Sicherheitspersonal mit Schutzausrüstung wartet auf Reisende auf dem Flughafen in Harbin.

Einreise nach China Ein Negativ-Test reicht längst nicht

Stand: 15.02.2021 10:31 Uhr

Aus Angst vor importierten Corona-Fällen schottet China sich weiter ab. Wer einreisen will, braucht eine Sondergenehmigung und muss vermehrt medizinische Untersuchungen über sich ergehen lassen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Mehr als ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise schottet sich das Ursprungsland der Pandemie weiter ab: Chinas Staats- und Parteiführung in Peking hat die Einreisebestimmungen in den vergangenen Wochen de facto weiter verschärft.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Ein gültiges Visum oder eine Aufenthaltsgenehmigung reichen zur Einreise längst nicht mehr aus. Vielmehr sind Sondergenehmigungen nötig, die allerdings häufig erst gar nicht ausgestellt werden. Das gilt selbst für Europäer, die seit mehreren Jahren in China leben, dort Steuern zahlen und sich eng mit dem Land verbunden fühlen.

"Invasive" medizinische Maßnahmen für Einreisende

Wer eine der seltenen Ausnahmegehmigungen zur Einreise bekommt, muss in China nicht nur für bis zu 21 Tage in Corona-Quarantäne, sondern auch vermehrt mit "invasiven" medizinischen Maßnahmen rechnen. So formuliert es das Auswärtige Amt seit einigen Tagen auf seiner Webseite. Es hat die ohnehin schon sehr abschreckend formulierten Reisehinweise für China vor einigen Tagen nochmal verschärft.

"Invasive Maßnahmen", dazu zählen teils tägliche Blutabnahmen, erzwungene Computertomografie-Aufnahmen und rektale Covid-Tests. Dazu kommt: Es gab zuletzt mehrmals Fälle, bei denen einreisende Europäer in China zwangsweise in Krankenhaus-Isoliertstationen verlegt wurden - trotz negativer Covid-19-Tests. Die Betroffenen hatten aber Corona-Antikörper im Blut, sie hatten also eine auskurierte Covid-Erkrankung hinter sich. Aus Sicht der chinesischen Behörden reicht das inzwischen offensichtlich aus, um teils mehrere Wochen lang unter Isolationsbedingungen zwangsweise behandelt zu werden.

Uneinheitliche Regelungen zur Quarantäne

Für nach China einreisende Familien kommt noch eine zusätzliche Belastung hinzu: Es kann vorkommen, dass selbst kleine Kinder noch am Flughafen von ihren Eltern getrennt werden.

Erschwert wird die Situation durch die Tatsache, dass die Quarantäne-Maßnahmen nach der Einreise in China nicht zentral geregelt werden. Zuständig sind stattdessen die Behörden auf Provinz- und Stadtebene. Teilweise entscheiden einzelne so genannte Nachbarschaftskomitees über die Ausgestaltung der Quarantäne. Diese Komitees sind die unterste Verwaltungseinheit der Kommunistischen Partei in China. Vor allem in der Hauptstadt Peking agieren sie teils sehr rigoros.

Wirtschaft kämpft mit hohen Einreisehürden

Deutschen und europäischen Firmen in China machen die hohen Einreisehürden vermehrt zu schaffen. Nach einer Umfrage der Auslandshandelskammer in China sind die Einreisebeschränkungen inzwischen das größte Problem deutscher Firmen. Auch die Europäische Handelskammer drängt auf Erleichterungen. Konkret fordert diese, dass Geimpfte einfacher in die Volksrepublik reisen dürfen.

Dass Chinas Staats- und Parteiführung die scharfen Einreiseregeln bald lockern wird, ist nicht absehbar. Chinas Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten auch fast ohne Geschäftsreisende bestens entwickelt. Viele Beobachter halten es inzwischen für möglich, dass Chinas Grenzen bis vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking nächsten Februar weitgehend dicht bleiben könnten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Februar 2021 um 08:51 Uhr.

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KOMMENTARE

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teachers voice 15.02.2021 • 20:35 Uhr

re 19:47 Olivia59: Imperativ

>>Bis man den kategorischen Imperativ endlich mal verstanden hat sollte man sich lieber in Demut üben anstatt irre Handlungen zu vollziehen.<< Wenn der Kategorische Imperativ schwer zu verstehen wäre, wäre er als Leuchtturm ethischen Handelns nicht zu gebrauchen. Ethik erfindet nie etwas neu - sie sucht das existierende Gemeinsame in allen Menschen. Und es ist dieser universale Gedanke der Ethik, der alle allgegenwärtigen Verfechter von Vor- und Sonderrechten so gegen diese aufbringt. Im übrigen bin ich schon etwas bestürzt, dass man hier die Idee der universalen Menschenrechte noch (oder wieder?) verteidigen muss! Wohl gemerkt - bereits die IDEE! Über deren Umsetzung war man sich verständlicherweise noch nie einig.