Tunesien mit der Hafenstadt Sfax

Tunesische Mittelmeerküste Zahlreiche Tote bei Bootsunglück

Stand: 24.12.2020 15:26 Uhr

Bei einem Bootsunglück vor der tunesischen Küste sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Fünf Menschen konnten gerettet werden, nach 20 weiteren wird Behördenangaben zufolge noch gesucht.

Bei einem Bootsunglück vor der tunesischen Küste sind mindestens 20 Menschen ertrunken. Die Geflüchteten aus Ländern südlich der Sahara hätten versucht, die italienische Insel Lampedusa zu erreichen, teilte ein Sprecher des tunesischen Verteidigungsministeriums mit. Das Boot mit rund 45 Menschen an Bord sei jedoch etwa zehn Kilometer vor der tunesischen Küste gesunken.

Den Angaben zufolge entdeckten Fischer und die italienische Küstenwache die Leichen vor der Küstenstadt Sfax, fünf Menschen konnten aus dem Mittelmeer gerettet werden. Nach etwa 20 Menschen werde noch gesucht. Nach Angaben von Überlebenden hätten sich auf dem Boot etwa 40 oder 50 Menschen befunden. Das Boot sei überladen und in schlechtem Zustand und am Morgen starkem Wind ausgesetzt gewesen, was zu seinem Sinken beigetragen haben könnte, sagte ein Sprecher der Nationalgarde.

Zahl der Geflüchteten steigt wieder

Da Tunesiens Küste nur wenige hundert Kilometer vom europäischen Festland entfernt ist, ist der nordafrikanische Staat immer wieder Anlaufstelle für Migranten, die über die gefährliche Mittelmeerroute nach Europa wollen. In diesem Jahr versuchen wieder mehr Menschen, von Afrika nach Europa zu gelangen.

Die Corona-Epidemie hat die wirtschaftliche Lage auch in Nordafrika weiter verschlechtert. Aufgrund der jahrelangen Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit im Land versuchen zunehmend auch Tunesier auf diesem Weg nach Europa zu gelangen.

In Libyen werden Migranten und Flüchtlinge häufig misshandelt und eingesperrt. Italien verzeichnete nach Angaben des Innenministeriums seit Jahresbeginn einen Anstieg der Ankünfte von Bootsflüchtlingen um 400 Prozent. Derzeit ist die spanische "Open Arms" als einziges privates Rettungsschiff im Mittelmeer unterwegs. Sie ist am Mittwoch gestartet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.