Feuerwehrleute entfernen Trümmer | Bildquelle: dpa

Brückeneinsturz in Genua Regierung lässt Autobahnbetreiber überprüfen

Stand: 17.08.2018 07:15 Uhr

Immer noch wird nach Opfern des Brückeneinsturzes von Genua gesucht. Die Regierung hat inzwischen eine Untersuchung des Autobahnbetreibers angeordnet - die Muttergesellschaft soll mit dem Wiederaufbau der Brücke beginnen.

Die italienische Regierung hat nach dem Brückeneinsturz in Genua eine Überprüfung des Autobahnbetreibers "Autostrade per l'Italia" gestartet. Das Unternehmen habe 15 Tage Zeit, um nachzuweisen, dass es alle vertraglichen Verpflichtungen bezüglich der ordnungsgemäßen Funktion der Brücke und der Vermeidung von Unfällen erfüllt habe, erklärte das Verkehrsministerium.

Arbeiter inspizierten das Gebiet um die eingestürzte Morandi Autobahnbrücke | Bildquelle: dpa
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Arbeiter inspizierten das Gebiet um die eingestürzte Autobahnbrücke.

Muttergesellschaft im Fokus

Sollten die Auskünfte als unzureichend eingestuft werden, wäre dies ein Bruch der Konzessionsbedingungen. Die Muttergesellschaft Atlantia wurde aufgefordert, sofort den Wiederaufbau der Brücke auf eigene Kosten anzugehen. Auch für den Wiederaufbau der unter der Brücke zerstörten Gebäude müsse Atlantia aufkommen. Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert. Das Unternehmen besitzt 88 Prozent am größten Betreiber mautpflichtiger Straßen in Italien.

Todesopfer werden beerdigt

Morgen sollen die Todesopfer von Genua beerdigt werden - die Regierung hat einen Tag der landesweiten Trauer angesetzt. Dabei sind die Opferzahlen auch Tage nach dem Einsturz der Brücke immer noch vorläufig. Zehn bis 20 Menschen würden immer noch vermisst, sagen die Behörden.

Inzwischen hat man damit begonnen, die herabgestürzten Betonteile mit schwerem Gerät zu zerteilen. Kaum jemand glaubt aber noch daran, Überlebende zu finden.

Brückeneinsturz Genua: Betreiber soll Neubau bezahlen
tagesschau 14:00 Uhr , 17.08.2018, Helge Roefer, ARD Rom zzt. Genua

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Staatliche Gelder sollen schnell fließen

Für ein Jahr wurde über Genua der Ausnahmezustand verhängt. So sollen staatliche Gelder für den Wiederaufbau schneller fließen - auch für die mehr als 600 Menschen, die vorerst nicht in ihre Häuser können. Auch für den Verkehr von Genua in Richtung Frankreich braucht es eine Lösung: Über die Morandi-Brücke fahren allein rund 4000 LKW am Tag, die nun, wie der andere Verkehr, umgeleitet werden müssen. 

Viele Schuldzuweisungen

Italiens Regierung war aber bisher vor allem mit Schuldzuweisungen beschäftigt, obwohl auch für die Staatsanwaltschaft längst noch nicht klar ist, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Damit will man wohl von eigenem Versagen ablenken: Die Fünf-Sterne-Bewegung, in Rom die größte Regierungspartei, hatte sich in Genua bis zuletzt gegen große Investitionen in die Infrastruktur gewehrt.

Nun schürt die Partei den Volkszorn gegen das Betreiberunternehmen der Autobahn dort, obwohl längst noch nicht feststeht, ob zum Beispiel bei der Wartung der Brücke geschlampt wurde.

alt Die eingestürzte Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: AP

Der grün-blaue Lastwagen von Genua

Ein grün-blauer Lastwagen ist zum Symbol des verheerenden Einsturzes der Morandi-Brücke in Genua geworden. Um wenige Meter hatte der Fahrer die Katastrophe am Dienstag überlebt. "Ich konnte mich retten, weil ein Auto mich überholte und ich verlangsamte", erzählte der 27-Jährige der Zeitung "La Repubblica". Er habe das Auto mit den anderen abstürzen sehen, schlagartig gebremst und den Rückwärtsgang eingelegt. "Dann habe ich die Tür geöffnet und bin geflüchtet."
Auf Fotos ist zu sehen, wie nahe der Lastwagen vor dem Abgrund steht. Mit laufendem Motor soll der Fahrer den Wagen zurückgelassen haben. Der Genuese war für die lokale Supermarktkette Basko unterwegs.
Der Lastwagen sei nicht das einzige Fahrzeug, das die Menschen bei der Flucht von der Brücke dort stehen gelassen hätten, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Staatsanwaltschaft habe aus Ermittlungsgründen noch nicht angeordnet, sie abzuschleppen. Früher oder später werde das aber passieren.

Französische Justiz ermittelt

Inzwischen beschäftigt sich auch die französische Justiz mit dem Unglück. Die Staatsanwaltschaft in Paris hat eine Untersuchung wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung eingeleitet, wie die Behörde bestätigte. Grund ist, dass auch Franzosen unter den Opfern sind - in solchen Fällen im Ausland ist es üblich, dass sich französische Ermittler einschalten.

Mit Informationen von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Nach dem Brücken-Einsturz in Genua - wie Rom das Unglück instrumentalisiert
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
17.08.2018 13:16 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 17. August 2018 die tagesschau um 04:56 Uhr und NDR Info um 06:15 Uhr in den Nachrichten.

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