Bolsonaro | REUTERS

Regenwald-Hilfen aus Deutschland "Brasilien braucht das Geld nicht"

Stand: 12.08.2019 07:34 Uhr

Klimaschutz oder Landwirtschaft? Diese Frage hat Brasiliens Präsident Bolsonaro im Bezug auf den Regenwald zuletzt eindeutig beantwortet. Deutschland will deshalb Hilfszahlungen stoppen. Die Reaktion? Schulterzucken.

Die Ankündigung der Bundesumweltministerin Svenja Schulze, Geld für den Klimaschutz in Brasilien wegen der verstärkten Abholzung des Regenwaldes zu kürzen, hat der Präsident des Landes mit einem Schulterzucken quittiert.

Sie können das Geld sinnvoll verwenden. Brasilien braucht es nicht", sagte Jair Bolsonaro zu den Äußerungen aus Berlin.

Zuletzt hatte die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes massiv zugenommen, weil Bolsonaro, ein Klimaskeptiker und Freund der Agrarindustrie, neue Flächen für den Anbau von Soja und die Rinderzucht roden lässt. Anfang des Monats hatte Bolsonaro den Chef des Weltraumforschungsinstituts INPE nach einem Streit über das Ausmaß der Zerstörungen im Regenwald gefeuert.

Kein Geld mehr aus Deutschland?

Wegen dieser Entwicklung hatte Schulze dem Land gedroht, einen Betrag von rund 35 Millionen Euro aus dem Amazonas-Fonds des Ministeriums zurückhalten zu wollen. "Die Politik der brasilianischen Regierung im Amazonas lässt Zweifel aufkommen, ob eine konsequente Reduzierung der Entwaldungsraten noch verfolgt wird", sagte Schulze. Bestehende Projekte würden vorerst fortgeführt, geplante neue aber auf Eis gelegt, hatte ein Sprecher des Umweltministeriums mitgeteilt.

Mit dem Geld wird die Überwachung und Bekämpfung von Kahlschlägen im Amazonas-Regenwald finanziert. Deutschland ist einer der drei größten Unterstützer des Fonds. Dessen Wirksamkeit hatte Bolsonaro zuletzt bezweifelt.

Seit Einrichtung des Fonds 2008 seien die Abholzungs- und Rodungszahlen zeitweise auch stark zurückgegangen, schreibt der "Tagesspiegel". Unter Bolsonaro gebe es nun eine Trendwende.

Abholzung in Porto Velho, Brasilien | REUTERS

Abgeholzter Regenwald in Porto Velho Bild: REUTERS

Stärkere Nutzung der Amazonas-Region

Bolsonaro will die Amazonas-Region wirtschaftlich stärker nutzen, keine weiteren Schutzgebiete ausweisen und mehr Rodungen zulassen. Nach kritischen Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Abholzung des Regenwaldes in seinem Land sagte er im Juni, Deutschland könne beim Umweltschutz noch viel von Brasilien lernen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. August 2019 um 06:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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WiPoEthik 12.08.2019 • 11:34 Uhr

@09:50 von Hador Goldscheitel

"Wir Deutschen fordern andererseits den Regenwald zu schützen, Brasilien soll damit auf Wachstum und Wohlstand verzichten, damit wir hier in Deutschland weiter so komfortabel leben können wie bisher. Was leistet Deutschland eigentlich für den Klimaschutz ?" Deutschland gibt/gab Gelder an Entwicklungs- und Schwellenländer, damit man dort Regenwälder schützt. Darum geht es hier doch. In Deutschland selbst werden größere Bauvorhaben zudem auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Für zerstörte Flächen müssen dann z.B. entsprechende Ausgleichsflächen geschaffen werden. Die Analysen sind enorm aufwändig und die umweltverträglichen Lösungen kosten viel Geld. Wir verzichten somit auch auf wirtschaftlichen Wohlstand zu Gunsten der Umwelt. Allerdings haben wir natürlich noch viel Luft nach oben.