Donald Trump und Wladimir Putin | Bildquelle: AP

Reaktionen auf Gipfelankündigung Kritik an Trumps "Kniefall" vor Putin

Stand: 29.06.2018 09:15 Uhr

In den USA wird der von US-Präsident Trump schon lange gewünschte Gipfel mit Russlands Präsident Putin kritisch beäugt. Warum "umarmt er Gegner", aber streitet mit Verbündeten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Donald Trump hat aus seiner Wertschätzung für Wladimir Putin nie einen Hehl gemacht. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er sich längst unter vier Augen mit dem russischen Präsidenten getroffen. Schon im Wahlkampf hatte Trump versprochen: "Ich glaube, wir werden ein sehr gutes Verhältnis mit Russland haben. Und ich glaube, ich werde ein sehr gutes Verhältnis mit Putin haben."

Dass dieses Wahlversprechen nicht in Erfüllung ging, sondern im Gegenteil die Beziehungen mit Russland auf einem Tiefpunkt angelangt sind, dafür macht Trump die Demokraten und Sonderermittler Robert Mueller verantwortlich. Die Ermittlungen zu möglichen Kontakten zwischen der russischen Regierung und seinem Wahlkampfteam geißelt Trump regelmäßig als "Hexenjagd".

Unmittelbar vor Bekanntgabe seines Gipfeltreffens mit Putin twitterte Trump: "Russland sagt weiterhin, dass sie nichts mit einer Einmischung in unsere Wahl zu tun hatten".

Empörte Demokraten im Kongress

Die Demokraten im Kongress reagierten empört: "Warum glauben Sie Putin mehr als Ihrem republikanisch geführten Justizministerium und dem von einem Republikaner eingesetzten republikanischen Sonderermittler?", fragte Chuck Schumer, der Minderheitsführer der Demokraten im Senat. Und der demokratische Senator Richard Blumenthal forderte, Trump müsse Putin gegenüber endlich Russlands "Attacke auf unsere Demokratie" verurteilen.

Ein frommer Wunsch, dem Trump nicht folgen wird - davon ist David Sanger, der Außenpolitik-Chef der "New York Times" überzeugt. Sanger hat Trump ausführlich zur russischen Wahleinmischung interviewt. Auch wenn die Beweise hierfür eindeutig sind, so Sanger, halte sich Trump lieber an Putins Dementis als an die eigenen Geheimdiensterkenntnisse:

"Jegliches Eingeständnis einer russischen Wahleinmischung ist für Trump sofort ein Anzweifeln der Legitimität seines Wahlsieges."

Auch die "Washington Post" erwartet deshalb wenig vom Helsinki-Gipfel: "Warum macht Trump wieder einen Kotau vor Putin?", fragt sie in ihrem Leitartikel. Ein Gipfeltreffen, das nur dazu diene, Putin milde zu stimmen, ein solcher Gipfel sei "gefährlich und schädlich". Dem widersprach im Sender CNN der republikanische Abgeordnete Matt Gaetz, einer der treuesten Trump-Anhänger im Kongress: "Es ist doch viel wichtiger, dass wir weltweit wieder bessere Ergebnisse erzielen, damit es keine neuen Flüchtlingskrisen gibt, die Europa bedrohen. Das interessiert mich mehr als die Frage, ob der Präsident Putin einen Lügner nennen will."

Trump und Putin schütteln sich die Hände. | Bildquelle: REUTERS
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Trump und Putin sind sich bereits auf dem APEC-Gipfel in Vietnam begegnet. Ursprünglich war auch ein formelles Gespräch geplant. Doch kurz vor der Landung Trumps in Vietnam sagte das Weiße Haus das Treffen ab.

Deal für Syrien?

Passend dazu will CNN erfahren haben, Trump wolle in Helsinki einen Deal für Syrien vorschlagen: Er werde die US-Truppen rasch aus Syrien abziehen, wenn Putin im Gegenzug den iranischen Einfluss in Syrien zurückdrängt. Geplant sei auch ein Neustart der nuklearen Abrüstungsverhandlungen.

Auf alle Fälle ist jetzt schon spürbar, dass sich Trump mehr auf den "Starke-Männer-Gipfel" mit Putin freut als auf die NATO-Runde in Brüssel mit Angela Merkel, Justin Trudeau und Emmanuel Macron. David Sanger von der "New York Times" erwartet, dass Trump in Brüssel die NATO-Verbündeten rüffelt, mehr für Verteidigung auszugeben: "Und dann reist er ab zu einem ebenso freundlichen Treffen mit Putin wie er es mit Kim Jong Un hatte. Dann haben wir erneut die Optik: Streit mit den Verbündeten und Umarmung eines Gegners."

Zumal Trump die Bilder aus Singapur deutlich besser gefielen als die aus Quebec.

Trump-Putin-Gipfel: Befürchtungen und Erwartungen in USA
Martin Ganslmeier, ARD Washington
29.06.2018 08:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juni 2018 um 06:18 Uhr.

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