Polizei bei forensischen Untersuchungen in Kongsberg | EPA

Tödlicher Angriff in Norwegen Polizei geht von Terrorakt aus

Stand: 14.10.2021 16:29 Uhr

Nach dem Angriff im norwegischen Kongsberg mit fünf Toten geht die Polizei von einem terroristischen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter stand zuvor wegen des Verdachts auf islamistische Radikalisierung im Fokus der Behörden.

Nach der Gewalttat mit fünf Toten und mehreren Verletzten in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg geht die norwegische Polizei inzwischen von einem terroristischen Hintergrund aus. "Die Vorfälle in Kongsberg erscheinen derzeit als terroristischer Akt", hieß es in einer Mitteilung des Sicherheitsdienstes der Polizei.

Ermittlungen zu den genaueren Hintergründen liefen jedoch derzeit noch, hieß es weiter. "Die Bedrohungslage in Norwegen wird nach wie vor als moderat eingeschätzt."

Ein 37-jähriger Däne hatte gestern Abend an verschiedenen Orten in Kongsberg, auch bei oder in einem Supermarkt, mit Pfeil und Bogen gezielt auf Menschen geschossen und fünf von ihnen getötet: vier Frauen und einen Mann. Die Zahl der Verletzten gaben die Behörden mit drei an, nachdem zuvor zunächst von zwei Verletzten die Rede gewesen war.

Der Mann war der Polizei als potenziell radikalisierter Muslim bekannt. Bei ihm handele es sich um einen "Konvertiten zum Islam", sagte ein Polizeibeamter bei einer Pressekonferenz. "Es gab schon früher Befürchtungen einer Radikalisierung." Diesen Befürchtungen sei im vergangenen Jahr und davor nachgegangen worden. In diesem Jahr habe es bei dem Mann aber keine Hinweise mehr auf Auffälligkeiten gegeben.

Geständnis in der Nacht

Laut Polizei und der zuständigen Staatsanwältin hat der Mann die Tat noch in der Nacht gestanden. Nach Angaben seines Anwalts kooperiert er mit den Ermittlern. Die Staatsanwältin bestätigte, dass er mehrfach mit dem norwegischen Gesundheitswesen in Kontakt gestanden hat. Ob er wegen psychischer Probleme in Behandlung war, ging aus den Äußerungen nicht hervor. Die Polizei geht davon aus, dass er allein gehandelt hat.

Der Sicherheitsdienst untersucht nun, ob das Geschehene andere zu schweren Gewalttaten inspirieren kann. Konkrete Hinweise darauf lägen aber nicht vor.

Die konservative Ministerpräsidentin Erna Solberg, die nach einer Wahlniederlage im September heute ihr Amt planmäßig an den Sozialdemokraten Jonas Gahr Støre übergeben hat, hatte noch in der Nacht den Hinterbliebenen der Opfer ihre Anteilnahme ausgesprochen. "Die Nachrichten, die wir heute Nacht aus Kongsberg erhalten, sind furchtbar", sagte sie. "Es hat mehrere Opfer gegeben, die Situation ist dramatisch. Ich verstehe, dass viele Menschen Angst haben. Deshalb will ich betonen, dass die Polizei die Lage unter Kontrolle hat." Ihr Nachfolger Støre sprach von einer "grausamen und brutalen Tat".

Heute äußerte sich auch König Harald dazu, der Hof veröffentlichte eine schriftliche Erklärung. Darin heißt es unter anderem:

Ich bin entsetzt über die tragischen Ereignisse in Kongsberg gestern Abend. Wir haben Mitgefühl mit den Angehörigen und Verletzten in ihrer Trauer und Verzweiflung. Norwegen ist ein kleines Land. Wenn die Leute in Kongsberg jetzt so hart getroffen werden, dann steht der Rest der Nation zu Ihnen.

Steinmeier und Maas kondolieren

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Außenminister Heiko Maas drückten den Hinterbliebenen ihr Beileid aus.

Maas schrieb auf Twitter: "Ich bin schockiert über das brutale Attentat in Norwegen. Fünf Menschen wurden mit Pfeil und Bogen aus dem Leben gerissen. Weitere sind verletzt. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Opfern dieses Terrorangriffs und ihren Angehörigen. Ich wünsche ihnen viel Kraft."

Steinmeier schrieb laut Mitteilung an den Norwegischen König Harald V.: "Meine aufrichtige Anteilnahme gilt den Angehörigen und Freunden der Opfer. Ich hoffe inständig, dass die Verletzten schnell und vollständig genesen. Es betrübt mich, dass Norwegen zehn Jahre nach dem schrecklichen Terroranschlag in Utøya und Oslo erneut von Gewalt heimgesucht wird."

Norwegen mehrfach Ziel von Anschlägen

Das Land war in der Vergangenheit mehrfach zum Ziel von Anschlägen geworden. Zuletzt im August vor zwei Jahren hatte ein 22-jähriger norwegischer Rechtsextremist zunächst seine chinesisch-stämmige Stiefschwester erschossen und dann eine Moschee in der Nähe der Hauptstadt Oslo überfallen. Er wurde zur Höchststrafe von mindestens 21 Jahren Haft verurteilt.

Ebenso wie Jahre zuvor Anders Breivik, der 2011 den bisher schwersten Anschlag in Norwegen verübt hatte. Bei der Explosion einer von ihm gelegten Bombe im Osloer Regierungsviertel und einem anschließenden Amoklauf im Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation auf der nahen Insel Utøya hatte er 77 Menschen ermordet.

Mit Informationen von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm, zzt. Hamburg

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.

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Moderation 14.10.2021 • 20:08 Uhr

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