Indisches Armeefahrzeug in Gagangeer, Kaschmir.

Truppenabzug vereinbart Indien und China entschärfen Grenzstreit

Stand: 11.09.2020 11:17 Uhr

Indien und China haben einen Abzug ihrer Truppen von der Grenze vereinbart. Sie wollen so den schwelenden Konflikt entschärfen, bei dem zuletzt Dutzende Soldaten getötet wurden.

Nach einer Serie von militärischen Zusammenstößen im Himalaya-Gebirge haben sich China und Indien auf Maßnahmen zur Deeskalation ihres Grenzstreits verständigt. Dies teilten beide Regierungen in einer gemeinsamen Erklärung mit. Demnach wollen beide Länder ihre Truppen in dem umstrittenen Gebiet "so rasch wie möglich" zurückziehen.

Der chinesische Außenminister Wang Yi und sein indischer Kollege Subrahmanyam Jaishankar vereinbarten bei den Beratungen in Moskau, dass die Truppen "eine angemessene Distanz" zueinander halten sollten. Auch sollten sie den Dialog miteinander fortführen und auf eine Beruhigung der Lage hinwirken, hieß es in der Erklärung. Vereinbart worden sei, alle Handlungen zu vermeiden, die zu einer Eskalation der Situation führen können.

Bereits Dutzende Tote

Beide Länder haben Zehntausende Soldaten in dem umstrittenen Berggebiet in der Region Ladakh stationiert. In dem Konflikt zwischen den beiden Atommächten waren in den vergangenen Monaten bereits Dutzende Menschen ums Leben gekommen. 

Im Juni wurden bei den Konfrontationen 20 indische Soldaten getötet. Auch auf chinesischer Seite gab es Tote, doch nannte Peking keine Opferzahlen. Beide Länder machten sich gegenseitig für die Zusammenstöße verantwortlich. Es handelte sich um den ersten Zwischenfall mit Toten in dem Grenzkonflikt seit mehr als vier Jahrzehnten.

Gegenseitige Vorwürfe

Am vergangenen Dienstag beschuldigten sich dann beide Länder gegenseitig, erneut Schüsse in dem Grenzgebiet abgegeben zu haben. Das Verteidigungsministerium in Peking erklärte, chinesische Soldaten hätten "Gegenmaßnahmen" ergriffen, nachdem indische Streitkräfte das Feuer eröffnet hätten. Peking warf Neu-Delhi eine "schwere militärische Provokation" vor. 

Die indische Armee wiederum beschuldigte chinesische Grenzschützer, als Einschüchterungsversuch Schüsse in die Luft abgegeben zu haben. Trotz "der schwerwiegenden Provokation" hätten die indischen Truppen mit großer Zurückhaltung reagiert, erklärten die indischen Streitkräfte.

Jahrzehntelanger Konflikt

Die Territorialstreitigkeiten belasten die Beziehungen zwischen Indien und China bereits seit Jahrzehnten. Peking beansprucht rund 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets für sich, das sich unter der Kontrolle Neu-Delhis befindet. Im Jahr 1962 führten die beiden Atommächte einen kurzen Krieg um die Grenze im Himalaya. 1967 kam es erneut zu tödlichen Zusammenstößen. Vor den aktuellen Vorfällen waren die letzten Schüsse in dem Konflikt 1975 abgefeuert worden.

China und Indien entschärfen Grenzstreit
Axel Dorloff, ARD Peking
11.09.2020 11:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. September 2020 um 10:15 Uhr.

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