Ein Mitarbeiter arbeitet in einem Labor an Organismen im Hochsicherheitsbereich des Instituts für Virologie der Philipps-Universität Marburg. | Bildquelle: dpa

Forscher zum Coronavirus Mit der Genanalyse gegen das Virus

Stand: 15.02.2020 13:11 Uhr

Woher kommt das Coronavirus? Warum ist es so gefährlich - und wie wird es sich verbreiten? In Seattle haben Wissenschaftler ihre neuesten Forschungsergebnisse vorgestellt.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Eines schließt der Wissenschaftler Trevor Bedford mit absoluter Sicherheit aus: dass das zuerst in China aufgetauchte Coronavirus künstlich im Labor entstanden oder genetisch manipuliert worden sei.

Der Forscher aus Seattle im US-Bundesstaat Washington gehört zu einer weltweit arbeitenden Gruppe von Wissenschaftlern, die mit Hilfe von Genanalysen Epidemien bekämpfen. Auf dem internationalen AAAS-Wissenschaftskongress in Seattle stellte er neue Forschungsmethoden vor.

"Das ist revolutionär, um Ausbrüche zu verstehen"

Die Wissenschaftler tauschen jedes irgendwo auf der Welt neu analysierte Coronavirus sofort aus. Innerhalb weniger Tage wissen sie, welche Mutationen aufgetreten sind, wie diese die Verbreitung der Krankheit auf der Welt verändern kann. Sie können damit die Herkunft von Viren über Jahrzehnte zurückverfolgen.

"Das hat sich als sehr mächtige Technik herausgestellt. Das ist revolutionär, um Ausbrüche zu verstehen", sagt Bedford.

Mehr als nur verwandt

Die Genanalysen haben nach seinen Angaben bewiesen: Das neue Coronavirus, das jetzt Covid-19 heißt, und das SARS-Virus sind nicht nur verwandt. Sie haben auch denselben Ursprung und dasselbe Virus als Stamm. Vor etwa 20 bis 70 Jahren haben sie sich demnach auseinander entwickelt.

Sieben Epidemien mit Coronaviren habe es in den vergangenen Jahren gegeben, alle seien irgendwann eingedämmt worden, so der Forscher. Ob das diesmal schnell gelingen kann oder die Katastrophe erst beginnt, sei noch nicht zu erkennen. Man müsse statistisch davon ausgehen, dass jenseits der offiziellen Zahl heute mehr als 200.000 Menschen infiziert seien.

"Lasst uns den Gesundheitsbehörden in Afrika die Mittel geben, damit sie schnell handeln können", sagt er. "Wir haben erkannt, dass bei solchen Epidemien oft die Armen, die am Rand stehen, am härtesten getroffen werden."

Risiko für Afrika

Afrika könne zu einem Epizentrum werden, sagt Scott Dowell. Der Epidemiologe arbeitet für die "Melinda und Bill Gates Stiftung". Die Beziehungen zu China seien eng, und es gebe ein schwaches Gesundheitssystem, das kaum in der Lage sei, Krankheitsfälle schnell zu registrieren und dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht ausbreitet.

Denn auch wenn die Zahl der Kranken und Toten weit hinter dem liege, was eine normale Grippesaison an Opfern fordert, deute beim neuen Coronavirus alles darauf hin, dass es besonders gefährlich sei. "Das ist einer der bedrohlichsten Ausbrüche, die ich in meiner Laufbahn gesehen habe", sagt Dowell.

Weil es sich leicht überträgt und noch absolut unklar ist, wie tödlich es tatsächlich ist.

Millionen von Gates-Stiftung

Die "Melinda und Bill Gates Stiftung" hat bereits mehrere Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, um vor allem in Afrika zu helfen, besser mit dem Virus umzugehen und Menschen zu schützen.

Bill Gates war selbst zum AAAS Wissenschaftskongress in seiner Heimatstadt Seattle gekommen. "Eine weltweite Pandemie kann ganze Gesundheits- und Wirtschaftssystem zerstören und mehr als zehn Millionen Tote kosten", warnt er.

Beim Austausch der Forscher in Seattle jedenfalls stand eines im Mittelpunkt: Wie in den vergangenen Jahren entstandene wissenschaftliche Methoden helfen, Epidemien zu bekämpfen und vielleicht auch schneller als je zuvor zu Impfstoffen zu kommen.

Genanalyse und Statistik sind das eine, das gemeinsame internationale Arbeiten auf gemeinsamen Plattformen ist das andere. Dies hat, so die Forscher, die Zeit für Erkenntnisse von Wochen und Monate auf wenige Tage reduziert.

 

Wissenschaftskongress zum Coronavirus
Arthur Landwehr, ARD Washington
15.02.2020 10:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Februar 2020 um 10:11 Uhr.

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