Boris Johnson bereitet mit Brexit-Schürze in Derby einen Pie vor | AP

Boris Johnson Wahlkampf mit nur einer Botschaft

Stand: 11.12.2019 18:44 Uhr

Wenn die Briten heute wählen, richten sich die Blicke vor allem auf Johnson. Als Premier hatte er nicht oft Zeit für seinen Wahlkreis. Dabei dürfte die Wahl dort kein Heimspiel werden. 

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

Uxbridge liegt am westlichen Stadtrand von London. Uxbridge and South Ruislip ist der Wahlkreis von Boris Johnson. Wie denken die Wähler über den konservativen Premierminister?

Imke Köhler ARD-Studio London

"Er ist der Richtige für den Job", meint eine Frau, aber Johnson sei "in einer unmöglichen Situation - er kann es nicht allen recht machen". Was sie damit meint, wird in der Äußerung eines anderen Wählers deutlich. Dieser Mann ist "kein Fan von Johnson", denn er will in der EU bleiben, und das will Johnson bekanntlich nicht.

Gruß per Videobotschaft

Als Premier kann Johnson nicht so oft im Wahlkreis vor Ort sein wie andere Kandidaten. Dafür hat er aber eine vielfach höhere Medienpräsenz als alle anderen, und seine zentrale Botschaft "Get Brexit done" (Den Brexit erledigen) kann er auch von anderer Stelle aus unter die Leute bringen.

In einem Videoclip zum Beispiel meldet sich der Premier aus Southampton, wo er mit Innenministerin Priti Patel den "wunderbaren Hafen" der Stadt besucht, um dort "mit großem Stolz die große Zahl an Autos zu sehen, die in Großbritannien gefertigt und um die ganze Welt geschickt werden." Und, fährt Johnson fort, "hier warten sie darauf, dass der Brexit erledigt und das Land angekurbelt wird und dass das eine Flutwelle von Investitionen im Vereinigten Königreich auslöst." 

Boris Johnson macht in Southampton Wahlkampf mit Innenministerin Priti Patel | AP

Auch in Southampton lautet die Botschaft von Johnson und Innenministerin Patel: Nach dem Brexit wird vieles besser. Bild: AP

Es könnte knapp werden

Den Brexit liefern - mit diesem Versprechen will Johnson punkten. Schaut man auf das Referendum 2016, könnte das funktionieren, denn damals hat Uxbridge mehrheitlich für den Brexit gestimmt.

Aber knapp werden könnte es für ihn trotzdem. Bei den Unterhauswahlen 2015 und 2017 hat er seinen Wahlkreis zwar jeweils mit gut 50 Prozent gewonnen, aber Labour hat stark aufgeholt. 2015 lag Labour noch bei 26 Prozent, 2017 bei 40. In Uxbridge hat sich die Wählerschaft verändert, sie ist in den letzten Jahren jünger und multikultureller geworden, was Labour Stimmen gebracht hat.

Der Labour-Kandidat in Uxbridge ist der gebürtige Iraner Ali Milani. Er glaubt, dass die Wähler in dem Wahlkreis und auch im übrigen Land "eine ganz andere Art der Politik" wollen. "Die sind müde von Eton-Absolventen wie Boris Johnson, die so tun, als seien sie zum Regieren geboren, die meinen, dass sie in den Palast von Westminster gehören."

Der Labour-Kandidat für Uxbridge, Milani, spricht mit Wählern. | AFP

Ali Milani ist umstritten und hofft dennoch, Johnson den Wahlkreis abnehmen zu können. Bild: AFP

Rückhalt trotz Zweifeln

Milani selbst ist nicht ganz unumstritten. Er musste sich in der Vergangenheit schon für antisemitische Tweets entschuldigen. Jetzt hat er allerdings die Unterstützung von Dutzenden pro-europäischen Interessengruppen.

Um Milanis Siegchancen zu erhöhen, forderten sie die Liberaldemokraten offiziell auf, ihre Kandidatin in Uxbridge zurückzuziehen. Johnson verhindern, so lautet das Ziel.

Dieses Ziel verfolgt auch ein unabhängiger Kandidat, der zu den absurd exzentrischen Auswüchsen gehört, die im Wahlkampf in Großbritannien zu beobachten sind. Count Binface, so nennt er sich, sieht aus wie Darth Vader mit Mülltonne auf dem Kopf. Und er singt: "Uxbridge and South Ruislip - du Juwel der Galaxie! Du suchst einen neuen Premier. Wählt mich! Zusammen können wir Boris stürzen."   

 

Über dieses Thema berichtet ein "Weltspiegel extra" um 22:45 Uhr im Ersten.