Teils verschüttene Häuser nach Felsabgang in Bondo | Bildquelle: REUTERS

Schweiz Acht Vermisste nach Felssturz bei Bondo

Stand: 24.08.2017 18:01 Uhr

Bei dem Schweizer Dorf Bondo in der Nähe des Skiorts St. Moritz haben sich gewaltige Gesteinsmassen gelöst und sind ins Tal gedonnert. Das Dorf wurde evakuiert, nach acht Menschen wird gesucht. Darunter sind Deutsche und Österreicher.

Nach einem Bergsturz beim Dorf Bondo im Schweizer Kanton Graubünden werden acht Menschen vermisst, darunter Schweizer, Österreicher und auch Deutsche. Sie hätten sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Gebiet der Val Bondasca auf einer Wanderung aufgehalten, teilte die Kantonspolizei mit. Sie waren telefonisch nicht zu erreichen.

Eine zweite Wanderergruppe, die auch in dem Tal in Graubünden vermutet und vermisst gemeldet worden war, ist unversehrt nach Italien gelangt, wie eine Sprecherin der Polizei im Kanton Graubünden bestätigte.

Das Dorf war gestern evakuiert worden. Am 3369 Meter hohen Piz Cengalo hinter Bondo hatten sich gestern Gesteinsmassen gelöst und waren ins Tal gedonnert. "Das war der größte Bergsturz der letzten Jahrzehnte", sagte Martin Keiser vom Amt für Wald und Naturgefahren.

Es rutschten nach Schätzungen bis zu vier Millionen Kubikmeter Geröll mit Schlamm und größeren Gesteinsbrocken nach. Das ist mehr, als die Außenalster in Hamburg an Volumen fasst. Die graue Masse schob sich direkt an den Häusern des Ortes vorbei, wie dramatische Bilder zeigen.

Experten hatten gewarnt

Das Dorf Bondo am Talschluss musste geräumt werden. Rund 100 Einwohner kamen mit dem Schrecken davon, weil ein Vorwarnsystem Alarm geschlagen hatte. Experten hatten den Bergsturz erwartet, seien aber von den mitgeschwemmten Wassermassen überrascht worden, berichtete die Lokalzeitung "Engadiner Post". Der Bergsturz habe sich durch mehrere Felsstürze in den Jahren 2011, 2012 und 2016 angekündigt sowie durch ein Ereignis am 21. August, so der Schweizerische Erdbebendienst. Bondo liegt an der Grenze zu Italien, rund 35 Kilometer südwestlich von St. Moritz.

Gesteinsmassen liegen am 3369 Meter hohen Piz Cengalo in der Schweiz | Bildquelle: dpa
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Tonnen von Gesteinsmassen haben sich am 3369 Meter hohen Piz Cengalo gelöst ...

Schlamm und Gesteinsbrocken liegen in Bondo im Kanton Graubünden (Schweiz). | Bildquelle: dpa
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... und sind bis in den Ort Bondo herunter gestürzt.

Die Wanderer hatten sich nach Angaben der Behörden in einem offiziell ausgewiesenen Gefahrengebiet aufgehalten. Die Gemeinde Bondo habe zuletzt am 14. August eine Warnung vor einem möglichen Felssturz herausgegeben, sagte die Gemeindepräsidentin Anna Giacometti am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. "Die Leute haben gewusst, sie bewegen sich in einem gefährdeten Gebiet." Auch die Hüttenwirte hätten Wanderer auf die Gefahren aufmerksam gemacht, sagte Giacometti. Allerdings seien nur wenige Teile des Tales gesperrt gewesen.

Der Klimawandel könnte zu vermehrten Bergstürzen beitragen, berichtete die Arbeitsgruppe Naturgefahren des Kantons Bern. Wenn sich der Permafrost im Felsen zurückbilde, würden neue Trennflächen aktiv. Wenn sich Gestein ablöse, gebe es neue Fließwege für Wasser und neue Druckverhältnisse, was den Fels zusätzlich destabilisiere.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. August 2017 um 11:00 Uhr.

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