Eine Hand voller US-Dollarscheine (Archivbild). | AFP

Coronavirus Dollarscheine in Quarantäne

Stand: 07.03.2020 13:20 Uhr

Pekings Zollverwaltung legt erstmals Zahlen zu den Folgen des Coronavirus vor: Chinas Export ist um fast ein Fünftel zurückgegangen. Weltweit gibt es weitere Tote. In den USA stehen inzwischen selbst Banknoten unter Quarantäne.

Chinas Außenhandel ist durch die Ausbreitung des Coronavirus regelrecht eingebrochen. Die Pekinger Zollverwaltung hat erstmals seit Ausbruch der Lungenkrankheit Zahlen vorgelegt. Die chinesischen Exporte sind demnach im Januar und Februar im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 17 Prozent zurückgegangen. Die Einfuhren nach China gingen um vier Prozent zurück. Der Außenhandel insgesamt ist damit um elf Prozent geschrumpft.

Große Teile der chinesischen Wirtschaft liegen seit mehr als sechs Wochen aufgrund der vielen Beschränkungen im Land praktisch lahm. Immer noch gibt es Arbeiter, die nicht in ihre Fabriken zurückkehren können, weil Reisebeschränkungen gelten oder sie in Quarantäne müssen. Industrie-Produktionen können nicht anlaufen, weil Einzelteile fehlen - und es gibt weiter große Einschränkungen in der Logistik, zum Beispiel beim Warentransport.

Regierungsangaben zufolge sind zwar bereits 78 Millionen Wanderarbeiter an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt - das seien 60 Prozent aller Menschen, die zum chinesischen Neujahrsfest Ende Januar in ihre Heimat gefahren waren, sagte ein Beamter. Allerdings nehme durch die Bevölkerungswanderung auch das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus zu.

1000 neue Fälle an einem Tag im Iran

Der Iran registrierte mehr als 1000 neue Corona-Krankheitsfälle an einem Tag: Den Behörden in Teheran sind derzeit 5832 Fälle bekannt. Bislang starben 145 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19, unter ihnen auch eine Parlamentsabgeordnete.

In Südkorea stieg die Zahl der Viruserkrankten inzwischen den Behörden zufolge auf mehr als 7000 Fälle an. Mehr als die Hälfte der Fälle stehe mit einer christlichen Sekte in Verbindung, an deren Gottesdiensten eine infizierte Person wiederholt teilgenommen hatte. Ein Wohnkomplex in Daegu, wo die Ausbreitung des Coronavirus in Südkorea ihren Anfang genommen hatte, steht nun unter Quarantäne.

In den Palästinensergebieten reagieren die Behörden nach Todesfällen mit großangelegten Bekämpfungsmaßnahmen: Die Stadt Ramallah ordnete an, alle Gotteshäuser der Stadt sowie das öffentliche Dienstleistungszentrum zu desinfizieren. In einem weiteren Schritt sollten Altenheime und städtische Einrichtungen desinfiziert werden, schließlich auch Abfallbehälter und Mülltransporter. Alle von der Gemeinde für März geplanten Veranstaltungen wurden verschoben. Die Stadt betonte, es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme. In den Palästinensergebieten wurden nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität bislang 22 Infektionsfälle registriert.

Mindestens 21 Corona-Fälle auf "Grand Princess"

Die Gesundheitsbehörden der USA meldeten zwei weitere Todesfälle durch Corona-Infektionen im Bundesstaat Florida. Damit erhöht sich die Zahl der Corona-Toten in den Vereinigten Staaten auf 16 Menschen, mehr als 200 Ansteckungsfälle sind bekannt.

Auf dem Kreuzfahrtschiff "Grand Princess", dem vor der Bucht von San Francisco die Einfahrt verweigert worden war, sind inzwischen einige Testergebnisse der Menschen an Bord bekannt. Von bislang 46 virologischen Tests, die ein Hubschrauber zum Schiff gebracht hatte, waren US-Vizepräsident Mike Pence zufolge 21 positiv und einer ohne klares Ergebnis. Bei den 24 übrigen Getesteten konnte keine Coronavirus-Infektion festgestellt werden. Die 2400 Gäste der "Grand Princess" und die 1100 Besatzungsmitglieder würden nun alle untersucht und medizinisch versorgt.

