Die Zeitung "Aftenposten" mit dem offenen Brief als Titel liegt in einem Verkaufsständer. | Bildquelle: REUTERS

Nach massiver Kritik an Facebook Berühmtes Kriegsfoto wieder online

Stand: 09.09.2016 21:05 Uhr

Es geschieht nicht oft, dass das soziale Netzwerk Nummer eins einknickt: Doch im Streit um das gelöschte Foto des berühmten "Napalmgirls", das die norwegische Zeitung "Aftenposten" gepostet hatte, war der Protest so groß, dass die Betreiber jetzt nachgaben.

Im Streit um Zensur-Vorwürfe hat das Netzwerk Facebook nachgegeben. Anlass war das Foto des sogenannten Napalmgirls, das die norwegische Zeitung "Aftenposten" auf der eigenen Facebook-Seite gepostet hatte. Es wurde von den Betreibern des Netzwerkes gelöscht, was ihnen massive Kritik einbrachte. Nun ruderte Facebook zurück - das Bild kommt wieder auf die Seite der Zeitung und darf auch bald geteilt und verbreitet werden.

Es geht um das Foto "The Terror of War" ("Der Schrecken des Krieges") - 1972 in Vietnam aufgenommen von dem Pressefotografen Nick Ut. Darauf zu sehen ist die neun Jahre alte Kim Phuc: Sie flieht nackt aus einem Ort, der im Vietnamkrieg Ziel eines Napalm-Angriffs wurde. Das Foto wurde zum Pressefoto des Jahres 1972 gekürt, Ut erhielt für seine Aufnahme den Pulitzerpreis.

Das nackte Mädchen Kim Phuc flieht vor einem Napalmangriff im Vietnamkrieg. | Bildquelle: AP
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Die Aufnahme von der fliehenden Kim Phuc wurde zum Pressefoto des Jahres 1972 gekürt.

Chefredakteur sagt Zuckerberg in offenem Brief die Meinung

Am vergangenen Mittwoch hatte "Aftenposten" das Bild auf seine Facebook-Seite gestellt - nicht einmal 24 Stunden später war es jedoch wieder verschwunden. Facebook begründete seine Entscheidung mit den eigenen Richtlinien, in denen das Verbreiten von Nacktbildern von Kindern verboten ist, aus Schutz gegen Kinderpornografie.

Doch in diesem Falle handelt es sich um eine Kriegsdokumentation, setzte der "Afterposten"-Chefredakteur Espen Egil Hansen in einem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg entgegen. Der Brief titelte die nächste Ausgabe der Zeitung.

"Du missbrauchst deine Macht"

Er sei "verärgert, enttäuscht" und besorgt darüber, dass "das wichtigste Medium der Welt Freiheit einschränkt, anstatt zu versuchen, sie auszuweiten, und dass das gelegentlich auf eine autoritäre Weise passiert", schrieb der Journalist an Zuckerberg gewandt. "Ich finde, Du missbrauchst diese Macht." Facebook müsse im Befolgen der eigenen Richtlinien auch Spielraum für Abwägungen zulassen. Facebook schränke in diesem Fall die freie Meinungsäußerung ein.

Und das nicht nur in Bezug auf den "Aftenposten", betonte Hansen weiter. Nachdem das Löschen des Fotos bekannt wurde, posteten zahlreiche Facebook-Mitglieder das Bild, um gegen den Eingriff des Netzwerkes zu protestieren. Zu ihnen zählte auch Erna Solberg: "Facebook macht einen Fehler, wenn man dort Bilder dieser Art zensiert", so die norwegische Regierungschefin. Aber auch diese Posts wurden von Facebook gelöscht.

Der "Aftenposten"-Chefredakteur Hansen (li.) erhebt schwere Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg. | Bildquelle: AFP
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Der "Aftenposten"-Chefredakteur Hansen (li.) erhebt schwere Vorwürfe gegen Facebook-Gründer Zuckerberg.

Foto darf wieder im Netzwerk erscheinen

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas reagierte. In einem Interview mit der "Bild" sagte er: "Strafbare Inhalte sollten aus dem Netz verschwinden, nicht Fotos, die die ganze Welt bewegen." Wenn solche Bilder gelöscht würden, treffe es "genau die Falschen".

Nun ist das Foto wieder da - Facebook hat das Löschen rückgängig gemacht, zunächst auf der Seite von "Aftenposten". Das Netzwerk erkenne die historische Bedeutung des Fotos an, teilte Facebook mit. Das Teilen dieses Bildes habe deshalb einen höheren Stellenwert als der Schutz der Gemeinschaft durch seine Löschung. Darum sollten die Mechanismen, die das Löschen des Bildes auslösen, außer Kraft gesetzt werden - das könne allerdings etwas dauern. Das Teilen des Fotos solle aber in den kommenden Tagen wieder ermöglicht werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. September 2016 um 17:51 Uhr

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