Enver Altayli | Bildquelle: dpa

Wegen Terrorvorwürfen Deutscher in türkischer Isolationshaft

Stand: 19.03.2018 10:47 Uhr

Ohne Anklageschrift sitzt ein 73-jähriger Deutscher seit August in türkischer Isolationshaft. Seine Familie hat sich nun an die Öffentlichkeit und die Bundesregierung gewandt.

Die Angehörigen eines in der Türkei inhaftierten Deutschen haben die Bundesregierung um mehr Engagement in dessen Fall gebeten. Ihr 73-jähriger Vater Enver Altayli sitze seit mehr als einem halben Jahr wegen Terrorvorwürfen in Ankara in Isolationshaft, sagte Altaylis Tochter Zehra Der in Istanbul. Altayli besitzt die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft.

Die Familie wende sich aus Verzweiflung über die andauernde Untersuchungshaft ohne Anklage erstmals an die Öffentlichkeit. "Wir würden uns wünschen, dass die Bundesregierung stärker auf seine Entlassung aus der Untersuchungshaft hinwirkt und darauf, dass der Prozess beschleunigt wird", sagte die Tochter. Ein Prozessbeginn sei nicht absehbar.

73-jähriger Deutscher in türkischer Untersuchungshaft
tagesschau 16:00 Uhr, 19.03.2018, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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U-Haft wegen Terrorvorwürfen

Altayli wurde am 20. August in Antalya festgenommen, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Sechs Tage später wurde U-Haft wegen Terrorvorwürfen gegen ihn verhängt. Er sitzt im Hochsicherheitsgefängnis Sincan in Ankara.

Dem Mann werden laut Familie Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen. Altayli streitet aber laut Vernehmungsprotokoll diese und sämtliche andere Vorwürfe ab.

Altayli ist Jurist und war nach eigener Aussage 1968 vom türkischen Geheimdienst MIT zur Forschung über Osteuropa-Recht nach Deutschland entsandt worden. Er war in der Vergangenheit als Zentralasien- und Außenpolitik-Experte öffentlich in Erscheinung getreten. Kritisch stand er der vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan betriebenen Annäherung an Russland gegenüber. "Er war gegen eine Zunahme des Einflusses Russlands auf die Türkei", erzählte seine Tochter.

Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, der Fall sei bekannt. Die Botschaft stehe mit den türkischen Behörden und der Familie in Kontakt. Die Familie sagte, da ihr Vater Doppelstaatsbürger sei, genehmigten die türkischen Behörden aber keine konsularische Betreuung durch deutsche Diplomaten.

Krise zwischen Ankara und Berlin

Yücel nach seiner Freilassung | Bildquelle: dpa
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Yücel nach seiner Freilassung (Februar 2018)

Im vergangenen Jahr war es wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara gekommen. Massiver Druck der Bundesregierung hatte vor gut einem Monat zur Freilassung des Journalisten Deniz Yücels geführt.

Die Türkei bemüht sich seit einiger Zeit um eine Normalisierung der Beziehungen zu Deutschland. Nach Yücels Entlassung sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes noch vier Deutsche aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert: Altayli und drei weitere Bundesbürger, deren Identität nicht bekannt ist.

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