Die eingestürzte Morandi-Brücke in Genua | Bildquelle: AP

Eingestürzte Brücke in Genua Hunderte Helfer suchen nach Überlebenden

Stand: 15.08.2018 04:51 Uhr

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 35 gestiegen. Helfer haben auch in der Nacht bei Flutlicht nach Überlebenden gesucht.

In der norditalienischen Hafenstadt Genua haben Rettungskräfte nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke die ganze Nacht über ihre Arbeit fortgesetzt. Mit dem Licht großer Scheinwerfer und der Unterstützung von Spürhunden suchten Hunderte Einsatzkräfte unter den schweren Betonteilen nach Verschütteten. 

"Die Hoffnung stirbt nie, wir haben bereits ein Dutzend Menschen aus den Trümmern gerettet", sagte ein Vertreter der Feuerwehr, Emanuele Gissi, der Nachrichtenagentur AFP. Er kündigte an, die Helfer blieben "rund um die Uhr" im Einsatz.

Nach Angaben des Zivilschutzes sind insgesamt rund tausend Einsatzkräfte an den Rettungsarbeiten beteiligt, unter ihnen Beamte von Feuerwehr und Polizei sowie Mitarbeiter des Roten Kreuzes.

Rettungskräfte suchen weiter nach Überlebenden
tagesschau 9:00 Uhr, 15.08.2018, Andreas Caspari, ARD-aktuell

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Zahl der Todesopfer weiter gestiegen

Die Zahl der Opfer steht noch nicht endgültig fest. Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf das Innenministerium meldete, erhöhte sich die Zahl der bestätigten Toten auf 35. Unter den Opfern seien auch drei Minderjährige im Alter von acht, zwölf und 13 Jahren. Darüber hinaus seien 16 Menschen verletzt worden.

Die zur Autobahn A10 gehörende Morandi-Brücke war am Dienstagmittag in 45 Metern Höhe auf einer Länge von rund 100 Metern eingestürzt. Zu der Zeit herrschte über der Hafenstadt ein schweres Unwetter mit starkem Regen und Gewitter. Augenzeugen berichteten, kurz vor dem Einsturz sei ein Blitz in die Brücke eingeschlagen.

Auf der Autobahn herrschte dichter Verkehr, da Italien heute den Feiertag Mariä Himmelfahrt begeht. Die Trümmerteile stürzten auf einen Fluss sowie auf Straßen und Gleise eines Industriegebietes. Zahlreiche Lkw und Pkw wurden in die Tiefe gerissen und unter Betonteilen begraben.

Helge Roefer, ARD Rom, zzt. Genua, zum Brückeneinsturz
nachtmagazin 00:40, 15.08.2018

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Betreiber verweist auf Kontrollen

Die Brücke war 1967 fertiggestellt worden und ist Teil der Autobahn 10, die die italienische Riviera und Südfrankreich verbindet. Die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia erklärte, zum Zeitpunkt der Tragödie seien Bauarbeiten an der Sohle des Viadukts ausgeführt worden. Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden.

Verkehrsminister Danilo Toninelli drohte dagegen mit einer Klage gegen die Betreibergesellschaft, sollte ein Gericht eine Untersuchung einleiten. Der Minister nannte das Unglück eine "gewaltige Tragödie". Regierungschef Giuseppe Conte zeigte sich am Abend in Genua "tief betroffen".

Landesweite Probleme bei der Infrastruktur

Der Einsturz lenkte zugleich den Blick auf die schlechte Verfassung vieler Straßen und Brücken im Land. Verkehrsminister Toninelli räumte ein, das Unglück belege den maroden Zustand der Infrastruktur in Italien und die Wartungsmängel. Innenminister Matteo Salvini erklärte, es sei "nicht akzeptabel, auf diese Weise in Italien zu sterben".

Zugleich betonte Salvini, der Vorfall belege, wie dringend das Land öffentliche Investitionen benötige. Damit verknüpfte der Vorsitzende der rechtspopulistischen Lega die Katastrophe von Genua mit dem Dissens zwischen seiner Regierung und der EU über die Verschuldung Italiens. Er bekräftigte, er wolle die Sicherheit der Italiener an erste Stelle stellen. Der Innenminister deutete zudem indirekt an, dass sich Italien nicht durch die Stabilitätsvorgaben der EU an erheblichen Investitionen in die Infrastruktur hindern lasse.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. August 2018 um 22:15 Uhr.

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