Hershel Walker bei einem Wahlmapfauftritt in Ellijay (US-Bundesstaat Georgia) | REUTERS

Stichwahl in Georgia "Wählt, wählt, wählt!"

Stand: 06.12.2022 10:44 Uhr

Stichwahl über den letzten zu vergebenden Sitz im US-Senat: In Georgia entscheidet sich damit heute, ob die Demokraten künftig eine hauchdünne oder echte Mehrheit haben. Der Wahlkampf geriet zur Materialschlacht.

Von Nina Barth, ARD-Studio Washington

Es geht um den letzten noch offenen Sitz im US-Senat. Und wieder fällt die Entscheidung in Georgia. Die Umfragen sagen ein äußerst knappes Ergebnis bei der Stichwahl voraus. Es dürfte also wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben zwischen dem demokratischen Amtsinhaber Raphael Warnock und dem von Ex-Präsident Donald Trump unterstützten Republikaner Herschel Walker.

Nina Barth ARD-Studio Washington

Bei den Zwischenwahlen am 8. November lag Warnock nicht einmal einen Prozentpunkt vor Walker. Und beide wissen, es kommt darauf an, ihre Wähler zu mobilisieren.

Und so sagte Ex-Football-Star Walker immer wieder: "Wählt, wählt, wählt. Wenn ihr noch nicht gewählt habt, geht wählen." Und Amtsinhaber Warnock erklärte: "Wenn ich eine Sorge habe, dann die, dass die Leute denken, wir brauchen ihre Stimme nicht. Leute, geht wählen."

Teurer Wahlkampf

Fast 81 Millionen US-Dollar haben Demokraten und Republikaner in den Wahlkampf für diese Stichwahl gesteckt, wobei die Demokraten fast doppelt so viel ausgegeben haben wie die Republikaner.

Zwar haben die Demokraten im Senat schon jetzt mit 50 Sitzen gegen über 49 Sitzen der Republikaner eine hauchdünne Mehrheit – und bei einem Gleichstand entscheidet die Stimme der demokratischen Vizepräsidentin Kamala Harris. Aber trotzdem - für die Demokraten wäre ein zusätzlicher Sitz viel wert: Parteiinterne Abweichler ließen sich leichter überstimmen, in zahlreichen Ausschüssen hätten die Demokraten die Mehrheit.

Und so hat sich auch Ex-Präsident Barrack Obama erneut im Wahlkampf für Warnock stark gemacht. "I am back", rief Obama vor wenigen Tagen der Menge in Atlanta zu und wurde bejubelt.

Auch eine Abstimmung über Charakter und den Präsidenten

Sowohl Warnock als auch Walker versuchten auf den letzten Metern noch einmal, die Schwächen des anderen zu betonen. Walker stellte Warnock als Handlanger von Präsident Joe Biden dar.

Warnock habe in 96 Prozent der Fälle im Senat so abgestimmt wie Biden das wollte. Er repräsentiere nicht Georgia, er repräsentiere Biden, sagte Walker.

Und Warnock, lange Pfarrer an der Baptistenkirche in Atlanta, an der einst Martin Luther King predigte, erklärte, es gehe bei dieser Wahl um Charakter und Kompetenz. 

Der ehemalige Footballstar Walker war in die Schlagzeilen geraten unter anderem durch Vorwürfe der häuslichen Gewalt durch seine Ex-Frau und weil er - als kategorischer Abtreibungsgegner im Wahlkampf - zwei Frauen zu Abtreibungen gedrängt haben soll. Was er bestreitet. 

Kuriose Auftritte

Manche Kritiker sagen, Walker sei noch nicht einmal in der Lage, drei zusammenhängende sinnvolle Sätze zu sagen. Erst kürzlich sorgte er für Kopfschütteln, als er auf einer Wahlkampfveranstaltung von einem Vampirfilm erzählte, den er kürzlich gesehen habe.

Walker erklärte: "Aber Werwölfe können Vampire töten, wusstet ihr das?" Er habe das nicht gewusst und deshalb wäre er lieber ein Werwolf als ein Vampir.

Ein gefundenes Fressen für die Demokraten. So sagte Ex-Präsident Obama auf der Wahlveranstaltung in Atlanta, die Frage, ob er Werwolf oder Vampir sein wolle, habe er sich auch gestellt - aber er sei damals sieben Jahre alt gewesen. Walker wolle also lieber ein Werwolf sein? Das sei großartig… Und Obama ergänzte, was ihn angehe, könne Walker alles sein, nur eben nicht US-Senator.

Späte Unterstützung

Unterstützung bekommt Herschel Walker dagegen von dem Republikaner Brian Kemp, der die Gouverneurswahl am 8. November deutlich für sich entschied. Im Vorfeld der Zwischenwahl hatte sich Kemp noch von Walker ferngehalten, aber jetzt stellte er sich in einem Interview mit CNN hinter den ehemaligen Football-Star.

Walker-Unterstützer Donald Trump kam zum Wahlkampf übrigens nicht nach Georgia. Offensichtlich ließ er sich von seinen Beratern überzeugen, dass er moderate Wähler abschrecken und Walker damit eher schaden könne. Auch Präsident Biden unterstützte Warnock nur aus der Ferne, was an Bidens eher niedrigen Beliebtheitswerten liegen dürfte.