Demonstranten in Santiago | Bildquelle: REUTERS

Plünderungen und Gewalt Mehrere Tote bei Protesten in Chile

Stand: 21.10.2019 13:34 Uhr

Bei den Protesten in Chile sollen mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen sein. Mehr als 1500 Personen wurden festgenommen, der Ausnahmezustand wurde erweitert. Präsident Piñera spricht von "Krieg gegen einen mächtigen Feind".

Bei den anhaltenden Unruhen in ganz Chile sind nach Angaben des Innenministers Andrés Chadwick mindestens sieben Menschen umgekommen. Sie sollen bei Akten des Vandalismus gestorben sein. In einer ausgebrannten Kleiderfabrik im Großraum von Santiago de Chile wurden fünf Leichen gefunden. Medien berichteten zuvor von zehn Toten.

Auch heute blieben Schulen, Banken und öffentliche Einrichtungen geschlossen. Busse und die Metro in Santiago de Chile fuhren nur auf wenigen Strecken.

Piñera wirft Demonstranten Zerstörungswut vor

Chiles Präsident Sebastián Piñera sagte angesichts der Unruhen in einer Fernsehansprache: "Wir sind im Krieg gegen einen mächtigen Feind, der grenzenlose Gewalt nutzt." Er warf den Demonstranten Vandalismus, Zerstörungen und Plünderungen von Supermärkten vor. Piñera warf einigen Protestlern vor, sie hätten auch Krankenhäuser anzünden wollen.

Die Regierung erweiterte unterdessen den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre auf alle größeren Städte des Landes, wie die Tageszeitung "La Nación" berichtete. In der chilenischen Hauptstadt hielten jedoch nach Beginn der Ausgangssperre die Kundgebungen an.

Proteste im ganzen Land

Die gewaltsamen Proteste waren nach einer Fahrpreiserhöhung der U-Bahn in Santiago ausgebrochen und weiteten sich rasch über das ganze Land aus. Die landesweite Erhöhung der Stromtarife um durchschnittlich zehn Prozent heizte zusätzlich den Unmut an.

Präsident Piñera hatte am Freitagabend den Ausnahmezustand ausgerufen. Am Samstagabend machte er die Tariferhöhung der U-Bahn rückgängig. Rund 10.5000 Soldaten und Polizisten waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Hauptstadt im Einsatz.

Insgesamt wurden während der Protestwelle nach Angaben der Staatsanwaltschaft 1554 Menschen festgenommen. Mehr als 60 Supermärkte wurden in verschiedenen Städten geplündert und mindestens sechs in Brand gesetzt.

Demonstranten neben einer brennenden Barrikade | Bildquelle: REUTERS
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Auch nach der Rücknahme der Fahrpreiserhöhungen gehen die Proteste weiter.

Hinweis für Reisende

Das Auswärtige Amt rief Chile-Reisende zu besonderer Vorsicht auf. Weitere Ausschreitungen in größeren Städten des Landes seien nicht auszuschließen. Reisende sollten deswegen öffentliche Plätze und Menschenansammlungen meiden, den Anweisungen der örtlichen Sicherheitskräfte folgen und sich in lokalen Medien informieren.

Über dieses Thema berichteten am 21. Oktober 2019 Deutschlandfunk um 05:00 Uhr und NDR Info um 06:15 Uhr jeweils in den Nachrichten.

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