Japans Premier Abe und seine Frau Akie winken vor dem Einstieg ins Flugzeug nach Peking. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Abe in Peking China und Japan arbeiten an ihrer Beziehung

Stand: 25.10.2018 08:25 Uhr

Japans Premier Abe besucht erstmals seit sieben Jahren Peking - denn China und Japan wollen im Handelsstreit mit den USA gemeinsam Auswege suchen. Dazu müssen sie ihre Erzfeindschaft überwinden.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Signale kommen aus beiden Lagern: China und Japan arbeiten an ihrer Beziehung. Das historisch belastete Verhältnis hat sich zuletzt verbessert. Im Mai war Chinas Regierungschef Li Keqiang zu Gast in Japan, nun der Gegenbesuch: Ministerpräsident Shinzo Abe kommt für drei Tage nach Peking.

Ein wichtiges Signal, betont die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying: "Wir glauben, dass mit diesem Besuch das politische Vertrauen zueinander größer wird. Wir wollen die Kooperation und den Austausch in allen Bereichen vertiefen, den gegenseitigen Kontakt stärken. Ziel ist es, das chinesisch-japanische Verhältnis wieder in die Normalität zu führen."

Grausame Besatzung durch Japan im Zweiten Weltkrieg

Das Verhältnis der beiden Länder ist schwierig. Japan hatte Teile Chinas im zweiten Weltkrieg besetzt und einen grausamen Eroberungskrieg geführt. Die Wunden auf chinesischer Seite sitzen tief.

Kritik gibt es vor allem am japanischen Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Zuletzt Mitte Oktober, als der japanische Regierungschef Abe dem umstrittenen Kriegsschrein Yasukuni eine rituelle Spende zukommen ließ.

In Peking wütete deshalb Chinas Außenamtssprecher Lu Kang. "Mit dem Yasukuni-Schrein werden die schlimmsten Kriegsverbrecher geehrt, die im Zweiten Weltkrieg direkt für den Eroberungskrieg gegen China verantwortlich waren. Wir verurteilen das aufs schärfste und appellieren an die japanische Seite, die eigene Geschichte und den aggressiven Eroberungskrieg aufzuarbeiten", sagte er damals.

Seit 40 Jahren gibt es offiziell einen Friedens- und Freundschaftsvertrag zwischen China und Japan. Zum Jubiläum wird es dazu jetzt beim Abe-Besuch in Peking eine Gedenkveranstaltung geben.

China ist Japans größter Handelspartner

Obwohl die Erzfeindschaft über die Jahre von beiden Seiten gepflegt wurde, ist der wirtschaftliche Austausch gigantisch. Für Japan ist China der größte Handelspartner, mehr als 30.000 japanische Unternehmen sind in China tätig.

Japan zeigt sich auch am chinesischen Mega-Projekt der Neuen Seidenstraße interessiert, vor allem an gemeinsamen Infrastruktur-Projekten in Südostasien. Und auch China setzt auf noch mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit, sagt Außenamtssprecher Lu Kang.

"Mehr wirtschaftliche Kooperation ist gut für beide Länder - und auch für die Welt. Beide Seiten können dazu beitragen, das multilaterale Freihandelssystem und eine offene Weltwirtschaft zu bewahren." China heiße mehr japanische Investitionen willkommen.

Nicht zuletzt der Handelskrieg zwischen China und den USA lassen China und Japan enger zusammenrücken. Parallel zum Besuch von Ministerpräsident Abe findet in Peking ein chinesisch-japanisches Wirtschaftsforum statt, mit 1000 Unternehmen aus beiden Ländern.

Mitte Oktober gab es bereits den China-Japan-Dialog mit dem ehemaligen japanischen Ministerpräsidenten Yasuo Fukuda. "Japan ist bereit, China dabei zu helfen, den Handelskrieg mit den USA zu lösen, damit das wirtschaftliche Wachstum stabil bleibt", sicherte er zu. "Aber es ist zunächst nötig, freie Handelsbeziehungen durch bilateralen Dialog zu erreichen." Das Treffen in Peking sei für Abe und Xi eine "gute Gelegenheit, daran zu arbeiten."

Streit um Inseln im Ostchinesischen Meer

Einen Konflikt werden die beiden vermutlich nicht lösen: den Inselstreit im Ostchinesischen Meer. Dabei geht es um die Inselgruppe, die die Chinesen Diaoyu und die Japaner Senkaku nennen.

Nach Angaben der japanischen Regierung gab es in den vergangenen sechs Jahren mehr als 200 Zwischenfälle, bei denen chinesische Küstenwachen-Boote in das Gebiet eingedrungen sind. Dieser Inselstreit und die schwierige Geschichte stehen einer echten Länder-Freundschaft weiter im Weg.

Neue Partner statt alte Erzfeinde: Japans Regierungschef Abe in China
Axel Dorloff, ARD Peking
25.10.2018 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Oktober 2018 um 10:15 Uhr.

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