Ausschreitungen Paris  | Bildquelle: AFP

"Gelbwesten"-Proteste Heftige Zusammenstöße in Paris

Stand: 08.12.2018 14:02 Uhr

Zusammenstöße mit der Polizei, Tränengas, Festnahmen: In Frankreich hat ein weiterer Protesttag der "Gelbwesten" begonnen. Tausende trafen sich auf den Champs-Élysées. Die Polizei nahm bereits knapp 500 Menschen fest.

In Frankreich hat ein weiterer Protesttag der "Gelbwesten" begonnen, die unter anderem für niedrigere Steuern und höhere Gehälter und Renten demonstrieren. Bereits am frühen Morgen sammelten sich die ersten Gelbwesten am Triumphbogen und auf den Champs-Élysée. Viele wollten sich, wie Florian, von der drohenden Gewalt nicht abhalten lassen, ihren Protest kundzutun: "Ich bin in pazifistischer Absicht hier. Ich habe mit einigen geredet, die sagen, mit Gewalt verstehen sie uns besser. Aber ich habe ihnen gesagt, dass das zwar sein mag, aber keine Lösung ist."

Und obwohl Benjamin Cauchy, einer der Sprecher der gemäßigten Gelbwesten, vorab in jedes Mikrofon gesagt hatte: "Wir rufen nicht dazu auf, zu den Protesten nach Paris zu kommen", haben sich erneut Tausende auf den Champs-Élsysées versammelt. Aus allen Landesteilen kamen Menschen in die Hauptstadt. Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot zogen die ersten Gruppen den Boulevard entlang. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. Tränengas kam zum Einsatz.

Ausschreitungen in Frankreich
08.12.2018

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Museen und Geschäfte bleiben geschlossen

Nach Angaben von Frankreichs Premierminister Edouard Philippe wurden bis zum späten Vormittag bereits 481 Menschen vorläufig festgenommen, 211 Menschen kamen in Polizeigewahrsam. "Wir finden potentielle Waffen, Hammer, Gasmasken, die perfekte Grundausstattung für Randalierer. Diese Leute sind nur da, um Geschäfte oder Monumente zu beschädigen", sagte Joahnna Primevert, Sprecherin der Pariser Polizeipräfektion.

Aus Angst vor Zerstörung ordneten die Behörden an, dass der Eiffelturm, die Pariser Oper, zahlreiche Denkmäler und Museen sowie das Ausstellungsgebäude Grand Palais heute nicht zugänglich sein werden. Zudem bleiben viele Läden und Sehenswürdigkeiten - so auch der Eiffelturm - geschlossen.

Menschenleer ist der Innenhof mit der Pyramide des Louvre-Museums. | Bildquelle: dpa
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Menschenleer ist hingegen der Innenhof mit der Pyramide des Louvre-Museums.

89.000 Sicherheitskräfte im Einsatz

Allein in Paris werden nach Angaben der Regierung 8000 Polizisten eingesetzt, landesweit wurden etwa 89.000 Sicherheitskräfte mobilisiert. Sie sollen schwere Ausschreitungen wie am vergangenen Samstag verhindern. Erstmals seit 2005 sind speziell gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz, die Barrikaden durchbrechen können.

Premierminister Philippe hatte sich am Vorabend mit gemäßigten Vertretern der "Gelbwesten" getroffen. Ein Sprecher der Gruppe sagte danach, dass Philippe versprochen habe, deren Forderungen an Präsident Emmanuel Macron weiterzuleiten. "Jetzt warten wir auf Herrn Macron." Die sieben Aktivisten gehören allerdings zu den "freien Gelbwesten", die sich gegen eine Beteiligung an der Demonstration ausgesprochen haben.

Auch Proteste in Belgien und den Niederlanden

Auch in Belgien und den Niederlanden schlossen sich Menschen "Gelbwesten"-Protesten an. Im niederländischen Den Haag protestieren mehrere Hundert Demonstranten gegen die aus ihrer Sicht wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. "Es muss gerechter zugehen", steht auf einigen Transparenten. Die Demonstranten fordern ein niedrigeres Rentenalter und die Aufhebung von Umweltmaßnahmen. Einige wollen den Rücktritt von Regierungschef Mark Rutte und sogar einen Austritt aus der EU.

In der belgischen Hauptstadt Brüssel nahm die Polizei nach eigenen Angaben rund 70 Menschen fest, die sich den "Gelbwesten"-Protesten angeschlossen hatten. Es handle sich um "präventive Maßnahmen", so die Polizei. Sie riegelte das Brüsseler Europaviertel ab. Dort haben Institutionen wie die EU-Kommission, der EU-Rat und das EU-Parlament ihren Sitz.

Mit Informationen von Korrespondent Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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