Der britische Premierminister Boris Johnson | AFP

Nach Kontakt mit Infiziertem Johnson begibt sich in Corona-Isolation

Stand: 18.07.2021 14:26 Uhr

Der britische Premier Johnson begibt sich nach einem Treffen mit dem coronainfizierten Gesundheitsminister Javid nun doch in Quarantäne, ebenso Finanzminister Sunak. Zuvor gab es Kritik: Beide wollten sich zunächst nicht isolieren.

Der britische Premierminister Boris Johnson begibt sich nach einem Treffen mit seinem an Covid-19 erkrankten Gesundheitsminister Sajid Javid für zehn Tage in Isolation. Das Büro des Premiers teilte mit, Johnson und Finanzminister Rishi Sunak seien von der landesweiten Corona-Warn-App alarmiert worden.

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Regierung noch mitgeteilt, beide Politiker würden an einem Pilotprojekt teilnehmen, wollten statt in Selbstisolation zu gehen sich täglich auf das Virus testen lassen und ihre Arbeit fortsetzen. Diese Ankündigung stieß auf Kritik von Opposition und Öffentlichkeit.

Derzeit sitzen Hunderttausende Britinnen und Briten zu Hause, nachdem sie vom Nationalen Gesundheitsdienst NHS wegen Kontakts mit einer infizierten Person zu einer zehntägigen Quarantäne verpflichtet wurden.

Johnson isoliert sich auf Landsitz

Die Warn-App fordert alle Menschen, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, auf, sich zu Hause zu isolieren. Gesetzlich vorgegeben ist das aber nicht. Johnson sei auf dem Chequers gewesen, dem Landsitz des Premiers, als er von seiner Einstufung als Kontaktperson erfahren habe. Dort werde er auch seine Quarantäne verbringen. "Er wird nicht an dem Pilotprogramm teilnehmen", sagte der Sprecher. Auch Sunak werde sich isolieren.

Gesundheitsminister Javid hatte zuvor erklärt, ein Schnelltest auf das Coronavirus sei bei ihm positiv ausgefallen. Der Minister ist vollständig geimpft und zeigte nach eigenen Angaben nur leichte Symptome. Laut einem Bericht der Zeitung "Sunday Times" hatten er und Johnson zuletzt in einem längeren Meeting zusammengesessen.

Johnson selbst war im vergangenen Jahr schwer an Covid-19 erkrankt und musste intensivmedizinisch behandelt werden.

Kritik der Opposition

Der gesundheitspolitische Sprecher der oppositionellen Labour-Partei, Jonathan Ashworth, kritisierte die erste Ankündigung der Regierung, wonach Johnson und Sunak weiterarbeiten wollten. Viele Menschen würden sich jetzt fragen, warum es eine Vorzugsbehandlung für die beiden Politiker gebe, erklärte er.

Die Labour-Abgeordnete Angela Rayner warf den Regierungsmitgliedern vor, sich "über das Gesetz" zu stellen, indem sie die für alle anderen geltenden Quarantäne-Regeln nicht einhielten.

Weitreichende Lockerungen trotz vieler Neuinfektionen

Zu Wochenbeginn sollen fast alle Corona-Maßnahmen in England aufgehoben werden - obwohl die Infektionszahlen derzeit drastisch ansteigen. Zum ersten Mal seit März 2020 dürfen etwa Diskotheken wieder öffnen, in Innenräumen müssen keine Masken mehr getragen werden.

Die Regierung rechtfertigt die Lockerungen mit der hohen Impfquote. Inzwischen haben 88 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich eine erste Impfung erhalten. Knapp 68 Prozent sind bereits zwei Mal geimpft. Die Verbindung zwischen Neuinfektionen und Krankenhauseinweisungen sowie Todesfällen sei erheblich geschwächt, hieß es. Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner wurde zuletzt mit 360 angegeben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2021 um 18:00 Uhr.