Kirche nahe Rouen, Südfrankreich

Hollande empfängt Religionsvertreter Zeichen gegen den Hass

Stand: 27.07.2016 17:31 Uhr

Nach dem Terroranschlag auf eine Kirche hat Frankreichs Präsident Hollande Vertreter verschiedener Religionen empfangen. Hauptthema war die Sicherheit aller Glaubenshäuser. Armee und Polizei sollen nun verstärkt werden - größere Veranstaltungen könnten ausfallen.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Das Ziel sei gewesen, die Gesellschaft zu spalten und einen Krieg der Religionen zu provozieren, hatte Premierminister Valls nach dem Anschlag auf eine Kirche in Nordfrankreich erklärt. Deshalb wollte Präsident Hollande ein demonstratives Zeichen gegen den Hass und für den Zusammenhalt setzen. Am frühen Morgen empfing das Staatsoberhaupt deshalb die Vertreter der verschiedenen Glaubensgemeinschaften im Élysée-Palast.

Die Religionsvertreter zeigten Einigkeit nach der Ermordung des katholischen Priesters im nordfranzösischen Saint-Etienne-du-Rouvray durch mutmaßliche islamistische Terroristen. "Wir können uns nicht in das politische Spiel des so genannten Islamischen Staats hineinziehen lassen, der die einen gegen die anderen aufhetzen will", sagte der Pariser Erzbischof Kardinal André Vingt-Trois nach dem Treffen.

Reform muslimischer Institutionen gefordert

Der Rektor der Großen Moschee in Paris, Dalil Boubakeur, drückte die Solidarität der Muslime in Frankreich aus. Sie fühlten tiefe Trauer. "Es ist eine Tat, die nicht zum Islam gehört. Eine Tat, die alle Muslime in Frankreich verurteilen und auf nachdrücklichste Weise ablehnen", sagte Boubakeur.

Boubakeur sprach sich darüber hinaus für eine Reform der muslimischen Institutionen in Frankreich aus. So forderte sie eine deutlich aufmerksamere Ausbildung von Geistlichen. Die Religionsvertreter forderten aber auch einen besseren Schutz ihrer Kirchen, Synagogen und Moscheen.

Größere Veranstaltungen sollen besser geschützt werden

10.000 Soldaten, die seit den Anschlägen vom Januar 2015 im Rahmen der Anti-Terror-Operation "Sentinelle" auf dem französischen Boden im Einsatz sind, schützen unter anderem 700 jüdische Schulen und Gotteshäuser sowie rund 1000 Moscheen und andere sensible Orte. Die Soldaten sollen nun noch stärker im ganzen Land eingesetzt werden, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve nach Beratungen des Verteidigungsrats.

Der Innenminister kündigte außerdem an, dass über 50 geplante Veranstaltungen, die im Sommer in Frankreich stattfinden sollen, verstärkt geschützt werden. "Zusätzlich zu den Sicherheitskräften, die ohnehin im Land verteilt sind, werden fast 23.500 Polizisten, Gendarme, Soldaten und Reservisten, die auf nationalem Boden im Einsatz sein werden, den sicheren Ablauf dieser Veranstaltungen schützen", sagte Cazeneuve. Wenn die Sicherheit nicht ausreichend gewährleistet werden könne, könnten Veranstaltungen auch abgesagt werden.

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