Elisabeth zu Hilfe kommen wollte, als DeAngelo gerade versuchte, sie zu entführen. "Ich bin um 2 Uhr morgens durch den Einbrecher wach geworden. Er trug eine Skimaske und hatte eine Waffe auf mich gerichtet. Er sagte, er werde mich mitnehmen und wenn ich ein Geräusch machte, würde er mich töten."

Karen Veilleux verlas die Aussage ihre Schwester Phyllis, die vermutlich das erste Vergewaltigungsopfer in der Verbrechensserie war: "Es ist unvorstellbar, dass solch eine Kreatur auf dieser Welt existiert. Möge er in der Hölle verrotten."

Dürre Entschuldigung

DeAngelo hatte sich im ganzen Prozess kaum zu Wort gemeldet, nur zweimal sagte er etwas. Einmal Ende Juni, als er die ihm zur Last gelegten Straftaten zugab. Im Gegenzug verzichtete die Staatsanwaltschaft darauf, die Todesstrafe zu fordern. Das zweite Mal meldete sich der Angeklagte kurz vor der Urteilsverkündung zu Wort. Über seinen Anwalt ließ er eine kurze Erklärung abgeben: "Ich habe all ihre Aussagen gehört. Jede Einzelne. Es tut mir wirklich für alle da draußen sehr leid." 

Die meiste Zeit saß DeAngelo aber teilnahmslos in orangefarbenen Gefängniskleidung in einem Rollstuhl, über Nase und Mund trug er eine weiße Stoffmaske. Er versuchte den Anschein zu erwecken, als sei er gebrechlich. Erst nach der Urteilsverkündigung war es der Staatsanwaltschaft erlaubt, heimlich gefilmte Videoaufnahmen von DeAngelo zu veröffentlichen: Sie zeigen einen durchtrainierten 74-Jährigen, der alles andere als gebrechlich ist und in seiner Gefängniszelle Gymnastikübungen macht und auf den Tisch steigt, um die Lampe mit Tüchern abzudunkeln. So wie er es in den Wohnungen seiner Opfer gemacht hatte.

"Golden State Killer" zu lebenslanger Haft verurteilt
Marcus Schuler, ARD Los Angeles, zzt. San Francisco
21.08.2020 23:51 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuello am 22. August 2020 um 08:36 Uhr.

Darstellung: