Tagungszentrum für Bevölkerungsgipfel in Nairobi | Bildquelle: dpa

UN-Bevölkerungsgipfel Nicht alles geschafft

Stand: 14.11.2019 19:14 Uhr

Der UN-Bevölkerungsgipfel war ein Erfolg. Eines der Themen war ein neues Bekenntnis zur Selbstbestimmung der Frau bei Bildung, Arbeit und Sexualität. Dennoch wurde nicht alles erreicht.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Eigentlich sitzt das UNFPA in New York, doch die Zeichen für eine Konferenz dort standen schlecht: Die Regierung in Washington hat dem Fonds vor zwei Jahren das Geld gestrichen. Argumentiert hatte man mit dem Engagement des UN-Fonds in China. Klar ist aber, dass der Regierung Trump die ganze Linie der Organisation nicht passt.

Es geht um "sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte", ein sperriger Begriff, der aber unter anderem das Recht der Frau auf sexuelle Selbstbestimmung umfasst und das Recht, über die Kinderzahl selbst zu bestimmen. Ferner geht es um Rechte für Schwule, Lesben und Transgender. Und um die Möglichkeit, als letzten Ausweg, in Notsituationen, abzutreiben.

Teilnehmer am Bevölkerungsgipfel in Nairobi | Bildquelle: DANIEL IRUNGU/EPA-EFE/REX
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Die meisten der Teilnehmer haben kein Problem mit der Ausrichtung der Konferenz.

EU gibt 500 Millionen Euro

Die meisten der mehr als 160 Teilnehmerländer in Nairobi haben damit kein Problem - oder sehen zumindest keine Alternative, angesichts der rasch wachsenden Weltbevölkerung. "Wir haben 1200 neue Zusagen von Staaten, darunter auch von Deutschland, das 20 Millionen Euro mehr gibt, noch über die 33 Millionen bislang hinaus," sagt UNFPA-Direktorin Natalia Kanem. Europa-Parlamentarier Norbert Neuser (SPD) ist später stolz:

"500 Millionen Euro gibt die EU, dass zeigt unseren Wunsch, das Loch zu schließen, dass die US-Regierung geschaffen hat."

Abtreibungsgegner auf dem Bevölkerungsgipfel | Bildquelle: DAI KUROKAWA/EPA-EFE/REX
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Die Stimmung bei den Abtreibungsgegnern in einem Nebengebäude ist angespannt

Abtreibungsgegner fühlen sich nicht repräsentiert

Etwas weiter, fast gegenüber dem Konferenzgelände, haben sich in einem Nebengebäude des Basilika "Zur Heiligen Familie" christliche Gruppen versammelt. "Afrika heißt Abtreibung nicht willkommen", steht auf den Plakaten oder "Abtreibung tötet unsere Kinder." Anders als bei einem interreligiösen Treffen am Vortag auf dem Konferenzgelände ist die Stimmung hier angespannt. Ein Teilnehmer berichtet von einer Ländergruppe, die nebenan, in einem Hotel, gerade für einen kleinen Eklat sorge.

Abschluss der UN-Weltbevölkerungskonferenz: Schutz und Bildung von Frauen gestärkt
tagesschau 12:00 Uhr, 14.11.2019, Norbert Hahn, ARD Nairobi

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USA und andere lehnen Ergebnis der Konferenz ab

Es sind die USA. Botschafter Kyle McCarter erklärt, seine Delegation habe ein dutzend Länder hinter sich geschart, die die Ergebnisse der Konferenz ablehnten: Weißrussland etwa, Ägypten, Brasilien - aber auch Ungarn und Polen, die stramm konservative Seite der EU. "Wir können keine sexuelle Aufklärung billigen, die nicht die Eltern mit einschließt und die Abtreibung als Mittel der Familienplanung sieht" - um letzteres geht es allerdings weder den meisten Staaten noch dem Fonds. Die Ergebnisse der Konferenz seien nicht rechtsverbindlich und sollten auch in Folgepapieren nicht mehr auftauchen, so der Beschluss der Abweichler.

Frau mit Schild "Sichere Abtreibung" | Bildquelle: AFP
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Frau mit Schild "Sichere Abtreibung"

Genervt von Polen und Ungarn

Neuser, auch Vize-Vorsitzender im EU-Komitee für Entwicklung, ist vor allem von Polen und Ungarn genervt: "Jetzt eine ultrakonservative Position an der Seite der US-Regierung einzunehmen, bedeutet: Man nimmt billigend in Kauf, dass Kinder- und Müttersterblichkeit weiterbestehen, es weiter Frühverheiratung gibt und unsichere Abtreibungen Frauen in Lebensgefahr bringen."

UNFPA-Chefin Kanem ist trotzdem erstmal zufrieden. Sie weiß: Die Bedeutung des Themas Bevölkerungswachstums wird weiter zunehmen, so wie die Weltbevölkerung selbst. Das werde auch die nächste UN-Konferenz im Dezember zeigen, der Klimagipfel: "Das wird eine weitere Chance für die Welt sein, ein Verbindungen zu sehen, etwa mit dem Klimawandel."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. November 2019 um 12:00 Uhr.

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