Angesichts der gesundheitlich riskanten Lage wegen des Virus wurde das Technologie- und Musikfest "South by Southwest" (SXSW) im Bundesstaat Texas abgesagt. Zuvor hatten zahlreiche Konzerne wie WarnerMedia, Netflix, Apple, Amazon Studios, Facebook und Twitter bereits angekündigt, in diesem Jahr nicht an der Messe teilzunehmen.

Selbst für US-Banknoten gelten inzwischen Sicherheitsvorkehrungen: Dollarscheine, die aus Asien in die USA gelangen, würden seit dem 21. Februar für einen "verlängerten Zeitraum" von sieben bis zehn Tagen zurückgehalten, teilte eine Sprecherin der Notenbank Federal Reserve mit. US-Bürger müssten sich jedoch keine Sorgen um Engpässe bei der Bargeldversorgung machen.

Erste Patientin auf Malta - Italiens Justiz eingeschränkt

Mit Malta ist nun ein weiterer EU-Staat neu vom Coronavirus betroffen: Ein zwölfjähriges Mädchen, das Ende Februar von einer Reise nach Norditalien zurückgekehrt war, ist die erste Patientin auf der Mittelmeerinsel.

Das bislang am stärksten betroffene europäische Land ist Italien. Dort sind inzwischen mehr als Infektionsfälle und mindestens 197 Tote registriert worden. Nicola Zingaretti, Chef der italienischen Sozialdemokraten, teilte in einer Facebook-Videobotschaft mit, dass auch er erkrankt sei und sich in häuslicher Quarantäne befinde.

Nicola Zingaretti, Mitte, Parteichef der italienischen Sozialdemokraten PD | dpa

Nicola Zingaretti, Mitte, Parteichef der italienischen Sozialdemokraten PD (Archivbild). Bild: dpa

Angesichts der Krise will das Land nun die Arbeit von Teilen der Justiz einschränken. Das Gesundheitswesen sagte die Einstellung 20.000 weiterer Arbeitskräfte wie Fachärzte und Krankenpfleger zu, zudem sollen Behörden Medizinartikel und andere Güter wie Möbel einziehen dürfen, wenn sie Eigentümer mit einem vor der Krise marktüblichen Preis entschädigen.

Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo will bis zu 100 Millionen Euro zur Bekämpfung der Virusepidemie spenden. Zudem werde Intesa Sanpaolo Unternehmen fünf Milliarden Euro an Krediten zur Verfügung stellen, davon rund eine Milliarde für den Tourismussektor, sagte Bankvorstand Carlo Messina der Tageszeitung "Corriere della Sera". Dieser Betrag könne verdoppelt werden, wenn Rom staatlich abgesicherte Garantien für die neuen Kreditlinien anbiete.

Zoll beschlagnahmt 21.000 Schutzmasken

Der österreichische Zoll legte unterdessem mehreren Schmugglern das Handwerk, die Einmal-Mundschutzmasken nach Deutschland einführen und offenbar dort verkaufen wollten. Mitarbeiter des Wiener Zollamts stellten am Donnerstag bei der Kontrolle eines türkischen Reisebusses neben 25 Kilogramm Fleisch und 1200 Zigaretten auch 21.000 Mundschutzmasken sicher. Durch den Verkauf hätten die Schmuggler nach Schätzungen des österreichischen Finanzministeriums "mindestens 50.000 Euro Gewinn" machen können.

Wegen Engpässen in der Versorgung medizinischen Personals mit Atemschutz-Ausrüstung haben bereits mehrere Regierungen die Handelsbedingungen verschärft. Die Bundesregierung Deutschlands hatte am Mitwoch den Export von Atemmasken und anderer Schutzkleidung wie Handschuhe und Schutzanzüge verboten, nur in Ausnahmefällen kann er genehmigt werden.

Mit Informationen von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. März 2020 um 12:00 Uhr.