Karin Döhne | Bildquelle: Sandra Stalinski

50 Jahre Entwicklungshelfer-Gesetz "Ungleichheit ein winziges Stück verringern"

Stand: 12.07.2019 03:44 Uhr

Karin Döhne ist eine von 30.000 deutschen Entwicklungshelfern, die in den vergangenen 50 Jahren nach Übersee gingen. Was sie als Krankenschwester in Nepal erlebt hat, prägt sie bis heute.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Zwölf Stunden mit dem Bus von der Hauptstadt Kathmandu, dann ein Fußmarsch von drei bis fünf Tagen - so abgeschieden lag damals Okhaldunga, ein kleines Dorf 200 Kilometer südlich des Mount Everest im Osten Nepals. Dorthin hat es die deutsche Entwicklungshelferin Karin Döhne vor mehr als 30 Jahren verschlagen. Drei Jahre wollte die gelernte Krankenschwester mit Mann und zwei kleinen Kindern bleiben, um vor Ort eine medizinische Basisversorgung aufzubauen.

"Etwas Sinnvolles beitragen", "in eine andere Lebenswelt eintauchen", "etwas Neues sehen und erleben": die heute 67-Jährige sucht nach Worten, wenn man sie fragt, warum sie Frankfurt am Main gegen ein 5000-Seelen-Dorf in den ostnepalesischen Bergen eingetauscht hat, in dem fließend Wasser und Strom eine Seltenheit sind. So richtig erklären kann sie es nicht, vielleicht nicht einmal sich selbst.

Eine nepalesische Familie in einer Unterkunft | Bildquelle: Karin Döhne
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In dieser Feldküche in Ostnepal gab es bereits eine Art Herd. In den meisten Bauernhäusern wurde in den 1980er-Jahren noch über offenem Feuer gekocht.

Untersuchungen unter freiem Himmel

Jedes fünfte Kind starb damals in Nepal vor der Vollendung des fünften Lebensjahrs an Infektionskrankheiten, Durchfall und Unterernährung. Auch Karin Döhne und ihre gesamte Familie erkrankten schon ein halbes Jahr nach der Einreise schwer und mussten für einige Monate nach Deutschland ausreisen, um wieder zu Kräften zu kommen. Die Entscheidung, nach Nepal zurückzukehren, fiel ihr nicht leicht. Doch nach dem, was sie gesehen und erlebt hatte, konnte und wollte sie nicht in Deutschland bleiben.

Als Lehrkrankenschwester bildete sie Dorfbewohner mit einfachem Schulabschluss zu medizinischen Helfern aus, um zumindest eine minimale medizinische Versorgung auf dem Land zu gewährleisten. Die Untersuchungen machten sie und ihre Schüler gemeinsam, meist unter freiem Himmel, zweimal im Monat gab es extra Unterrichtstage.

Die Entwicklungshelferin Karin Döhne im Einsatz in Nepal | Bildquelle: Karin Döhne
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Karin Döhne untersucht als Lehrkrankenschwester ein nepalesisches Kind.

"Die Zutaten waren alle da"

Gegen die Unterernährung half ein Gemisch aus Getreide und (Soja-)Bohnen, um eine optimale Eiweißzufuhr jenseits von schwer erhältlichen tierischen Eiweißen zu gewährleisten. "Da braucht man kein Milchpulver aus Europa, das kann jede Bauernfamilie selbst herstellen", sagt Döhne. Gelernt hat sie das vor Ort von einer amerikanischen Ernährungswissenschaftlerin. Die Zutaten waren da, es ging nur darum, das Wissen, wie man sie kombinieren muss, weiterzuverbreiten. Ein Beispiel gelungener Entwicklungshilfe.

