Feuerwehrmänner in Kinetta | Bildquelle: dpa

Brände in Griechenland "Das sogenannte schlimmste Szenario"

Stand: 24.07.2018 00:14 Uhr

In Griechenland kämpft die Feuerwehr gegen mehrere außer Kontrolle geratene Waldbrände. Mindestens 20 Menschen starben in den Flammen. Die Behörden haben den Notstand ausgerufen.

Bei extremer Trockenheit sind mehrere Waldbrände in Griechenland außer Kontrolle geraten. Die Brände östlich und westlich der Hauptstadt Athen sind so groß, dass Rauchwolken die Metropole erreichten und die Sonne verdunkelten. Die Behörden riefen den Notstand aus.

Nach Angaben der griechischen Regierung sind bislang mindestens 20 Menschen infolge der Brände gestorben. Mehr als 100 weitere seien verletzt, elf von ihnen schwer, teilte Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos mit. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, er habe nahe der Ortschaft Mati rund 40 Kilometer östlich von Athen insgesamt vier weitere verkohlte Leichen entdeckt - dort hat es der Regierung zufolge die meisten Opfer gegeben.

Der erste Brand brach in der Nähe von Kinetta aus, einem Ferienort rund 50 Kilometer westlich von Athen. Die Feuerwehr versuchte mit Löschflugzeugen und Dutzenden Einsatzfahrzeugen, die Flammen unter Kontrolle zu bringen, was zunächst aber nicht gelang. Über der griechischen Hauptstadt verfärbte sich der Himmel durch den Rauch orange. Später fiel Asche vom Himmel.

Temperaturen um die 40 Grad

Mehrere Häuser standen in Flammen, wie Bilder des griechischen Fernsehens zeigten. Einige Anwohner versuchten, ihr Hab und Gut mit Gartenschläuchen zu retten. Viele Einwohner flüchteten in Panik, berichteten Reporter vom Ort des Feuers. Strom, Telefon und Internet fielen in einigen Regionen aus.

Zwar hatten die Behörden durch die Hitze der vergangenen Tage mit Waldbränden gerechnet, die Heftigkeit des Brandes überraschte sie dennoch. Zurzeit liegen die Temperaturen in Griechenland bei um die 40 Grad. Zudem wehen in der betroffenen Region Winde der Stärke sieben. "Es ist das sogenannte schlimmste Szenario eingetreten", sagte der Chef des griechischen Zivilschutzes, Giannis Kapakis, im Fernsehen. Der Brand tobe in einem dicht mit Pinien bewaldeten Gebiet, und überall gibt es Ferienhäuser.

Rauch über Athen | Bildquelle: REUTERS
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Über Athen verfärbte sich der Himmel orange.

Viele Verletzte in Rafina

Auch in der Hafenstadt Rafina stiegen am Abend riesige Rauchwolken in den Himmel. 25 Menschen seien mit teils schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, sagte ein Vertreter des Katastrophenschutzes. Tausende Menschen flohen aus der Region. Sämtliche Straßen waren verstopft, wie das Fernsehen zeigte.

In der Region Penteli evakuierten die Behörden nach eigenen Angaben mehrere Ferienlager für Kinder, während Dutzende Häuser und Autos in Flammen aufgingen. Die Küstenwache erklärte, sie habe mindestens ein Patrouillenboot entsendet, um Menschen von einem Strand in Sicherheit zu bringen.

Griechenland bittet um Hilfe aus der EU

Der Zivilschutz kündigte an, Griechenland werde die EU um Hilfe im Kampf gegen die Brände bitten. Regierungschef Alexis Tsipras brach einen Besuch in Bosnien-Herzegowina ab und ordnete an, dass auch andere Feuerwehren und weiteres Militär in die Waldbrandgebiete geschickt werden. "Meine Gedanken sind bei den Menschen und den Einsatzkräften", sagte er im griechischen Fernsehen. Er äußerte den Verdacht, dass Brandstifter hinter den Feuern stecken könnten. Wegen der starken Rauchbildung wurden die Autobahn und die Bahnverbindung zwischen Athen und Korinth geschlossen, teilte die Verkehrspolizei mit.

Auch auf Kreta bei Chania brach ein Waldbrand aus. Aus ganz Griechenland werden außerdem einzelne kleinere Busch-Brände gemeldet. Für Mitte der Woche sind niedrigere Temperaturen und auch Wolkenwetter angekündigt.

Mit Informationen von Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul, zzt. Athen

Waldbrand 40 km westlich von Athen außer Kontrolle
Michael Lehmann, ARD Istanbul
23.07.2018 20:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2018 um 23:00 Uhr.

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