Sendungsbild

Juncker zu britischen EU-Beamten "Die bleiben" - trotz Brexit

Stand: 07.08.2016 15:26 Uhr

Was geschieht mit den britischen EU-Beamten nach dem Brexit? Verlieren die rund 1200 Mitarbeiter ihren Job? "Nein", sagt Kommissionschef Juncker im ARD-Europamagazin. Die Kollegen müssten sich keine Sorgen machen.

Von Markus Preiß, ARD-Europastudio Brüssel

Seit der Entscheidung für einen Brexit fürchten viele britische EU-Beamte um ihren Job. Im Interview mit dem ARD-Europamagazin gab EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker jedoch eine klare Antwort: Sie bleiben, selbst wenn Großbritannien austritt. "Wir werden die Briten nicht auf die Straße setzen", sagte Juncker - obwohl eine Bedingung für einen Job in der Kommission ist, die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitglieds zu besitzen. Juncker verwies jedoch auf Ausnahmen - etwa Norwegen: "Es arbeiten auch Norweger in der Kommission, weil Norwegen ja beitreten wollte, dann aber per Referendum entschieden hat, nicht beizutreten. Aber einige Norweger waren schon hier angestellt. Die sind es auch immer noch."

Markus Preiß ARD-Studio Brüssel

Wer zahlt nach dem Brexit für die britischen Beamten?

In der EU-Kommission arbeiten derzeit rund 1200 britische Beamte. Die Organisation U4Unity, eine Gewerkschaft der EU-Beamten, hatte bereits argumentiert, dass alle Briten bei Antritt ihres Dienstes Staatsangehörige eines Mitgliedslandes gewesen seien. Entsprechend könnten sie jetzt nicht entlassen werden. Dem "Handelsblatt" hatte die Organisation gesagt, der Arbeitgeber könne höchstens "zu Mitteln wie einer vorzeitigen Pensionierung, einem zwangsweisen Amtsverzicht nach Verlust der EU-Staatsbürgerschaft oder einer Verrentung im Interesse des Dienstes greifen".

Spannend dürfte werden, inwiefern sich Großbritannien im Falle einer Weiterbeschäftigung an der Besoldung beteiligen würde oder sollte. Dieser Punkt gilt als ein heikler bei den anstehenden Brexit-Verhandlungen. Gleiches gilt für die Frage, wer künftig die Beamten-Pensionen bezahlt. Und ob sich Großbritannien auch an den künftigen Pensionen der anderen EU-Beamten etwa aus Deutschland oder Polen beteiligt. Diese haben ja - bis zu einem offiziellen Austritt - für die EU insgesamt gearbeitet. Also auch für Großbritannien.

Insgesamt zählt die EU-Kommission rund 30.000 Beamte. Hinzu kommen weitere beim Europäischen Rat, beim Europäischen Parlament und in kleineren Institutionen und Aufsichtsbehörden. Einige Jobs allerdings wird es nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht mehr geben: Den des britischen Kommissars - und die von 73 Europaabgeordneten aus dem Vereinigten Königreich.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
FreidenkerAD1 07.08.2016 • 22:46 Uhr

" ... obwohl eine Bedingung

" ... obwohl eine Bedingung für einen Job in der Kommission ist, die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitglieds zu besitzen." Deswegen dürfen die Briten also bleiben, genau wie die Norweger. Ist ein wenig so wie: Um spielen zu dürfen in diesem Golfclub müssen sie Mitglied sein und Beiträge zahlen. Wenn sie aber schon mal Mitglied waren oder es vielleicht werden wöllte, dann dürfen sie umsonst alles nutzen und die anderen Mitglieder zahlen für sie... irgendwie schizophren.