Karin Döhne ist eine von etwa 30.000 freiwilligen Entwicklungshelfern, die in den vergangenen 50 Jahren im Rahmen des Entwicklungshelfer-Gesetzes (EhfG) im Einsatz waren und sind. Es sind ausgebildete Fachkräfte mit Berufserfahrung. Doch anders als die hauptberuflichen Experten, die beispielsweise über die KfW ins Ausland geschickt werden, geht es bei den Entwicklungshelfern um einen zeitlich befristeten Dienst, der ohne "Erwerbsabsicht" geleistet wird. Das heißt, sie bekommen lediglich ein "Unterhaltsgeld", von dem sie im Einsatzland aber leben können müssen.

50 Jahre Entwicklungshelfergesetz
tagesschau 15:00 Uhr, 12.07.2019, Viktoria Kleber, RBB

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Aus drei Jahren wurden fast zehn

Sieben nach dem EhfG anerkannte Organisationen wie die Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), der Internationale christliche Friedensdienst EIRENE oder die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entsenden solche freiwilligen Entwicklungshelfer. Kranken-, Unfall-, Arbeitslosen- und Haftpflichtversicherung sowie Rentenbeiträge gehören mit zum Paket. Das Geld dafür kommt größtenteils vom Entwicklungsministerium, den Rest bringen die Entsendeorganisationen selbst auf.

Nach ihrer Rückkehr sollen die Entwicklungshelfer ihre Erfahrungen hierzulande einbringen. Nicht wenige bleiben ihr Leben lang der Entwicklungshilfe verhaftet. So wie Karin Döhne. Aus den ursprünglich geplanten drei Jahren in Nepal wurden fast zehn. Nach der Hälfte der Zeit wechselte sie nach Kathmandu, wo sie für ein landesweites Entwicklungsprogramm der ländlichen Regionen zuständig war.

Die Entwicklungshelferin Karin Döhne im Einsatz in Nepal | Bildquelle: Karin Döhne
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Karin Döhne bei einem Workshop in Kathmandu.

"Ohne Wasser kein Überleben"

Zurück in Deutschland bekam sie nach einer Zeit der Unsicherheit ein Angebot ihrer Entsendeorganisation "Brot für die Welt" als Asien-Referentin in Stuttgart. Es folgten Stationen in Bonn und Berlin, wo sie zuletzt Abteilungsleiterin für Afrika war und immer noch ehrenamtlich tätig ist.

Was sie in all dieser Zeit am nachhaltigsten geprägt und beschäftigt hat, sind die Einsichten in die globalen Zusammenhänge: Klimawandel, Gletscherschmelze - was das für Menschen in Entwicklungsländern bedeuten kann, hat sie hautnah miterlebt. Die Gletscher bilden, wenn das Eis im Sommer langsam taut, ein lebenswichtiges Wasserreservoir, das die ländliche Bevölkerung das ganze Jahr über mit Wasser versorgt. "Und ohne dieses Wasser funktioniert kein Überleben dort", erklärt sie.

Caroline Hoffmann, ARD Nairobi, zur Anerkennung und den Aufgaben der Entwicklungshelfer
tagesschau24 11:00 Uhr, 12.07.2019

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"Darf nicht daran denken, was da auf uns zukommt"

Sie ist fest davon überzeugt, dass westliche Industriestaaten ihren Lebensstandard zurückschrauben müssen. Die Folgen würden nämlich diejenigen ausbaden, die am wenigsten dafür könnten. "Wir reden immer von Klimaflüchtlingen, aber das hat noch gar nicht eingesetzt", sagt sie. "Ich darf gar nicht daran denken, was da noch auf uns zukommt."

Doch auch wenn sie viel Bedrückendes gesehen hat, die berufliche Weiterentwicklung und die vielen wertvollen persönlichen Erfahrungen und Freundschaften wiegen das auf. "Das Leben hat dort eine ganz andere Intensität", findet sie. Durch das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas wirklich Sinnvolles zu tun, hat sie ihren Einsatz nie in Frage gestellt. "Wenn man zumindest ein winziges Stück dazu beitragen kann, die Ungleichheit auf der Welt zu verringern, dann hat es sich gelohnt."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Juli 2019 um 22:15 Uhr.

Autorin

Sandra Stalinski  Logo tagesschau.de

Sandra Stalinski, tagesschau.de

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