Pro-Assange-Proteste in London | Bildquelle: AFP

Demo für WikiLeaks-Gründer "Hände weg von Assange"

Stand: 22.02.2020 20:10 Uhr

Am Montag beginnt in London die Anhörung im Verfahren gegen Assange. Hunderte Menschen demonstrierten in der Stadt heute gegen seine Auslieferung und für Pressefreiheit. Sie fürchten einen Präzedenzfall.

Von Imke Köhler, ARD-Studio London

"Es kann nur eine Entscheidung geben: keine Auslieferung", so skandieren es die Unterstützer von Julian Assange. Mit der Frage, ob der WikiLeaks-Gründer an die USA ausgeliefert wird, befasst sich ab Montag ein Londoner Gericht. Deshalb hatten die Freunde und Unterstützer Assanges für heute zur Demonstration aufgerufen.

Vor dem Australia House - der diplomatischen Vertretung Australiens in Großbritannien - finden sich am Mittag Teilnehmer für einen Protestmarsch ein. Die 31-jährige Rachel ist extra aus Birmingham angereist. "Ich bin heute gekommen, weil ich glaube, dass die Pressefreiheit eins der wichtigsten Themen in diesem Land ist", sagt sie. "Und wenn wir Assange ausliefern, gibt es meiner Meinung nach keine Pressefreiheit."

Auch Joe ist gekommen. Der junge Mann im Alter von Mitte Zwanzig hält eines der Schilder hoch, die von den Organisatoren der Demo verteilt wurden. "Liefert Assange nicht aus", steht darauf. "Die Staaten tun, was Staaten tun", sagt Joe. "Da deckt ein Mann auf, was die amerikanische Regierung Schreckliches getan hat, und nun will sie ihn dafür bestrafen. Das geht nicht. Wir müssen das Recht der Journalisten verteidigen, die Mächtigen mit der Wahrheit zu konfrontieren."

 "Das öffnet eine Tür"

"Hände weg von Assange!", lautet deshalb der nächste Schlachtruf. Raye, die ebenfalls vor dem Australia House demonstriert, hat sich die Mühe gemacht, eigene Plakate zu malen. "Who's next?", heißt es da: "Wer ist der Nächste?" Und: "Let's talk about the war crimes" - "Reden wir über die Kriegsverbrechen". Raye ist nach eigener Aussage keine Frau, die bei jeder Demo dabei ist. Aber heute sei es ihr ein Herzensanliegen gewesen, sagt sie:

"Wir sind hierhergekommen, um Assange zu unterstützen, weil seine Auslieferung an die USA ein gefährlicher Präzedenzfall wäre. Denn wir glauben, wenn er an die USA ausgeliefert wird, öffnet das eine Tür - und dann könnten auch andere von uns, die über Kriegsverbrechen reden wollen, ausgeliefert werden."

Varoufakis will Assange besuchen

Diese Befürchtung teilt auch der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis, der Assange unterstützt. "Wir sollten die Menschenrechte verteidigen, wo immer wir sind: in Deutschland, in Griechenland, in Großbritannien, in den USA", sagt er. "Sonst holen sie erst Julian, und dann holen Sie dich." Der griechische Ökonom fragt: "Warum drohen Assange 175 Jahre Gefängnis?" Die Antwort gibt er gleich selbst: "Weil er Kriegsverbrechen offengelegt hat".

Varoufakis will Assange morgen im Gefängnis besuchen. Über seine Gefühle sagt er: "Ich habe große Angst und fühle eine Beklemmung und Schuld. Denn ich werde ins Gefängnis gehen und es dann wieder verlassen, und er wird zurückbleiben."

  

Protest gegen mögliche Auslieferung von Assange an die USA
Imke Köhler, ARD London
22.02.2020 19:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Februar 2020 um 09:00 Uhr und berichtete hr2-kultur Kulturcafé am 24. Februar 2020 um 17:10 Uhr.

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