Französische Polizei setzt Pfefferspray gegen Demonstrierende ein | Bildquelle: REUTERS

"Gelbwesten" in Frankreich Dutzende Festnahmen bei Protesten

Stand: 15.12.2018 17:03 Uhr

Wieder protestieren die "Gelbwesten" in ganz Frankreich, wieder gibt es Festnahmen. Doch Beobachter schätzen die Zahl der Teilnehmer geringer ein als noch am vergangenen Wochenende.

Erneut sind Zehntausende "Gelbwesten" in Paris und anderen Städten Frankreichs auf die Straße gegangen. Krawalle wie an den beiden vergangenen Samstagen blieben bisher aus. Auf der Prachtstraße Champs-Élysées kam es aber zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Dabei wurde auch Tränengas eingesetzt. Die Polizei zählte mehr als 90 Festnahmen. In der Vorwoche waren es zur selben Zeit 598.

Nach offiziellen Angaben beteiligten sich landesweit 33.500 Menschen an den Protesten - deutlich weniger, als vor einer Woche. In der Hauptstadt nahmen 2200 Menschen an den Protesten teil. Am Samstag vor einer Woche lag die Zahl der Demonstranten in Paris bis zum Nachmittag bei rund 10.000, im ganzen Land bei 77.000.

Die Demonstrationen wurden von massiven Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Allein in Paris waren 8000 Polizisten, 14 Panzerfahrzeuge und Reiterbrigaden im Einsatz. Landesweit waren 69.000 Sicherheitskräfte im Dienst.

Mehrere Frauen demonstrierten auf den Champs-Élysées halbnackt als Marianne verkleidet | Bildquelle: AFP
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Mehrere Frauen demonstrierten auf den Champs-Élysées halbnackt als Marianne verkleidet

Proteste gehen in fünftes Wochenende

Die "Gelbwesten" protestieren bereits das fünfte Wochenende in Folge. Ursprünglich richtete sich ihre Wut gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die Reformpolitik der Mitte-Regierung des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Mittlerweile werden zunehmend Forderungen nach mehr direkter Demokratie in Form eines Bürgerreferendums und nach einem Rücktritt Macrons laut.

Um den Konflikt mit den "Gelbwesten" zu entschärfen, versprach Macron zu Wochenbeginn ein Paket mit Sofortmaßnahmen im Sozialbereich, darunter eine Erhöhung des Mindestlohns um monatlich 100 Euro. Die Maßnahmen sollen bis zu zehn Milliarden Euro kosten. Dennoch gingen die Proteste weiter. Nach dem Terroranschlag von Straßburg hatte die französische Regierung an die "Gelbwesten" appelliert, an diesem Wochenende nicht zu demonstrieren.

Sit-in der "Gelbwesten"

Demonstranten knien auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf - eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern. | Bildquelle: AFP
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Demonstranten knien auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf - eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern.

Vor der Oper Garnier organisierten die "Gelbwesten" ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf - eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor gut zehn Tagen, die gegen Reformen im Bildungsbereich protestiert und ihre Bildungseinrichtung blockiert hatten.

Halbnackte Marianne

Mehrere Frauen demonstrierten auf den Champs-Élysées halbnackt als Marianne verkleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Auf Bildern wird sie gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze bedeckt und mit unbedeckten Brüsten gezeigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

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