Lawrow hält seine per Video übertragene Rede vor nahezu leeren Rängen | dpa

Lawrow im UN-Menschenrechtsrat Ein leerer Saal aus Protest gegen Russland

Stand: 01.03.2022 15:55 Uhr

Es war eine bizarre Rede, die Russlands Außenminister Lawrow vor dem UN-Menschenrechtsrat hielt - vor fast leeren Rängen. Aus Protest gegen die "zynische Verdrehung der Tatsachen" hatten die meisten Diplomaten den Saal verlassen.

Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erscheint auf dem großen Bildschirm im Sitzungssaal der Vereinten Nationen in Genf - und fast keiner schaut hin. Stattdessen: Stühle rücken und kollektiver Aufbruch. Aus Protest gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine haben Dutzende Diplomatinnen und Diplomaten den Raum verlassen, darunter auch die deutsche UN-Botschafterin Katharina Stasch.

Kathrin Hondl ARD-Studio Genf

"Der Menschenrechtsrat darf nicht als Plattform für Desinformation missbraucht werden", sagte Stasch zu der vorab koordinierten Protestaktion. "Die grotesken Behauptungen von Außenminister Lawrow" müssten als das bloßgestellt werden was sie seien: "eine zynische Verdrehung der Tatsachen." Russland habe diese Aggression seit Monaten vor den Augen der Welt vorbereitet. 

China und Nicaragua bleiben da

Nur wenige Delegationen - darunter China und Nicaragua - blieben im Saal, während Lawrow eine lange Rede vorlas, in der er sich unter anderem über "empörende Maßnahmen der Europäischen Union" beklagte und, dass er wegen der Sperrung des europäischen Luftraums für russische Flugzeuge nicht nach Genf habe reisen können.

Die westlichen Länder seien besessen von Sanktionen, behauptete Lawrow. Der ukrainischen Regierung in Kiew, sowie den USA und ihren Verbündeten, warf er Menschenrechtsverletzungen vor.

 

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 01. März 2022 um 18:12 Uhr.