Facebook App auf Bildschirm

Gegenwind für Facebook in Indien No like

Stand: 21.04.2015 15:38 Uhr

Das ging dann wohl nach hinten los. Als Förderer des Internets, als Wohltäter für arme Menschen, die sich ohne ihn das Netz nicht leisten könnten: So wollte Facebook-Chef Marc Zuckerberg in Indien gesehen werden. Tatsächlich dürfte er nun eher als Abzocker gelten.

Von Jürgen Webermann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Die PR-Maschine lief so gut an für Marc Zuckerberg, Facebook und auch für den indischen Konzern Reliance, eine der mächtigsten Firmen in Indien. "Wir möchten ein freies Internet!", skandieren da junge Protestler in einem Werbespot von Reliance und facebook. Und die Stimme aus dem Off sagt: "Das Internet ist heutzutage nicht frei!" Die Botschaft lautet: "Wir machen das Internet frei!"

Jürgen Webermann ARD-Studio Neu-Delhi

Was das aus seiner Sicht bedeutet, hat Marc Zuckerberg vergangenen Herbst während eines Besuchs in Neu-Delhi versucht zu erläutern. "Wir glauben, dass eine Netzanbindung ein Menschenrecht ist. Und das sicherzustellen, ist eine der größten Herausforderungen unserer Generation. Die meisten, die kein Netz haben, leben auf dem Land, und sie haben auch keine Straßen oder keinen Strom. Es gibt mehr als 600.000 Dörfer in Indien, denen es so geht. Wir haben auch herausgefunden, dass in Entwicklungsländern 20 Prozent weniger Frauen mit dem Internet verbunden sind als Männer."

"internet.org" tritt als Retter auf

Indiens bittere Realität - Armut, Strommangel, Diskriminierung von Frauen. Zuckerberg sprach alles an. Und versprach, mit seiner Initiative internet.org zu helfen. Internet.org soll denjenigen Menschen Zugang zum Internet verschaffen, die es sich bisher nicht leisten können oder deren Dörfer nicht ans Internet angebunden sind. Es gibt nur zwei Haken: Wer diesen einfachen Zugang haben möchte, muss den Konzern Reliance als Provider nutzen.

Reliance ist mächtig, sein Chef Mukesh Ambani gilt als einer der reichsten Inder. Außerdem sind über internet.org nur wenige Seiten überhaupt kostenlos erreichbar, darunter natürlich Facebook. Für den Rest müssen auch Arme zahlen. Die Firmen, die bei internet.org mitmachen, stehen jetzt unter Dauerfeuer. Vier haben sich bereits zurückgezogen, darunter drei Medienhäuser mit großen Fernsehsendern und der größte indische Reiseveranstalter.

Mukesh Ambani, Chef von Reliance, und Gattin

Der Chef von Reliance, Mukesh Ambani, mit seiner Frau

"Save the Internet", fordern Nutzer

Unter dem Slogan "Save the Internet" protestieren seit Wochen Nutzer in Indien gegen internet.org und einen anderen großen Provider, die Firma Airtel. Die will die Datengebühren erlassen, wenn Nutzer bestimmte Seiten von Airtel-Partnern aufrufen. Wenn Firmen an Airtel Geld zahlen, sollen sich ihre Seiten schneller aufrufen lassen. 750.000 Nutzer haben sich bereits über "Save The Internet" gegen diese Pläne ausgesprochen und fordern die Behörden auf, für Netzneutralität zu sorgen - also dafür, dass alle Daten im Internet gleich behandelt werden.

Zum Umdenken gezwungen

"Wir haben das Gefühl, dass so etwas das Prinzip der Netzneutralität verletzt. Wir wollen sicherstellen, dass das Internet demokratisch und für jeden gleich erreichbar bleibt", erklärt ein sichtlich angekratzter Mukesh Sharma, der das größte indische Internet-Einkaufshaus Flipkart leitet. Flipkart hat sich von Airtel Zero verabschiedet, nachdem tausende Kunden protestiert haben, unter anderem, indem sie der Flipkart-App schlechte Noten verpassten. Das traf Sharmas Unternehmen: "Es hat ein wenig gedauert, bis wir die Ansichten unserer Nutzer nachvollziehen konnten. Aber wir glauben, der Rückzug ist richtig für uns und für das Land."

Die Regierung in Neu-Delhi will den Bruch der Netzneutralität eigentlich gestatten. Denn um alle Inder ans Internet anzubinden, wären gewaltige Anstrengungen nötig. Marc Zuckerberg sagte inzwischen, eine gesponserte Netzanbindung sei immer noch besser als überhaupt keine Anbindung. Er will weiter machen mit internet.org. Auch die Firma Airtel will ihr umstrittenes Programm fortführen.