FPÖ-Chef Herbert Kickl | EPA

Österreich Kickl ist neuer Parteichef der FPÖ

Stand: 19.06.2021 17:28 Uhr

Parteichef Hofer hatte versucht, die FPÖ durch moderateres Auftreten für österreichische Wechselwähler attraktiv zu machen. Nach seinem Rücktritt übernimmt nun sein ärgster Widersacher Kickl die Spitze der Rechtsaußen-Partei.

Der FPÖ-Fraktionschef Herbert Kickl gilt als langjähriger Chefdenker der österreichischen Rechtspopulisten. Jetzt steht er an der Spitze der Partei. Der 52-Jährige erhielt bei der Wahl zum Parteichef auf einem außerordentlichen Bundesparteitag in Wiener Neustadt 88,2 Prozent der Stimmen der Delegierten.

In seiner Rede verbreitete Kickl Zuversicht: "Wir spielen auf Sieg", rief er den Delegierten zu. Die Aussichten der FPÖ auf eine etwaige Neuauflage einer Koalition mit der konservativen ÖVP auf Bundesebene dürften sich mit der Wahl jedoch verschlechtert haben. Kickl ist einer der schärfsten Kritiker von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Alle anderen Parteien wollen ohnehin nicht mit den Rechtspopulisten paktieren.

Kickl folgt Norbert Hofer nach. Hofer hatte versucht, zumindest durch moderateres Auftreten die Partei auch für Wechselwähler attraktiv zu machen, trat aber mit Blick auf wiederholte Auseinandersetzungen mit Kickl jüngst zurück. Auf dem Parteitag gab er sich nun versöhnlich und kündigte seine Unterstützung für Kickl an.

Kritik an Regierung Kurz

In Umfragen kommt die FPÖ derzeit auf etwa 16 Prozent. Ein erster Stimmungstest wird die Landtagswahl in Oberösterreich im September.

Kickl erneuerte erwartungsgemäß seine scharfe Kritik am ehemaligen Koalitionspartner ÖVP und deren Chef, Kanzler Sebastian Kurz. Die ÖVP sei aufgrund des wachsenden Rumorens in den Bundesländern wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Kurz und Finanzminister Gernot Blümel in einer bedrohlichen Lage. Auch Kurz selbst sei nicht mehr ungefährdet, meinte Kickl.

Auch in der FPÖ umstritten

Der neue FPÖ-Chef ist in seiner Partei nicht unumstritten. Vereinzelt traten Mitglieder nach der Nominierung des 52-Jährigen für das Spitzenamt aus der Partei aus. Sein Vorgänger Hofer war 2019 mit 98 Prozent der Stimmen gewählt worden. Mit seinen verbalen Attacken gegen Migranten und gegen den Islam spricht Kickl zwar die Kern-Klientel der FPÖ an, kann aber nach Meinung vieler Beobachter kaum Anhänger anderer Parteien für die Rechtspopulisten gewinnen.

Die FPÖ war von 2017 bis 2019 in einer Koalition mit der konservativen ÖVP unter Kurz. Das Bündnis zerbrach an der sogenannten Ibiza-Affäre.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2021 um 17:00 Uhr.