Ville Itälä | EPA

Bericht der EU-Behörde OLAF Betrugsversuche mit Impfstoff im Milliardenwert

Stand: 08.06.2022 15:01 Uhr

Wie schon 2020 haben auch im vergangenen Jahr Betrüger versucht, von der Pandemie zu profitieren: Die EU-Behörde OLAF hat Betrugsversuche mit Corona-Impfstoffen im Wert von 16 Milliarden Euro aufgedeckt.

Die EU-Betrugsbekämpfung hat im vergangenen Jahr Betrugsversuche mit gefälschten Angeboten von Corona-Impfstoffen im Milliardenwert aufgedeckt. Wie die Behörde OLAF in ihrem Jahresbericht für 2021 herausstellte, ging es um Angebote von angeblichen Zwischenhändlern, die sich auf den Verkauf großer Mengen von Impfstoffen bezogen. Ziel der Betrüger war es, staatliche Stellen in EU-Ländern zu hohen Anzahlungen zu bewegen und dann "mit dem Geld zu verschwinden".

Den Angaben zufolge bekam die Behörde Kenntnis von Betrugsversuchen im Zusammenhang mit fast 1,2 Milliarden Impfdosen. Dabei sei es um einen verlangten Gesamtpreis von mehr als 16,4 Milliarden Euro gegangen. In diesen Fällen habe man eingegriffen und dabei geholfen, "die gefälschten Angebote aufzudecken und dadurch große Verluste für die öffentlichen Finanzen zu verhindern". Außerdem sei so die Einführung der Impfstoffe geschützt worden.

Die Betrüger hätten sich im vergangenen Jahr "erneut die Pandemie zunutze gemacht" und seien dabei "noch raffinierter und anpassungsfähiger geworden", beklagte die Behörde. Die Betrugsversuche seien offengelegt worden, "als alle Augen auf die Bereitstellung von Impfstoffen gerichtet waren". Bereits im Jahr zuvor hatte die Behörde massenhaft gefälschte Anti-Corona-Produkte aufgespürt, etwa falsche Testkits und minderwertige Masken.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro Fördermittel missbraucht

Dem Bericht zufolge wurden in der EU im vergangenen Jahr auch Fördermittel von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Euro missbraucht oder zweckentfremdet. Die Gesamtsumme bezifferte die Behörde auf mehr als 527 Millionen Euro - rund 234 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Unter anderem wurden demnach Fälle in Verbindung mit EU-Mitteln für Klimaschutz und Digitalisierung aufgedeckt. Der Bericht enthält auch Beispiele für Betrugsversuche bei der Finanzierung von Softwareprojekten, Alternativen zu Pestiziden oder umweltfreundlicheren Flugzeugen.

Die Aufdeckung des Schmuggels von illegalen Tabakwaren habe den EU-Ländern rund 90 Millionen Euro eingebracht, hieß es weiter. So sei verhindert worden, dass insgesamt 437 Millionen illegale Zigaretten auf den EU-Markt gelangen konnten. Außerdem unterstütze man die nationalen Behörden bei der Beschlagnahme von insgesamt 372 Tonnen Rohtabak.

Die Behörde OLAF mit Sitz in Brüssel hat die Aufgabe, Betrug mit EU-Finanzen aufzudecken. Die Ermittler untersuchen dabei auch die Arbeit innerhalb der europäischen Behörden.