Belgische Fußballer jubeln über den Sieg über Japan bei der Fußball-WM | Bildquelle: ROMAN PILIPEY/EPA-EFE/REX/Shutte

Belgien und die Fußball-WM 90 Minuten vereint

Stand: 06.07.2018 09:30 Uhr

Der Erfolg der belgischen Nationalmannschaft bei der WM weckt Hoffnungen, die Spaltung des Landes könne durch den Sport überwunden werden. Doch nicht alle Fans sind davon überzeugt.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Mannschaftskapitän Eden Hazard ist Wallone. Er stammt aus Südbelgien und spricht französisch. Superstar Kevin De Bruyne ist Flame. Er kommt aus der Nähe von Gent und spricht von Hause aus niederländisch. Rekordschütze Romelu Lukaku ist Sohn kongolesischer Einwanderer, wurde in Antwerpen in Flandern geboren und spricht niederländisch und französisch als Muttersprache.

Doch all das spielt derzeit überhaupt keine Rolle. Denn in der belgischen Fußball-Nationalmannschaft spielen keine Flamen und Wallonen mehr, sondern nur noch Belgier. All die sprachlichen und kulturellen Unterschiede, die es im Alltag häufig gibt, scheinen in dieser Mannschaft nicht mehr zu existieren. Das habe wohl "einfach nur mit Gefühlen zu tun", meint der Flame Rudi van der Meulen.

Belgische Fußball-Nationalmannschaft beim Training während Vorbereitung auf die Fußball-WM | Bildquelle: AP
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Der Spaß beginnt schon im Training: Das belgische Team gehört bei der Fußball-WM zu den Favoriten.

"Rote Teufel" für alle

Fußball ist - neben Radrennen - ein Volkssport in  Belgien, mit dem sich viele Leute identifizieren. Und bei der Fußballweltmeisterschaft zählt das Land und die Mannschaft: Es geht also um Belgien und um die "Roten Teufel", die "diables rouges" oder die "rode duivels" - so wird das Nationalteam in Belgien genannt.

Die Bezeichnung ist schon über hundert Jahre alt und stammt von einem Fußballreporter, der meinte, die Belgier würden in ihren roten Trikots spielen wie die Teufel. Die Mannschaft ist beinahe wie eine Familie, und in gewisser Weise seien auch die Belgier eine Familie, wenn die Nationalmannschaft auf dem Platz steht, meint der Wallone Emmanuel Dubois.

Seiner Ansicht nach ist die belgische Nationalmannschaft eine Art Klebstoff für die zersplitterte Nation. Wenn die Mannschaft weit im Turnier käme, würde das bei den Belgiern sicherlich eine starke emotionale Bindung erzeugen, meint der Wallone. 

Der Flame Rudi ist skeptisch. Er glaubt nicht, dass die Fußball-Weltmeisterschaft Flamen und Wallonen dauerhaft einander näher bringen wird. Der Zusammenhalt werde wieder schwinden, glaubt er.

Das belgische Team jubelt bei der Fußball-WM nach dem Sieg über Japan | Bildquelle: dpa
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Nach dem umjubelten Sieg über Japan ist nun Brasilien der nächste Gegner der belgischen Mannschaft.

Ein Spanier macht Hoffnung

Einer, der an die Kraft des Zusammenhalts glaubt, ist der belgische Trainer Roberto Martínez. Er ist Spanier. Auf dem Spielfeld und in der Kabine spricht der Trainer nicht Französisch oder Niederländisch mit den Spielern, sondern Englisch. Die meisten von ihnen spielen sowieso in England. Er stelle keinen Unterschied zwischen Flamen und Wallonen fest, beteuerte Martínez vor kurzem in einem Zeitungsinterview. Die Prägung und die Muttersprache hätten seiner Ansicht nach heute viel weniger Einfluss als früher.

Der Fußball schafft seit Jahren immer wieder das, was der Politik nicht gelingt: Bei Flamen und Wallonen das Gefühl hervorzurufen, Belgier zu sein. Heute Abend beim Spiel gegen Brasilien wird man das wieder deutlich spüren können. 

Belgisches Fußball-Team: Klebstoff für die zersplitterte Nation
Karin Bensch, WDR Brüssel
06.07.2018 09:37 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 06. Juli 2018 um 08:51 Uhr auf WDR 5.

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