Polizisten bei Protesten in Belarus | YAUHEN YERCHAK/EPA-EFE/Shutterst

Vorwurf der Wahlfälschung Erneute Ausschreitungen in Minsk

Stand: 11.08.2020 02:19 Uhr

In der belarussischen Hauptstadt Minsk ist es erneut zu Protesten wegen angeblicher Wahlfälschung gekommen. Die Polizei nahm 30 Personen fest. Ein Demonstrant kam Regierungsangaben zufolge ums Leben.

Am zweiten Abend in Folge ist es nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl in Minsk erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Die Einsatzkräfte sperrten ganze Straßen ab und nahmen insgesamt 30 Personen fest. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, die Polizei hätte mehrere Demonstranten aus der Menschenmenge gezogen und mit Schlagstöcken angegriffen. Augenzeugen berichteten von blutüberströmten Menschen.

Nach Angaben des belarussischen Innenministeriums kam ein Protestierender ums Leben. Die Person habe einen Sprengsatz werfen wollen, doch sei er noch in ihrer Hand explodiert, teilte Ministeriumssprecher Alexander Lastowsky mit.

Polizeieinsatz bei Protesten in Belarus | REUTERS

Die Polizei geht mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Bild: REUTERS

Polizei nimmt Demonstranten in Belarus fest | REUTERS

Mehr als 30 Personen wurden festgenommen. Bild: REUTERS

Polizisten greifen friedliche Demonstranten an

Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie die Einsatzkräfte auf friedliche Menschen einprügelten und augenscheinlich wahllos Bürger auf den Straßen festnahmen - selbst Jugendliche sollen darunter sein. Erneut sollen die Sicherheitskräfte auch Blendgranaten eingesetzt haben. Augenzeugen berichteten auch von Tränengas.

Die Wahlkommission hatte Alexander Lukaschenko am Morgen offiziell zum Sieger erklärt. Laut des vorläufigen Endergebnisses erhielt Lukaschenko 80,2 Prozent der Stimmen. Die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja kam demnach auf 9,9 Prozent. Tichanowskaja gab bekannt, sie akzeptiere diese Ergebnisse nicht und forderte eine Neuauszählung der Stimmen. Unabhängige Nachwahlbefragungen im Ausland kamen zu dem Ergebnis, dass Tichanowskaja 71 Prozent geholt habe  - Lukaschenko dagegen nur zehn Prozent.

Auch in anderen Städten wurde demonstriert

Bereits direkt nach der Wahl am Sonntag waren Tausende Menschen in der Hauptstadt Minsk und 30 anderen Städten auf die Straßen gegangen. Staatsmedien hatten zu diesem Zeitpunkt bereits den Wahlsieg von Lukaschenko verkündet.

Aufrufe zu den erneuten Protesten gegen die angebliche Wahlfälschung gab es auch in anderen Städten des Landes. Auch von dort gab es Berichte, dass Polizisten zentrale Plätze mit Schutzgittern abgesperrt haben. In Brest an der Grenze zu Polen sollen Demonstranten Einsatzkräfte mit Flaschen und Feuerwerkskörper attackiert haben.

EU verurteilt Polizeigewalt

Die Europäische Union verurteilt das harte Vorgehen der Polizei gegen Regierungskritiker. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte, die Wahl sei von unverhältnismäßiger staatlicher Gewalt gegen friedliche Demonstranten überschattet gewesen. Auch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteile das Vorgehen: "Die gewaltsame Unterdrückung von friedlichen Protesten hat keinen Platz in Europa", sagte von der Leyen.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte die belarussischen Behörden dazu auf, "absolute Zurückhaltung zu zeigen und vollsten Respekt für das Recht auf Meinungsfreiheit, friedliche Versammlungen und das Bilden von Gruppen", erklärte ein UN-Sprecher in New York. Aktionen, die zur Verschärfung der Spannungen beitrügen sollten von allen Beteiligten

vermieden werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. August 2020 um 11:00 Uhr.