Flüchtlinge in einem Internierungslager in der Nähe von Tripolis | Bildquelle: AFP

Flüchtlings-Sammelzentren So sehen es die betroffenen Länder

Stand: 28.06.2018 21:02 Uhr

Beim EU-Gipfel signalisierten etliche Regierungschefs ihre Unterstützung für die Einrichtung von Sammellagern für Flüchtlinge - vor allem in Nordafrika. Die betroffenen Länder reagieren wenig begeistert.

Marokko

Das nordafrikanische Land will keine Aufnahmelager errichten. "Das Königreich lehnt es ab, die Rolle der Polizei für Europa zu spielen", heißt es aus Regierungskreisen. Marokko schloss vor kurzem ein Abkommen mit der EU. Das Königreich erhält über vier Jahre umgerechnet 35 Millionen Euro, um Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa zurückzuhalten.

Tunesien

Das verhältnismäßig kleine Land am Mittelmeer spielt in den Überlegungen der EU eine Rolle, weil es als relativ stabil gilt. Kurz vor Beginn des EU-Gipfels bekräftige der tunesische Außenminister Khemaies Jhinaoui jedoch die ablehnende Haltung seines Landes. "Wir in Tunesien tragen nicht die Verantwortung für den Strom illegaler Flüchtlinge an den Küsten Südeuropas", sagte er der Tageszeitung "Al-Arab".

Algerien

Das großflächige Land zwischen Marokko und Tunesien spielt für die Überfahrten nach Europa nur eine geringe Rolle. Wie die Nachbarn lehnt jedoch auch der autoritär regierte Staat Aufnahmelager ab. Der algerische Ministerpräsident Ahmed Ouyahia sprach sich dafür aus, Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Human Rights Watch berichtete, Algerien habe im vergangenen Jahr Hunderte Migranten nach Niger gebracht. Viele Migranten stranden zwischen Algerien und dem Niger und geraten in Lebensgefahr. Das Land steht in der Kritik, weil es beschuldigt wird, Zehntausende Migranten ohne Nahrung und Schutz in der Wüste ausgesetzt zu haben.

Libyen

In dem östlich von Tunesien gelegenen Land tobt seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg. Die international anerkannte Regierung in Tripolis kontrolliert nur Teile des Landes. Gleichzeitig ist es das wichtigste Transitland für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Die Regierung machte in dieser Woche klar, dass sie Aufnahmelager kategorisch ablehnt.

Ägypten

Auch die ägyptische Regierung lehnt Aufnahmelager ab. Außenminister Samih Schukri erklärte im Dezember, die Wurzel des Problems seien Armut, Arbeitslosigkeit und Instabilität in der Region. Zudem gebe es keine legalen Wege der Migration, rügte er.

Niger

Der Binnenstaat in Westafrika als Standort für ein Flüchtlingszentrum ergibt aus EU-Sicht Sinn, da der Niger für afrikanische Migranten auf dem Weg nach Europa eines der wichtigsten Transitländer ist. Zudem befinden sich in dem Wüstenstaat viele rückkehrende oder aus anderen Staaten zurückgeschickte Migranten. Über ein mögliches Sammelzentrum im Niger habe man jedoch keine Informationen, sagt Gogé Maimouna, die nationale Direktorin für die Bekämpfung von Menschenhandel und illegaler Migration.

Albanien

Das europäische Land ist schon länger im Gespräch, erteilte der Idee jüngst jedoch auch eine Absage. "Wir werden niemals solche EU-Flüchtlingslager akzeptieren", sagte der albanische Ministerpräsident Edi Rama der "Bild"-Zeitung.

Mazedonien

Auch Spitzenpolitiker in dem kleinen Staat nördlich von Griechenland hatten derlei Zentren in ihrem Land zuletzt ausgeschlossen.

Mit Informationen von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

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