Eine Frau stemmt die Flaggen Großbritanniens und der EU auf dem Großen Platz in Brüssel in die Höhe. | AP
Kommentar

Brexit Der Moment der Wahrheit - für Brüssel

Stand: 31.01.2020 18:48 Uhr

Die Europäische Union sollte den Brexit als Weckruf begreifen: Sie muss jetzt echte Erfolge liefern - und ihren Mitgliedsstaaten beweisen, dass es in der EU besser ist als außerhalb.

Ein Kommentar von Markus Preiß, ARD-Studio Brüssel

Es ist soweit: Der Brexit - immer wieder verschoben - wird wahr. Mit Großbritannien verlässt erstmals ein Land die EU. Für mich ist das ein sehr trauriger Moment. Für die EU ist der Abschied der Briten aber auch ein Moment der Wahrheit: Großbritannien wird der Maßstab sein, ob das Brüsseler Mantra wirklich stimmt: Dass es nämlich besser ist, in der EU zu sein als außerhalb.

Markus Preiß ARD-Studio Brüssel

Sollten die Briten trotz der Probleme, die der Brexit jetzt erst einmal mit sich bringt, das Gegenteil beweisen, sieht es düster aus. Dann könnten auch andere Länder diesen Weg gehen.

Wir regulieren die Zukunft tot, bevor sie erfunden ist

Nicht Ungarn oder Polen, die ja jedes Jahr Milliarden aus Brüssel einstreichen. Ich würde eher auf Dänemark tippen, Italien oder gar Frankreich: Nettozahler in der EU mit jetzt schon starken Anti-EU-Politikern wie Matteo Salvini oder Marine Le Pen. Und Länder, die das Potential haben, auch allein erfolgreich zu sein - wenn die Briten vormachen, dass das geht.

Was bedeutet das? Die EU muss in die Gänge kommen. Echte Erfolge vorweisen. Nicht nur: Nie wieder Krieg, sondern auch Zukunftschancen. In der jetzigen Form ist sie kraftlos: In der Außenpolitik haben das die jüngsten Vorgänge im Iran gezeigt.

Und technologisch schauen wir den USA und China zunehmend hinterher. Bedenkentragend regulieren wir allzu oft die Zukunft tot, bevor sie überhaupt erfunden ist.

Aus der EU das machen, was sie wirklich sein kann

Hoffentlich begreift die EU den Brexit als Weckruf, dynamischer und kraftvoller wird - und nicht in wenigen Jahren neidisch auf Großbritannien schauen muss. Die Strategie sollte dabei nicht sein, den Briten nun das Leben möglichst schwer zu machen - als abschreckendes Beispiel quasi.

Sondern wir müssen aus unserer Lethargie herauskommen und - und aus dieser EU das machen, was sie wirklich sein kann.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 31. Januar 2020 um 21:45 Uhr.